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Auch im Winter im eigenen Garten: Roland Juhnke hat immer einen Bezug zum Sport und den Menschen, die ihn ausüben.

Leichtathletik, TSG Friedrichsdorf

Roland Juhnke: Die gelbe Mütze ist sein Markenzeichen

  • vonRobin Kunze
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Roland Juhnke möchte den Menschen Halt geben. Das ist seit 40 Jahren der Antrieb des Leichtathletiktrainers der TSG Friedrichsdorf, der von manchem seiner jugendlichen Schützlinge einst schon die Oma betreut hat.

Friedrichsdorf – Ein guter Trainer fördert sowie fordert seine Schützlinge und ist für Nachwuchssportler da, auch wenn die Übungsstunde längst vorbei ist. Nach diesem Prinzip handelt Roland Juhnke seit mittlerweile 40 Jahren bei den Leichtathleten der TSG Friedrichsdorf. „Manchmal schreibt das Leben harte Geschichten, beispielsweise wenn sich die Eltern eines Kindes trennen. Dann habe ich geschaut, dass ich über den Sport Halt geben kann“, sagt der 70-Jährige.

Es ist genau diese Herangehensweise, die ihn zu einem unverzichtbaren Mitglied der TSG im Speziellen und des Breitensportes im Allgemeinen macht.

Zu seinem Heimatverein kam Juhnke einst im Alter von sechs Jahren, um an der „allgemeinen Turnstunde“ – heute würde man Kinderturnen sagen – teilzunehmen. Dort lernte er nicht nur die Freude an der Bewegung kennen, sondern auch Vorbilder in Sachen Nachwuchsförderung.

Ulrich Ette entfachte das Feuer

Zu Ulrich Ette sei er stets gerne gegangen, sagt Juhnke. Eben weil der Übungsleiter sein Engagement nicht nur auf die Turnstunde beschränkte. „Jedes Jahr haben wir zum Abschluss ein Vorturnen gehabt und dazu ein Theaterstück aufgeführt“, schwärmt er. Mit elf Jahren lernte er unter Helmut Föller das Geräteturnen. „Das hat großen Spaß gemacht, obwohl ich immer ein bisschen den Clown gegeben habe“, gesteht er. Aufs Trampolin zog es ihn auch schon mal in Lederhosen und mit aufgespanntem Regenschirm. Ein bisschen Spaß muss eben sein.

Den hatte er als Jugendlicher eher beim Kicken mit den Schulkameraden als in der Turnhalle. Als die Kumpels irgendwann für den FSV Friedrichsdorf spielten, war er natürlich mit von der Partie. „Ich war nicht das größte Talent, hatte aber einen ,Mordsehrgeiz‘. Außerdem hat mir der Mannschaftssport damals mehr Freude bereitet, als alleine dreimal über die Saalburg zu rennen“, sagt er augenzwinkernd.

Die Leichtathletikgruppe, die sich den Sportplatz mit den Fußballern teilte, fiel ihm auf. Schließlich waren dort die Nachbarskinder und Jugendfreundinnen Cornelia und Claudia aktiv. Umgekehrt war er bei einem Konditionslauf Jürgen Biehn, Gründer und Trainer der Leichtathletikabteilung, aufgefallen. Kein Wunder, rannte Juhnke den anderen Kickern doch stets davon. Biehn überzeugte ihn, sein Talent auf die Laufstrecke zu bringen. „Den ersten 3000-Meter-Lauf habe ich direkt unter zehn Minuten geschafft, da hat er ganz schön gestaunt“, erinnert sich Juhnke.

Über Biehn kam der Friedrichsdorfer auch ins Fach der Trainer. Bei einer neugegründeten Schülermannschaft übernahmen Roland Juhnke und Jugendfreundin Cornelia Luft die Übungsleitung. Da war er gerade 17 geworden. Es passte perfekt.

Eine außergewöhnliche Geste seiner Schützlinge

Mit 21 machte er bereits den Trainerschein im Fußball, ein Jahr später holte er sich auch die Lizenz für die Leichtathletik. „Aus einer Trainingsstunde mit den ganz Kleinen kamen schnell drei, vier Termine pro Woche zusammen. Und es bleibt ja nicht beim Training“, sagt er, „man begleitet die Kinder und Jugendlichen zu Kreis-, Bezirks-, Hessenmeisterschaften und hin und wieder auch zu den deutschen Meisterschaften.“ Teilweise war er auf bis zu 50 Veranstaltungen pro Jahr.

Damit ihn seine Schützlinge dort im Getümmel stets auf den ersten Blick erkennen konnten, trug Roland Juhnke eine Kappe in Signalgelb – bis heute sein Markenzeichen. Als er sich im September als Abteilungsleiter bei der TSG verabschiedete, erschienen fast 100 Athleten in gelben Hüten, um diese vor seinem Lebenswerk zu ziehen.

Mit vielen von ihnen war Juhnke auch im Trainingslager im Odenwald, eine Art sportliche Klassenfahrt. Für Späße war er dort immer zu haben, nur mit der Nachtruhe nahm er es genau. „Wenn da keine Ruhe einkehrte, dann hat er auch schon mal die Tür zum Zimmer der Jungs ausgehängt“, berichtet Maike Hofmann, seine Nachfolgerin als Abteilungsleiterin, mit einem Schmunzeln.

"Schwieriger als noch vor 20 Jahren"

Natürlich kam Hofmann über Juhnke zur Leichtathletik, wie etliche andere auch. Mittlerweile trainiert Juhnke teilweise schon die dritte Generation an Sportlern aus einer Familie. „Ich habe Kinder, deren Omas schon bei mir waren“, verrät er. Damit ist er im Grunde fast schon Mitglied dieser Familien. Und auch in der eigenen hat Juhnke den Funken für die Leichtathletik überspringen lassen. Tochter Stephanie trat in seine Fußstapfen, war selbst Leichtathletin sowie Trainerin. Schon im Alter von vier Jahren begleitete sie ihren Vater zum Turnen. Bei Enkeltöchterchen Lena (6) ist er gerade dran, die Leidenschaft für den Sport zu erwecken.

Heute sei es schwieriger als noch vor 20 Jahren, die Jugend abzuholen, da es mittlerweile viele alternative Angebote zur Freizeitgestaltung gibt. „Aber ich versuch’s weiter“, betont Roland Juhnke mit Inbrunst, „und ich pack’ das auch!“ Wer den leidenschaftlichen Förderer kennt, der glaubt ihm das sofort.

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