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Ein großes Plus in dieser Saison: die mannschaftliche Geschlossenheit. Hier feiern die Hadamarer Spieler und Betreuer das 1:0 gegen Regionalliga-Absteiger KSV Hessen Kassel.

Fußball-Hessenliga

SV Rot-Weiß Hadamar startet durch und überwintert als Vierter

SV Rot-Weiß Hadamar startet nach schwachem Auftakt durch und überwintert als Vierter. Neuzugang Yves Böttler traf schon 16-mal.

Mit 20 von 32 absolvierten Partien ist schon etwas mehr als die Hälfte der Saison 2018/2019 gespielt. An der Tabellenspitze von Hessens höchster Amateurklasse zeichnet sich ein klares Bild ab. Der neu gegründete FC Gießen wird, sollte nichts Außergewöhnliches mehr passieren, die Runde als Meister und Aufsteiger in die Regionalliga Südwest abschließen. Angesichts von schon acht Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten FC Bayern Alzenau spiegelt sich die Dominanz der Mittelhessen doch schon deutlich wider. Dahinter dürfte sich ein Zweikampf um die Aufstiegsspiele entwickeln. Die „kleinen“ Bayern aus Alzenau wollen den Relegationsplatz Richtung Regionalliga natürlich behaupten, und weisen aktuell zwei Zähler Vorsprung auf Regionalliga-Absteiger KSV Hessen Kassel auf. Das dürfte spannend werden, denn vor allem gegen Jahresende ging dem FCB, der von Ex-Profi Angelo Barletta trainiert wird, ein bisschen die Puste aus. Allerdings drohen den Kasselern bis zu fünf Punkte Abzug wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls. Damit wären sie weg vom Fenster. Unmittelbar hinter den drei Spitzenmannschaften folgt mit dem SV Rot-Weiß Hadamar das Aushängeschild des Fußballkreises Limburg-Weilburg. 

Dabei hatte es danach zu Saisonbeginn gar nicht ausgesehen. Nach fünf Partien waren die Fürstenstädter das Schlusslicht der Hessenliga. Auch bedingt durch ein heftiges Auftaktprogramm – zweimal FC Bayern Alzenau, auswärts beim FSC Lohfelden, gegen den FC Gießen, beim KSV Baunatal – stand lediglich ein mickriger Punkt auf der Habenseite. Die Verantwortlichen blieben glücklicherweise ruhig, reagierten und verstärkten sich kurzfristig mit einigen Spielern, wovon Florian Kröner und Yves Böttler in kürzester Zeit zu wichtigen Säulen in einer verunsichert wirkenden Mannschaft werden sollten. Und plötzlich platzte der Knoten: Im Auswärtsspiel beim VfB Ginsheim siegte Rot-Weiß durch drei Treffer von Debütant Böttler mit 4:0. Sollte nun alles gut werden? – Mitnichten. Vier Tage später waren die Hadamarer bei einem ganz schwachen Auftritt bei Aufsteiger FC Eddersheim schon wieder ins alte Muster zurückgefallen (2:4). Trainer Torsten Kierdorf nahm einige Änderungen vor und bewies damit ein glückliches Händchen: Nach einem hart umkämpften 2:1-Sieg gegen den FV Bad Vilbel begann für die Fürstenstädter eine Serie, die ihresgleichen sucht. 

Bis in den November hinein war gegen die Jungs von Torsten Kierdorf kein Kraut gewachsen. Satte sieben Siege und eine Punkteteilung beim SC Waldgirmes katapultierten den SVH auf Platz fünf. Das absolute Highlight dabei: Ein unfassbarer 9:0-Erfolg in Niederhadamar gegen die SpVgg. Neu-Isenburg. Aber auch Partien gegen die ambitionierten Teams des KSV Hessen Kassel (1:0) oder die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (3:0) waren Momente, die in der Nachbetrachtung positiv haften bleiben. Es zeigte sich aber, dass die Rot-Weißen aber auch noch verwundbar sein können: Im Heimspiel gegen den vom Abstieg bedrohten FSC Lohfelden erwischte die Mannschaft einen grausamen Tag und ging mit 0:3 unter. Auch das Gastspiel beim designierten Meister FC Gießen ging mit 0:3 verloren. Zumindest war aber hier zu erkennen gewesen, dass die Fürstenstädter über weite Zeit in der Lage war, mitzuhalten. Zum Jahresausklang sorgten die SVH-Kicker dafür, dass der Verein eine schöne Weihnachtsfeier haben dürfte. Gegen den KSV Baunatal (2:1), der die Rot-Weißen auf bittere Art und Weise aus dem Hessenpokal gekickt hatte, und den Hünfelder SV (3:0) folgten jeweils „Heimdreier“. Die Folge: Rang vier mit 35 Punkten und 50:33 Toren. 

Die Ausgangslage für die Restsaison ist also prächtig. Klar ist aber auch, dass ein großer Anteil des Aufschwungs darin begründet ist, dass die Verantwortlichen nach dem katastrophalen Saisonstart noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv geworden sind. Yves Böttler, der in den letzten Wochen vor der Winterpause ziemlich müde wirkte, hatte zu Beginn aus allen Rohren geschossen und 16 Tore beigesteuert, die ihn t auf Platz drei der Torjägerliste brachten. Auch die elf „Buden“ von Jann Bangert belegen, dass die Fürstenstädter mit 50 Treffern über die drittbeste Offensive der gesamten Liga verfügen. Fünf Absteiger? Über den Abstieg müssen sich Kierdorf & Co. also sicher keine Gedanken machen. 

Vielmehr wird es die Aufgabe des Trainerstabs sein, Woche für Woche eine hungrige Mannschaft aufs Feld zu schicken, die in der Lage ist, jedem Gegner Paroli bieten zu können. Apropos Abstiegskampf: Weil mit Eintracht Stadtallendorf und dem SC Hessen Dreieich gleich zwei Vereine aus der Regionalliga gefährdet sind, könnte es durchaus fünf Absteiger geben. Für Schlusslicht FC Ederbergland (14 Punkte), die SpVgg. Neu-Isenburg (16), Buchonia Flieden (16) und den Hünfelder SV (18) sieht es nach aktuellem Stand nicht gut aus. Bis hin zum Tabellenachten, VfB Ginsheim (24 Punkte) ist also nahezu jede Mannschaft gefährdet. Ohnehin scheint sich die diesjährige Hessenliga-Saison zu einer Zwei- oder gar Drei-Klassen-Gesellschaft zu entwickeln. Nach den Top Drei folgt das Feld inklusive der Hadamarer, ehe der Siebte, KSV Baunatal, schon acht Punkte mehr auf dem Konto hat als der Achte, VfB Ginsheim. Spätestens ab dort beginnt die Abstiegszone.

Von Patrick Jahn

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