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Bei ihm läuft's: Niklas Kern (links), mit 21 Toren bester Torschütze des SV Rot-Weiß Hadamar 2.

Serie: Winterpause im NNP-Fußball-Land

Rot-Weiß nutzt Thermik - Zwei kämpfen gegen Windmühlen

Winterpause im NNP-Fußball-Land. Das ist die Gelegenheit, die Spielklassen von den Oberligen abwärts bis zu den Kreisligen C Limburg-Weilburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute blicken wir hinter die Kulissen der Gruppenliga Wiesbaden, in der mit dem SV Rot-Weiß Hadamar 2, dem FC Dorndorf, dem RSV Würges und der SG Niedershausen/Obershausen vier Kreisvertreter aktiv sind.

VON PATRICK JAHN

Beim Blick auf die Personalplanungen des SV Rot-Weiß Hadamar 2 im Sommer war für viele schon zu erahnen, dass die Hessenliga-Reserve eine sehr gute Rolle spielen würde. Nicht wenige trauten der Elf von Trainer Heiko Weidenfeller sogar zu, um die Meisterschaft mitzuspielen. Der Saisonstart verlief dann auch genau nach dem Geschmack der Fürstenstädter. Einem krachenden 9:0 zum Auftakt gegen Neuling SG Niedershausen/Obershausen folgten drei weitere Siege, die jeweils ohne Gegentor eingefahren wurden. Vorne brandgefährlich, hinten sattelfest - eine Mischung, die besser nicht geht. Doch die Leistungen der Hadamarer Reservisten schwankten.

Ein Auf und Ab beim SV Rot-Weiß 2

Einer klaren 0:4-Pleite bei der SG Hoechst folgte ein 3:2-Zittersieg gegen Kellerkind RSV Würges, ehe zwei weitere Heimpleiten folgten. Vor allem im September war die Konstanz das große Problem der Fürstenstädter, die aber dennoch mit dem bisher Erreichten zufrieden sein dürften. Spätestens, als es im Kreisderby beim FC Dorndorf eine deutliche 0:3-Pleite mit auf den Heimweg gegeben hatte, rissen sich die Akteure am Riemen. Drei mehr als klare Siege mit 19 erzielten Toren brachten den SVH 2 wieder in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Doch immer, wenn es zum "großen Wurf" hätte reichen können, blieben die Ergebnisse aus. Das knappe 1:2 gegen Titelfavorit SV Niedernhausen war zu verschmerzen, unnötige Niederlagen wie gegen die TSG Wörsdorf (0:3) oder bei Hellas Schierstein (2:3) ärgerten die Verantwortlichen aber nicht ganz zu Unrecht.

Gegen Ende des Jahres fand der SV Rot-Weiß Hadamar 2 aber zu seiner gewohnten Stärke zurück und sammelte neun Punkte aus den verbleibenden drei Spielen. Besonders beachtlich: Das 10:1 gegen den SV Hallgarten. Der Aufsteiger aus dem Rheingau durfte einem da schon leid tun. Auch die Tabellensituation liest sich aus Hadamarer Sicht erfreulich: Rang drei mit 39 Punkten und 65:27 Toren bedeuten zum einen die zweitbeste Offensive sowie die beste Defensive des Klassements, zum anderen aber auch nur zwei Punkte Rückstand auf die zweitplatzierte SG Walluf. Eine komfortable Situation, die am Saisonende durchaus zu einem tollen Ende führen könnte.

Um im Konzert der "Großen" mitzuspielen, muss sich aber eines ganz gewiss ändern: die Konstanz, vor allem in Spielen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Die Arbeit des Trainers Heiko Weidenfeller, der eine knallharte Vorbereitung durchgezogen hatte, trägt bisher Früchte. Mit Niklas Kern verfügen die Reservisten zudem über einen treffsicheren Stürmer. 21-mal hat es der Torjäger bisher rappeln lassen.

Mit vielen Fragezeichen war der FC Dorndorf nach dem Abstieg aus der Verbandsliga Mitte in die neue Saison gestartet. Der Verein hat quasi eine Runderneuerung erfahren und mit Florian Hammel nicht nur einen neuen Spielertrainer an Land gezogen, sondern auch sein Spielerpersonal nahezu komplett ausgetauscht. Entsprechend unklar war also, wie sich das Team in der neuen Umgebung würde akklimatisieren können. Der Wiederaufstieg war kein Thema, vielmehr sollten Automatismen anfangen zu greifen, um sich peu a peu zurechtzufinden. Eines vorab: Dem tüchtigen Florian Hammel ist diese - keinesfalls leichte - Aufgabe mit Bravour gelungen.

Beachtliche Serie des FC Dorndorf

Zu Beginn der Runde wechselten sich Sieg und Niederlage noch ab, doch ab Ende August startete der FCD eine beachtliche Serie. Aus den fünf Partien bis Mitte September heimsten die Dorndorfer 13 von 15 möglichen Punkten ein und katapultierten sich zu diesem Zeitpunkt in das erweiterte Verfolgerfeld der Spitzengruppe. Wechselhaft ging es weiter: Eine keineswegs eingeplante Kreisderby-Niederlage beim RSV Würges (1:2), ein klarer Derbysieg gegen Hadamar 2 (3:0) und eine neuerliche Niederlage auf eigenem Platz gegen die SG Hoechst (0:1). Erfreulich war, wie die Westerwälder fortan mit Rückschlagen umgegangen sind. Erneut kam eine gute Serie mit zehn Zählern aus vier Spielen.

Aber wo Licht ist, da ist der Schatten nicht fern. Den Dorndorfern gingen gegen Jahresende sprichwörtlich die "Körner" aus. Aus den letzten vier Partien reichte es nur zu einem mageren Pünktchen gegen die TSG Wörsdorf (2:2). Kein Beinbruch aus Sicht des FCD, auch wenn sicherlich der eine oder andere Punkt mehr möglich gewesen wäre. Als Tabellenzehnter ist das Abstiegsgespenst zwar noch nicht ganz aus dem "Oiwernpark" vertrieben, angesichts von 30 gesammelten Zählern dürfte der Klassenerhalt aber in der Restsaison reine Formsache sein. Was auffällt: Mit nur 32 Gegentreffern bildet der FCD die viertbeste Defensive der Liga. Die 39 erzielten Treffer scheinen aber durchaus noch ausbaufähig zu sein. Unter anderem daran wird Florian Hammel in der Winter-Vorbereitung arbeiten. Der sympathische Keeper hat im Übrigen seine Zusage als Spielertrainer auch für die neue Saison gegeben.

Bei den beiden anderen Kreisvertretern, RSV Würges und SG Niedershausen/Obershausen, sieht die sportliche Lage indes schlecht aus. Die Würgeser hatten im Sommer einen personellen Umbruch zu verkraften und es letztlich nicht geschafft, den Kader adäquat zu verstärken. Alleine der Saisonstart kam einer Misere gleich. Die ersten drei Spiele gingen bei 0:10 Toren ohne eigenen Treffer über die Bühne. Beim SV Niedernhausen gelangen dann zwar die ersten beiden Saisontore, doch auch hier gab es beim 2:5 nichts Zählbares. Erst am achten Spieltag durften die "Roten" beim 1:1 gegen den FSV Hellas Schierstein einen Teilerfolg verbuchen.

Erster RSV-Saisonsieg im Kreisderby

Nach einer neuerlichen Niederlage in Niederhöchstadt (1:4) gab es dann aber erstmals Grund zum Jubel: Ausgerechnet im Kreisderby gegen den FC Dorndorf war der RSV Würges erfolgreich. Und siehe da, der "Dreier" gab Auftrieb. Auch gegen die SG Niedershausen/Obershausen gab es einen Sieg (4:2), genauso wie zwei Wochen danach beim überzeugenden 5:0 in Hallgarten. Sollte der Motor jetzt laufen? - Nicht wirklich. Denn dazwischen lag die bittere 1:2-Pleite im direkten Kellerduell beim SV Wiesbaden. Zu dieser Zeit hatte Trainer Daniel Hassler bereits das Handtuch geworfen, und wurde von Michael Drogi ersetzt. Da aber auch die personelle Situation mit vielen verletzten Spielern schlimmer und schlimmer wurde, reichte es bis zum Jahresende lediglich noch zu einem mageren Pünktchen (2:2 gegen den VfB Unterliederbach). Alle anderen sechs Spiele gingen - zum Teil überdeutlich - verloren. Nach 20 von 32 Spieltagen ist das Ziel Klassenerhalt in sehr weite Ferne gerückt. Da fünf Vereine in den sauren "Abstiegsapfel" beißen müssen, beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer stattliche 13 Zähler. Bei lediglich elf selbst eingestrichenen Punkten muss man kein Prophet sein, um zu wissen, was die Stunde in Würges geschlagen hat. Dass zu allem Überfluss auch noch ein Punkt wegen fehlender Schiedsrichter abgezogen wurde, passt in diesem Fall auch ein Stück weit ins Bild. Den Würgesern bleibt zu wünschen, dass sie sich nicht aufgeben und ihre Minimalchance vielleicht mit einer positiven Serie am Leben erhalten. Gleich zum Start ins neue Jahr warten mit dem SV Wiesbaden und dem FC Bierstadt Widersacher, die in ähnlichen Schwierigkeiten stecken.

Gruppenliga eine Nummer zu groß

Im Lager der SG Niedershausen/Obershausen dürften die Beteiligten realistisch genug sein, um zu wissen, dass nach dem Aufstieg aus der Kreisoberliga im Sommer - sportlich der größte Erfolg der Vereinsgeschichte - die Gruppenliga eine Nummer zu groß ist. Die Elf aus dem Kallenbachtal war voller Optimismus gestartet, wurde aber schon am ersten Spieltag auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Beim SV Rot-Weiß Hadamar 2 setzte es eine niederschmetternde 0:9-Pleite. Aber, und das zeigt auch ein Stück weit den Charakter der Mannschaft, stand nur drei Tage später Wiedergutmachung an. Gegen den SV Wiesbaden feierte die Elf von Trainer Kamil Heblik einen 6:1-Erfolg und wähnte sich in der Liga angekommen. Im folgenden Heimspiel gegen den VfB Unterliederbach, in dem der Aufsteiger nicht einmal das schlechtere Team war, gab es eine 0:1-Niederlage. Es war der klassische Fall von "Lehrgeld gezahlt".

Danach ging es aber steil bergab. Es hagelte Pleiten. Zehn an der Zahl, wovon gleich neunmal mindestens vier Gegentreffer zu Buche standen. Die sonst so starke Offensive war nicht in der Lage, die vielen individuellen Fehler im Defensivbereich auszubügeln. Immerhin durfte Niedershausen/Obershausen im Kellerduell gegen den SV Hallgarten mal wieder jubeln (2:1). Bis zum Jahresende sollte letztlich kein weiter Punkt hinzukommen. Mit sechs Zählern scheint der Abstieg nach nur einem Jahr beschlossene Sache. Wichtig wird es aus Sicht der Kallenbachtaler aber sein, die Runde ordentlich zu beenden. Die Mannschaft kann ohne großen Druck aufspielen und hat nichts mehr zu verlieren.

Die Erfahrung wird den Spielern niemand mehr nehmen, trotz der Dominanz des Vereins aus den Löhnberger Stadtteilen in der Kreisoberliga-Saison 2018/2019 scheint sich aber eines wieder zu bestätigen: Der Sprung aus der Kreisoberliga in die Gruppenliga ist immens.

Für den SV Hallgarten, der sich in der Aufstiegsrunde zur Gruppenliga gegen die SG Selters und Alemannia Nied durchgesetzt hattee, sieht es im Übrigen noch viel schlechter aus. Die Elf aus dem Rheingau hat bisher erst einen Punkt geholt und in 20 Partien schon satte 102 Gegentreffer geschluckt.

An der Tabellenspitze spricht aktuell alles für den SV Niedernhausen, der schon stolze neun Punkte Vorsprung vor dem prominent besetzten Zweiten, SG Walluf, vorzuweisen hat. patrick jahn

Gruppenliga Wiesbaden

1. SV Niedernhausen 20 16 2 2 65:30 50

2. SG Walluf 20 12 5 3 82:38 41

3. SV RW Hadamar 2 20 13 0 7 65:27 39

4. Germ. Okriftel 19 12 3 4 45:35 39

5. Unterliederbach 20 12 2 6 53:32 38

6. Oberliederbach 19 12 1 6 55:27 37

7. SG Hoechst 19 11 2 6 48:32 35

8. TSG Wörsdorf 20 10 3 7 45:36 33

9. FC Eddersheim 2 20 9 5 6 52:37 32

10. FC Dorndorf 19 9 3 7 39:32 30

11. Hellas Schierstein 20 8 3 9 58:65 27

12. FC Bierstadt 20 7 2 11 39:54 23

13. TuRa Niederhöchst. 20 7 1 12 48:61 22

14. SV Wiesbaden 20 6 3 11 44:64 21

15. RSV Würges 20 3 2 15 26:58 10

16. Niedersh./Obers. 20 2 0 18 24:87 6

17. SV Hallgarten 20 0 1 19 29:102 1

Punktabzug wegen fehlender Schiedsrichter: RSV Würges 1 Punkt.

Torjäger

1. Pierre Massfeller (SG 01 Höchst) 25

2. Niklas Kern (SV RW Hadamar 2) 21

3. Nils Balder (SG Walluf) 20

4. Dennis Faist (SG Walluf) Manuel Ulm (SV Niedernhausen) 19

6. Fabian Fries (TuRa Niederhöchststadt) 18

7. Maurice Burkhardt (SV Niedernhausen) 17

8. Neil-Nigel Bier (SV Wiesbaden) 16

9. Athanasios Nakos (Hellas Schierstein) Ivan Rebic (FC Germ. Okriftel) 15

11. Celal Yesil (VFB Unterliederbach) 12

12. Marius Antinac (VFB Unterliederbach) Tobias Bellin (SG Walluf) Robin Kliemt (SV Hallgarten) Rayk Schlotterer (SG Oberliederbach) 11

16. Ilias Amallah (Hellas Schierstein) Davide Frusteri (SV Niedernhausen) Marvin Kretschmann (Niedersh./Obersh.) Dominik Ortega Tapia (Hellas Schierstein) David Perez (TSG Wörsdorf) Daniel Reith (SG Oberliederbach) 10

22. Ajmir Koochi (FC Dorndorf) Daniele Parisi (FC Dorndorf) Christian Maus (FC Bierstadt) Alf Mintzel (SG Walluf) Hristos Papazois (FC Eddersheim 2) Zakaria Amjahid (FC Germ. Okriftel) Reinhold Reichert (FC Bierstadt) 9

29. Christopher Weber (RSV Würges) Patrick Barnes (FC Germ. Okriftel) 8

31. Markus Rausch (SV RW Hadamar 2) Felipe Bergmann (TSG Wörsdorf) Amir Arrahmouni (VFB Unterliederbach) Mohammed Sanandajizadeh (SV Wiesb.) Dennis Wohl (TuRa Niederhöchststadt) 7

36. Tom Brand (SV RW Hadamar 2) Florian Klaner (SG Niedersh./Obersh.) Robin Reifenberg (FC Dorndorf) Pascal Fischer (SG Oberliederbach) Thomas Gräf (SG Höchst) 6

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