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Rot-Weiß: Zwei Halbzeiten, zwei Gesichter, ein Punkt

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Diese Vollversammlung hätte der Hadamarer Marco Koch (Zweiter von rechts) mit einem Tor krönen können. Von links: Marcus Alexander, Jerome Zey, Mirco Paul, Philipp Topic, Marco Koch und Marcel Wilke.
Diese Vollversammlung hätte der Hadamarer Marco Koch (Zweiter von rechts) mit einem Tor krönen können. Von links: Marcus Alexander, Jerome Zey, Mirco Paul, Philipp Topic, Marco Koch und Marcel Wilke. © Patrick Jahn

In der Fußball-Hessenliga ist der SV Rot-Weiß Hadamar am Samstag mit einer 1:1-Punkteteilung vom FC Bayern Alzenau zurückgekehrt. Nicht erklärbar: Zur Halbzeitpause hatten die Fürstenstädter sozusagen alles im Griff gehabt, am Ende mussten sie mit dem Remis zufrieden sein. Aber: zumindest nicht verloren. In der Tabelle brachte das Remis den Hadamarern kaum eine Verbesserung.

VON PATRICK JAHN

FC Bayern Alzenau – SV Rot-Weiß Hadamar 1:1 (0:1). So richtig schlau wird man aus den Hadamarern in dieser Saison bislang nicht. In der ersten Hälfte hatte die Elf von Trainer Stefan Kühne nahezu alles im Griff, wirkte giftig, präsent und gewillt und belohnte sich mit einem sehenswerten Treffer. Nach Wiederbeginn war von der Dominanz plötzlich nichts mehr zu sehen – gefühlt standen elf andere Akteure auf dem Feld. Ähnlich hatte es auch der Coach nach Spielende gesehen: „Zur Pause hätte ich gesagt, dass wir zwei Punkte zu wenig geholt haben. Nach Abpfiff muss ich aber sagen, dass wir mit dem Unentschieden zufrieden sein müssen. Die erste Halbzeit war richtig gut, und im zweiten Durchgang waren wir komplett aus dem Spiel. Auch wenn wir eine junge Mannschaft haben, macht es mich ratlos, warum uns so etwas passiert. Dennoch hätten wir aus unseren wenigen Kontersituationen mehr machen müssen.“

Rot-Weiß war in der Tat sehr gut ins Spiel gekommen, störte den Alzenauer Aufbau früh. Etwas irritiert durfte der neutrale Beobachter aber auch sein, weil FCB-Trainer Angelo Barletta seine Truppe extrem abwartend defensiv eingestellt hatte. Beide Seiten hatten zwei Halbchancen vorzuweisen – Paul Seikel köpfte harmlos Richtung Torwart Leon Hasselbach (15.), und Jerome Zey setzte einen 18-Meter-Freistoß neben das Tor (17.). Dann wurde es ebenso kurios wie hochkarätig: Ein schnell ausgeführter Freistoß erwischte die „kleinen Bayern“ im Tiefschlaf-Modus, Mirco Paul zog aus spitzem Winkel wuchtig ab, doch Keeper Daniel Endres lenkte das Spielgerät mit den Fingerspitzen an den Querbalken, und von dort flog der Ball gar noch an den Innenpfosten – physikalisch nahezu unerklärlich (27.).

Rot-Weiß war in dieser Phase kaum zu stoppen. Nach einem Fehler im Aufbau war wieder Schlussmann Daniel Endres Endstation, als Jerome Zey aus 16 Metern abgeschlossen hatte (29.). Bis auf einen harmlosen Heber Marcus Alexanders, der sichere Beute für Leon Hasselbach war (31.), kam von Alzenau erschreckend wenig. Es musste zur Pause 0:1 stehen – und so kam es auch: Nach einer abgewehrten Flanke fasste sich Mirco Paul aus gut 20 Metern ein Herz und nagelte den Ball unhaltbar per Direktabnahme in die rechte Ecke – es war der verdiente Lohn eines couragierten Auftritts (36.).

In der Pause wurde es in der Heimkabine derart laut, dass die benachbarte Holz-Grillhütte zu vibrieren begann. Aber Barlettas Worte hatten gefruchtet, denn die Alzenauer waren sofort tonangebend. Zweimal hatte Nenad Stanojevic aussichtsreich vergeben (48., 55.), dann rettete Leon Hasselbach mit einem unfassbaren Reflex gegen Okan Cetin aus kurzer Distanz (58.).

Hadamar gelang kaum noch Entlastung, und es kam, was kommen musste: Flanke Ihab Darwiche von rechts – im Übrigen ewig unterwegs – Kopfball Marcel Wilke – 1:1 (63.). Die Bayern hatten „Lunte“ gerochen und wollten nun den „Dreier“. Nikola Duborija verpasste eine scharfe Hereingabe von Saher Bhatti hauchzart (68.), und bei Serkan Pancars Schuss war Leon Hasselbach zur Stelle (80.). Einzig Marco Koch hatte im zweiten Akkord eine aussichtsreiche Gelegenheit, legte sich den Ball aber im entscheidenden Moment zu weit vor (69.).

Beim Abpfiff des guten Schiedsrichters Dennis Jantz hatten sich die Fürstenstädter ins Ziel gezittert. Warum zwei derart unterschiedliche Halbzeiten zustande kommen können, wird Stefan Kühne in der kommenden Woche aufarbeiten. Dennoch hatten die ersten 45 Minuten auch gezeigt, wie gut Hadamar sein kann.

Alzenau: Endres, Pancar, Topic, Seikel (46. Hacker), Alexander, Cetin (85. Desveaux), Heinz (56. Duborija, 73. Aul), Darwiche, Fecher (46. Stanojevic), Wilke, Bhatti – Hadamar: Hasselbach, Paul, Teller, Sedy, Schäfer (85. Kosuchin), Zey (70. Kittel), Zouaoui, Wilhelmy (70. Ott), Dillmann, Burggraf (78. Halimi), Koch – SR: Dennis Jantz (Wiesbaden) – Tore: 0:1 Mirco Paul (36.), 1:1 Marcel Wilke (63.) – Zuschauer: 280.

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