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?Gehaltenes Bein?: Etwas ungewöhnliche Zweikampfführung vom Bornheimer Niklas Troll (links) und dem Rot-Weiss-Spieler Philipp Topic.

Die „Roten“ in Not

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Neuling SG Bornheim/Grün-Weiß ist nach dem dritten Sieg in Folge in der Liga angekommen.

„Hier regiert die SGB“, schallte es gestern Abend kurz über den Kunstrasenplatz am Brentanobad – und mancher eingefleischte Anhänger von Rot-Weiss Frankfurt konnte nur noch den Kopf schütteln. Was auch für Trainer Slobodan Komljenovic galt, der seinem Team nach dem 1:3 (1:1) gegen die SG Bornheim/Grün-Weiß „die schlechteste Leistung seit ich hier Trainer bin“ bescheinigte. Und so stecken die „Roten“ früh in der Saison im Tabellenkeller der Fußball-Verbandsliga Süd fest, während der Aufsteiger mit dem dritten Sieg in Serie endgültig in der für ihn gänzlich neuen Spielklasse angekommen ist.

Bornheim war schon zu Beginn wacher und hatte durch Teklu Tewelde auch die erste Möglichkeit, der den Ball aus der Drehung aber übers Tor beförderte (2.). Dann verfehlte Oktay Bulut den Kasten der nicht konsequent verteidigenden Gastgeber aus 20 Metern knapp (3.). Die größte Chance vergab der ansonsten vor allem in den Zweikämpfen und der Vorwärtsbewegung bärenstarke Simon Horn, als er nach einer Tewelde-Flanke den Ball im Fünfmeterraum nicht richtig traf (13.).

Und dann ging Rot-Weiss aus dem Nichts in Führung: Außenverteidiger Justin Pierre zog aus dem Gewühl heraus ab, der Ball schlug halbhoch in der Ecke ein (28.). Auch der Ausgleich fiel aus der Distanz: Tewelde nahm nach einer Kopfballabwehr ungestört Maß und traf aus 20 Metern (34.). Eine Minute später spielte Bornheims Schlussmann Gianluca Colombo richtig gut mit und war an die 40 Meter vor dem eigenen Tor noch knapp vor Rot-Weiss-Stürmer Ozan Keskin am Ball.

Nach der Pause wurden die Gastgeber etwas stärker. „Wir haben die erste Halbzeit im Griff gehabt, dann aber eine Druckphase überstehen müssen“, fasste Bornheims Co-Trainer Daniel Krieg, der ohne seinen erkrankten „Chef“ Mai Rudolf allein die Verantwortung trug, völlig richtig zusammen. Im Grunde habe erst das 2:1 sein Team „wieder ins Spiel gebracht“. Wobei der Coach mit der Maßnahme, Roberto Martins Pereira nun nach vorne zu beordern, goldrichtig lag. Denn der zog nach einem Traumpass von Tewelde durch das entblößte Zentrum auf und davon und schob eiskalt zur Gästeführung ein (71.).

Zehn Minuten später sah Schiedsrichter Carlo Faulhaber (Bad Homburg) ein Halten gegen Benjamin Beutel und pfiff Elfmeter – eine „Kann-Entscheidung“ nennt man so etwas wohl. Bulut war’s egal: Er erhöhte vom Punkt auf 3:1.

Die beste Rot-Weiss-Chance auf den Ausgleich hatte vier Minuten vorher Philipp Topic vergeben, der einen Freistoß aus 18 Metern über den Ballfangzaun trat. Was eine bezeichnende Szene war. Genau wie jene in der 64. Minute, als Johnson Toko punktgenau auf Terry Danso flankte, der den Ball ohne Gegnerdruck gleich um Meter verstoppte und deshalb gar nicht zum Abschluss kam.

Schneid abkaufen lassen

„Wir haben uns in den Zweikämpfen von Anfang an den

Schneid abkaufen lassen

und nie ins Spiel gefunden“, lautete Komljenovics so schonungslose wie treffende Analyse nach der bitteren Niederlage. Daniel Kriegs Gedanken zum Spiel machten die Not der „Roten“ noch deutlicher: „Vor zwei Jahren waren die auf dem Weg in die Regionalliga und haben uns hier mit ihrer Zweiten Mannschaft in der Gruppenliga auseinandergenommen. Wahnsinn, wie schnell es im Fußball manchmal gehen kann.“

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