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Ratlosigkeit machte sich breit: Christian Grzelachowski ist nicht mehr Trainer der "Pirates". Im Vordergrund: Hakim Mirkamali.

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Zum Rücktritt von Christian Grzelachowski bei den "Pirates": Den Trainer trifft die geringste Schuld

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Die "Pirates" und Trainer Christian Grzelachowski gehen nach dem Sturz auf den vorletzten Platz der 3. Liga Ost getrennte Wege. TZ-Sportchef Thorsten Remsperger kommentiert die Situation bei Ober-Eschbachs Handballerinnen.

 Als die Negativserie von Ober-Eschbachs Handballerinnen im 15:34-Debakel gegen den bisherigen Tabellenvorletzten TS Herzogenaurach gipfelte, war es erwartet worden. Der abstiegsbedrohte Drittligist hat sich von Trainer Christian Grzelachowski getrennt. Die Hauptverantwortung für die sportliche Misere trägt jedoch nicht der Trainer, sondern die Sportliche Leitung des Teams.

Nach dem über die Abstiegsrunde gerade so geschafften Klassenverbleib haben es die Verantwortlichen um Geschäftsführer und Manager Christoph Pohl und dem neuen Sportlichen Leiter Thomas Roesgen nicht geschafft, einen dauerhaft konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen. Zugegebenermaßen war das auch eine schwere Aufgabe, war der Spielermarkt doch Ende Mai schon weitestgehend leer gefegt. Vorher hatte man bei den "Pirates" aber keine Planungssicherheit. Also musste der Drittliga-Kader wohl oder übel mit heißer Nadel gestrickt werden. Und dabei hat sich die Sportliche Leitung mehrere Fehler geleistet.

Beispielsweise deuteten die Verantwortlichen die Regularien falsch, so dass unter anderem für den geplanten Neuzugang Victoria Manger doch kein Zweitspielrecht zustande kam. Die Mannschaft musste mit nur einer Torhüterin (Yvonne Petek) in die Saison gehen. Für einen Drittligisten ist das wohl ein Novum.

Bei den notgedrungenen Transfers aus dem europäischen Ausland hatten Pohl und Co. die notwendige Aufenthaltsgenehmigung nicht im Blick. Die linke Rückraumspielerin Ketia Kunelashvili aus dem Nicht-EU-Land Georgien hat Potenzial. Sie kann dem Team momentan aber nicht helfen, weil sie sich wegen eines fehlenden Beschäftigungsverhältnisses nicht mehr in Deutschland aufhalten darf. Andere verpflichtete Spielerinnen haben schlichtweg das Niveau für die 3. Liga (noch) nicht. Die Pirates benötigten aber dringend drittligataugliche Spieler, nachdem sich Leistungsträgerinnen wie Saskia Schwering und Lena Riedel aus dem ebenfalls kleinen Kader verabschiedeten.

Die Trainerwahl fiel ebenso unglücklich aus. Dem wankelmütigen Holger Hölzinger, schon einmal nach nur kurzer Zeit in der Ära Döll ausgeschieden, wurde das Vertrauen geschenkt, obwohl er offensichtlich anderen Engagements eine höhere Priorität einräumte. So musste noch in der Vorbereitung der drittligaerfahrene Christian Grzelachowski einspringen. Ein Freizeitunfall erschwerte den Einstieg des A-Lizenz-Inhabers erheblich.

Das Intermezzo des Mainzers ist nun beendet, bevor er richtig "reingekommen" ist. Wen auch immer die Pirates zum neuen Trainer ernennen: Er wird es sehr schwer haben. Andererseits schaffte Alexander Adamski in der turbulenten Vorsaison auch noch das fast Unmögliche. Damals jedoch mit einer eingespielten Mannschaft. Adamski ist übrigens vor einer Woche bei Männer-Oberligist TSG Münster aus privaten Gründen zurückgetreten.

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