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Lisa Lichtlein (links) nimmt Abschied von der TSG Ober-Eschbach. Sie ist berufsbedingt ins Ausland gezogen.

Handball, TSG Ober-Eschbach

Saison ohne Wertung? "Das wäre eine riesige Chance"

Die Ober-Eschbacher "Pirates" können wieder auf den Drittligaverbleib hoffen. Der erster Abgang des Handball-Drittligisten steht derweil fest.

Aus der durch die Corona-Krise bedingten Pause versucht Christoph Pohl, das Beste zu machen. Der Unternehmer aus Kassel und Geschäftsführer der Drittliga-Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach hält sich im heimischen Fitnessraum fit, geht hin und wieder an die frische Luft und harrt der Dinge, die da kommen. Dass das Virus den Alltag auf den Kopf gestellt hat, muss er wie alle hinnehmen, doch was den Handball anbelangt, fällt es ihm schwer, gelassen zu bleiben. "Die aktuelle Situation nervt extrem", sagt Pohl, "für die 1. und 2. Bundesliga wurde bereits eine Lösung gefunden, für die 3. Liga allerdings noch nicht."

Die "Pirates" belegen nach 17 von 22 Spielen mit sieben Punkten den letzten Platz in der Ost-Staffel der viergleisigen 3. Liga. Offiziell gilt noch eine Unterbrechung der Spielzeit bis zum 19. April. Während vom DHB für die beiden Top-Ligen bereits eine Annullierung der bisherigen Saison verkündet wurde, es also keine Wertung geben wird, ist die Handhabe für die dritthöchste Spielklasse noch offen. "Es war schon immer so, dass die 3. Liga eine Extrawurst ist", erklärt Pohl.

Auch bei der Aussetzung des Spielbetriebs hatten die Verantwortlichen der 3. Liga recht spät reagiert. Dass man den Landesverbänden ein eigenes Vorgehen überlässt, kann Pohl noch nachvollziehen. "Die 3. Liga steht aber unter dem gleichen Dach des DHB wie auch die 1. und 2., und ich verstehe nicht, wieso es bisher keine einheitliche Lösung gibt", sagt der Manager der TSG.

Er betont, dass eine Annullierung die fairste aller Entscheidungen sei. Der Hessischen Handball-Verband ging derweil einen anderen Weg und wertete die Tabellenstände zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs (13. März). Der Meister darf also aufsteigen.

Das Tabellenbild der 3. Ligen ,einzufrieren' und zum Zeitpunkt der Unterbrechung zu werten, sieht Pohl als problematisch an. Nicht alle Vereine haben die gleiche Anzahl an Spielen bestritten, das Bild wäre verfälscht. Und die Runde im Eiltempo nachzuholen, sei aufgrund der Anzahl an Partien, die in kürzester Zeit ausgetragen werden müssten, fast unmöglich. "Mir ist natürlich bewusst, dass es für uns besonders positiv wäre, wenn nicht mehr gespielt wird, aber unabhängig davon wäre es schlicht die fairste Lösung", betont Pohl. Würde die Saison annulliert werden, gäbe es keine Auf- und Absteiger, die "Pirates" würden die Klasse halten.

Das würde für den Frauenhandball in Ober-Eschbach "eine riesige Chance" darstellen, wie der Sportchef glaubt. Mit den meisten der verbliebenen Spielerinnen im kleinen Kader sei man in guten Gesprächen für die nächste Saison, schiebt Pohl hinterher. Ein klärendes Treffen mit den Spielerinnen sei zuletzt jedoch wegen des Kontaktverbotes abgesagt worden.

Wegen finanzieller Engpässe hatten die Handballerinnen zuletzt über einen längeren Zeitraum auf Aufwandsentschädigungen verzichtet. Pohl hat den Spielerinnen zugesichert, dass sie ihr Geld noch erhalten. Die Zugehörigkeit zur 3. Liga wäre wiederum ein Faustpfand im Werben um Vertragsverlängerungen, um dringend benötigte Neuzugänge und noch dringender benötigte Sponsoren. Die Rückendeckung seitens des Verein, der weiterhin Interesse hat, höherklassigen Handball zu präsentieren, genießt Christoph Pohl weiterhin.

Neuanfang in Oberliga wohl unrealistisch

Im Falle eines Abstiegs gibt es Anzeichen, dass die TSG Ober-Eschbach auf ihren Startplatz in der Oberliga Hessen verzichten würde. Jedenfalls hält sich das Gerücht hartnäckig, dass einem Verein aus der Region der Startplatz seitens der "Pirates" angeboten worden ist.

Klarheit besteht hinsichtlich des Abgangs von Lisa Lichtlein. Die torgefährliche Linksaußen hat ihren Lebensmittelpunkt berufsbedingt in die Niederlande verlegt. Gerne wäre sie am 19. April gegen Germania Fritzlar noch ein letztes Mal in der Albin-Göhring-Halle aufgelaufen. Die langjährige Spielstätte der "Pirates" soll danach abgerissen werden. Für das "Abschiedsspiel" hatte man einen Spieltagssponsor gefunden. Dass diese Einnahmen wegfallen, ist sicherlich bitter, wenn auch alle Vereine in der außergewöhnlichen Lage mit finanziellen Einbußen leben müssen.

ROBIN KUNZE/THORSTEN REMSPERGER

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