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Die Trampolinturner der TSG Schönberg: Trainer Alan Jackson, Daniel Stuhlmann (15 Jahre), Tobias Ernst (14), Leonie Eden (14), Annika Kuttig (15) und Ben Drape (13, von links).

Trampolinturnen, Hochtaunus

Schönbergs Senkrechtstarter

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Im Kronberger Ortsteil studiert seit neuestem eine Trainingsgruppe spektakuläre Übungen auf dem Sprungtuch ein. Im nächsten Jahr möchte die Gruppe von Trainer Alan Jackson bei hessischen Meisterschaften antreten.

Die Augenpaare der Zuschauer bewegen sich vom Sprungtuch des Trampolins zur Hallendecke und wieder zurück. Hoch und höher springt der 15-jährige Daniel Stuhlmann auf dem Turngerät, in wenigen Sekunden wird er einen gehockten Doppelsalto zeigen. Hatte der schmale, junge Mann eben noch seine Arme weit über den Kopf gestreckt, geht er nun in die Hocke, hält seine angewinkelten Knie vor der Brust mit beiden Händen fest umklammert, um sich blitzschnell zwei Mal um die eigene Achse zu drehen und wieder sicher im Stand zu landen.

Daniel Stuhlmann aus Schwalbach ist einer von fünf Trampolinturnern, die seit kurzem in der neu formierten Leistungsgruppe der TSG Schönberg drei Mal pro Woche trainieren. Über ein Jahr lang hatte Fachtrainer Alan Jackson, der in Schloßborn lebt, nach einer geeigneten Trainingshalle Ausschau gehalten, deren Belegungsplan drei Trainingseinheiten in der Woche zulässt. "Außerdem musste die Halle auch über eine gewisse Höhe verfügen", erzählt er. "Die Weltspitze springt rund zehn Meter hoch und Daniel mit seinen 1,90 Meter schafft es immerhin auch schon auf siebeneinhalb Meter", sagt Jackson, der zuvor unter anderem in Niedernhausen und Rüsselsheim als Leistungstrainer aktiv war.

Trainer aus Leidenschaft

Der gebürtige Engländer Jackson, der 1973 nach Deutschland kam und zunächst in Wiesbaden wohnte, war Turmspringer, bevor er im Alter von 18 Jahren zum Trampolinturnen wechselte. Seiner Sportart ist er auch mit 76 Jahren noch eng verbunden - als internationaler Kampfrichter und Trainer aus Leidenschaft.

"Neben einer regelmäßigen Teilnahme am Training lege ich Wert darauf, dass wir auch bei Wettkämpfen antreten", erklärt Jackson und notiert während der Übungseinheit die Fortschritte seiner Schützlinge auf einem gelben Bogen Papier, seinem Trainingsprotokoll.

Beim Trampolinturnen setzt sich ein Wettkampf aus dem so genannten Vorkampf - bestehend aus einer Pflichtübung sowie der Kür mit jeweils zehn Sprüngen - und dem Finale zusammen. Die Elemente in der Pflichtübung werden vom Deutschen Turner-Bund (DTB) vorgegeben und müssen von jedem Athleten in der gleichen Reihenfolge geturnt werden. Für die Altersklasse 13 bis 14 Jahre können das etwa ein Salto rückwärts, eine halbe Schraube in den Stand, ein Bück- oder ein Hocksprung sein.

Bei der Kür hingegen dürfen die Elemente frei gewählt werden, ohne ein Element zwei Mal zu zeigen. Dabei wird die Haltung des Springers höher als der Schwierigkeitsgrad der Elemente bewertet.

Olympisch seit 2000

In die Benotung geht in allen drei Durchgängen auch die "Time of Flight" ein, also die Zeit, die jeder Springer in der Luft verbringt. Hierfür sind an das Sprungtuch Sensoren angeschlossen, welche die Zeit erfassen. Im besten Fall also turnt er alle zehn Sprünge am Stück durch. Berührt ein Springer die weiche, mattenähnliche Umrandung des Sprungtuchs, muss die Übung abgebrochen und kann nicht bewertet werden.

Seit den Sommerspielen in Sydney im Jahr 2000 zählt Trampolinturnen zu den olympischen Sportarten. Die ersten Weltmeisterschaften wurden bereits 1964 in London ausgetragen. Dass die Sportart in vielen deutschen Turnvereinen ein Schattendasein fristet, kann auch an den hohen Materialkosten liegen. Rund 10 000 Euro kostet ein Trampolin mit dem Sprungtuch aus 4 x 4 Millimeter breiten, geflochtenen Nylonbändern. Der TSG Schönberg hat Alan Jackson ein solches Turngerät zur Verfügung gestellt.

Hoher Zeitaufwand

"Hinzu kommt, dass diejenigen, die auf Bundesebene erfolgreich sein möchten, vier bis sechs Mal pro Woche trainieren und bis zu 14 Wettkämpfe im Jahr absolvieren müssen", erläutert Jackson. "Das verlangt von Turnvereinen, Eltern und Aktiven einen hohen Kosten- und Zeitaufwand." Und so haben sich Leonie Eden (14 Jahre), Annika Kuttig (15), Ben Drape (13), Tobias Ernst (14), Daniel Stuhlmann und ihr Trainer erst einmal zum Ziel gesetzt, auf Landesebene durchzustarten - und zwar unter anderem bei den hessischen Mannschaftsmeisterschaften und den hessischen Synchronmeisterschaften im Juni 2020. Dann sicherlich auch wieder mit einem gehockten Doppelsalto von Daniel Stuhlmann. Bis dahin hat der Teenager den Übungsteil so lange geübt, dass er ihn in traumwandlerischer Sicherheit beherrscht.

Wann trainiert wird

Turnerfahrene Kinder ab zehn Jahren und Erwachsene, die sich für das Trampolinturnen der TSG Schönberg interessieren, können sich telefonisch melden: (0 61 74) 2 59 65 10. Das zweistündige Training in der AKS-Sporthalle ist montags und mittwochs ab 18.30 Uhr und freitags ab 20 Uhr. Trampolinspringen für Kinder von fünf bis zehn Jahren bietet die TSG freitags um 17 Uhr an. snd

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