Fußball

Er schoss die Eintracht schon zu einem Sieg in Mainz

Er hat nicht viel gespielt im Trikot von Eintracht Frankfurt. Doch auf eine Partie wird Reinhold Jessl häufig angesprochen.

Auch ohne zahlreiche Einsätze in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt – insgesamt waren es deren sechs – war Reinhold Jessl den Fußballkennern im Taunus ein Begriff, als er 1987 nach Bad Homburg zur Spielvereinigung 05 wechselte. Als Landesligatorjäger für den FSV Bad Orb in seiner Geburtsstadt hatte Jessl mehrfach gegen die Homburger gespielt und auch getroffen.

Einen viel größeren Bekanntheitsgrad brachte dem Stürmer dann aber ein Tor ein, das er im Oktober 1986 im DFB-Pokal erzielte. Sein 1:0 in der Verlängerung beim damaligen Oberligisten Mainz 05 sicherte der Eintracht das Weiterkommen – und den bis heute letzten Pflichtspielsieg der Frankfurter beim Rivalen vom Rhein. Trainer Dietrich Weise hatte Jessl erst in der 80. Minute eingewechselt. Geh’ rein und mach das Tor, habe er ihm gesagt. Nach einem Eckball stand Jessl dann goldrichtig und vollendete aus kurzer Distanz. Mal abwarten, ob auch heute Eintracht-Trainer Niko Kovac einen Joker hervorzaubert, der das Pokal-Viertelfinale entscheidet. Jessl wird es auf der Tribüne verfolgen.

Seinen Wechsel vom Fußball-Oberhaus in die damalige 3. Liga, die Hessenliga, hat der Mann aus dem Spessart nicht bereut. Der 56-Jährige schwärmt von der Zeit in Bad Homburg unter Trainer Herbert Dörenberg: „Ich hab gerne bei der SpVgg 05 gespielt. Wir hatten eine tolle Kameradschaft und waren eigentlich reif für die 2. Liga.“ Man spürte damals, dass Jessl sich an der Sandelmühle wohlfühlte. Er war offen im Umgang mit den Fans, immer bereit für einen Small-Talk, zeigte auch bei Feiern Präsenz. Mit dieser positiven Einstellung hat der Stürmer die Erwartungen voll erfüllt.

In seinem ersten Jahr wurde Jessl mit 28 Treffern Torschützenkönig der Hessenliga, im zweiten traf er 23 Mal. Die Treffer reichten nicht zur Krönung, der Meisterschaft und dem Aufstieg. Zweimal hintereinander wurden die „Nullfünfer“ Vizemeister. 1988 war Viktoria Aschaffenburg knapp vorne, ein Jahr später Hessen Kassel. Und auch beim Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft 1989 in Trier gegen Eintracht Trier blieb nach verlorenem Elfmeterschießen nur der zweite Platz.

Warum Jessl bei diesem Endspiel nicht dabei war, erklärt er fast 30 Jahre später: „Ich hatte mit meinen Mitspielern und dem Trainer keinerlei Probleme, auch wenn mein Wechsel zum FSV Frankfurt feststand. Dann kamen von außen Störfeuer. Der Vorstand hatte Querelen mit dem FSV wegen der Ablösemodalitäten. Das wurde mir persönlich angelastet. Obwohl ich bis zum Halbfinale dabei war, nahm man mich für das Endspiel nicht in den Kader. Ich hätte bestimmt mein Bestes gegeben. Vielleicht wäre das Spiel dann anders ausgegangen.“

Über den FSV Frankfurt und Bayern Alzenau kehrte Jessl als Spieler zu seinen Wurzeln nach Bad Orb zurück, bevor er viele Jahre als Trainer bei verschiedenen Vereinen erfolgreich arbeitete. Seit Jahrzehnten bei der Telekom in Eschborn tätig, trainiert er derzeit den VfB Oberndorf in der Gruppenliga Frankfurt Ost. Dort spielt auch sein Sohn Sebastian, der für den Tabellenachten in dieser Saison sieben Tore erzielte. Was in Bad Homburg fußballerisch passiert, interessiert Reinhold Jessl nach wie vor. Er freue sich, dass mit Ralf Haub ein alter Weggefährte als Trainer an der Sandelmühle wirkt.

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