Positiv gestimmt: Rennfahrer Max Weissermel aus Oberursel.
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Positiv gestimmt: Rennfahrer Max Weissermel aus Oberursel.

Motorsport, Hochtaunus

Schrecksekunde für Max Weissermel bei 200 km/h: "Der liebe Gott hat mitgeholfen"

  • vonStefan Fritschi
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Max Weissermel berichtet über sein Unfall-Glück und den nächsten Schritt seiner Rennfahrer-Laufbahn. Auf dem Nürburgring ist der Oberurseler jetzt in einem schnelleren Auto unterwegs.

Oberursel -Große Anspannung vor dem Start, extrem heikle Situation in der Mitte des Rennes und Erleichterung, als nach 15 Runden die Zielflagge zu sehen war: Das Debüt von Max Weissermel in der Rennserie Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN) mit seinem neuen 370 PS starken VW Golf, angelehnt an einen TCR, hätte kaum emotionsreicher sein können. "Der liebe Gott hat mitgeholfen, dass ich das Auto nicht verloren habe", sagte der Oberurseler.

Doch es brauchte freilich auch Fahrgeschick, um die brenzligste Situation in seiner noch jungen Laufbahn als Rennpilot zu meistern. In der sechsten Runde passierte "beinahe die Katastrophe. Bei rund 200 km/h musste ich einem vorher nicht einsehbaren Unfall ausweichen. Dies war allerdings nur über den matschigen Grünstreifen möglich", schilderte Weissermel die Situation. Nachdem das Rennfahrzeug zum Stehen gekommen war, dauerte es mehrere Minuten, bis der 33-Jährige sich selbst aus dem Schlamm befreit hatte.

Rasante Fahrt: Max Weissermels VW Golf bringt 370 PS auf die Rennstrecke.

Die unliebsame Folge: Der Boxenstopp musste vorgezogen werden. "Somit war dann die Gesamtzeit endgültig zerstört", konstatierte Weissermel, er fügte jedoch hinzu: "Glücklicherweise konnte es danach wieder zurück auf die Nordschleife gehen." Sein Team "m & m motorsport" entschloss sich dazu, die verbleibenden neun Runden à 20,1 Kilometer gewissermaßen als Trainingseinheit zu nutzen.

Punkte konnte es da nicht mehr geben, aber das spielte keine Rolle mehr. Vielen anderen erging es ebenso - der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet, über die gesamte Distanz regnete es in der Eifel. "Von 140 Autos kamen etwa 80 Prozent nicht in die Wertung", stellte Weissermel fest.

Dass es ein heißer Ritt werden könnte, hatte er schon früh zu spüren bekommen: Nach 200 Metern, direkt in der ersten Linkskurve, drehte er sich mit seinem VW. "Glücklicherweise kein Schaden. Nichtsdestotrotz dauerte es circa zweieinhalb Minuten, bis es für mich weiterging."

Warum man im VW anders fährt als im Seat

In der vorigen Saison war Max Weissermel noch in der RCN light gestartet und hatte - unerwartet - den dritten Platz belegt. Der Unterschied zwischen dem Seat Leon Cupra R und Volkswagen ist enorm - und natürlich gewöhnungsbedürftig. "Der VW ist ein reinrassiges Rennauto, hat über 100 PS mehr als der Seat und ist mit diesem nicht ansatzweise zu vergleichen. Er hat auch nichts mehr mit einem seriennahen Rennwagen zu tun. Es ist ein ganz anderes Raumgefühl, man liegt förmlich in dem Fahrzeug und kann nur nach vorne schauen, es ist auch ein extrem breites Fahrzeug. Auch das Handling ist anders. Wenn man bei Regen bremsen möchte, kann man nicht zu 100 Prozent in die Eisen gehen", schilderte Weissermel die wichtigsten Unterschiede und fügte an: "Es ist zudem eine Riesenherausforderung für das gesamte Team."

Anfang März hatte das Rennteam aus Oberursel an den Test- und Einstellfahrten am Hockenheimring teilgenommen. "Bis auf zwei kleine 180-Grad-Dreher und einen Verbremser hat dank der Improvisation der Boxencrew alles einwandfrei funktioniert", berichtete Weissermel. Nur sechs Tage später ging es dann wieder zurück auf die legendäre Nordschleife. Die heiße wie lernreiche Vorbereitungsphase begann. "Insbesondere das Fahren auf Regenreifen hat neue und zwingend notwendige Erfahrungen gebracht."

Wie viel eine Rennsaison kostet

Den Seat setzt Weissermels Team in diesem Jahr als Kundenauto ein. Das heißt, der bisherige Rennwagen wird verliehen, das Team kümmert sich aber um Vorbereitung und Betreuung bei Renneinsätzen. Dieser Schritt war "zunächst nicht so geplant. Aber so können wir das größere Fahrzeug refinanzieren", erklärte Weissermel. Die Kosten für eine Saison seien inzwischen auf einen "hohen fünfstelligen Betrag" gestiegen. An der Grundvoraussetzung hat sich indes nicht geändert. Weissermel bekräftigte: "Auch in dieser Saison wäre Motorsport in diesem Umfang nicht ohne unsere Sponsoren möglich. Federführend ist dies Ingo Bessler von der Technischen Überwachung Taunus zu verdanken."

Viel Zeit zum Erholen gibt es nicht für Max Weissermel. Bereits am kommenden Samstag folgt das zweite Rennen der RCN-Meisterschaft. Es gilt, auf der Nordschleife wieder 15 Runden à 20,1 Kilometer zu absolvieren - aber dann soll es keine Schrecksekunde geben.

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