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Auf höchstem Niveau: Jan Felix Knobel beim olympischen Hürdenlauf in London.

Zehnkampf

Schreibtisch statt Sportplatz

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Er zählte im Zehnkampf zur Weltspitze, ehe ihm Verletzungen immer wieder zu schaffen machten. Jetzt widmet sich Olympia-Teilnehmer Jan Felix Knobel einer anderen Laufbahn: seiner beruflichen.

Jan Felix Knobel verabschiedet sich vom Leistungssport. Für den Zehnkämpfer des Königsteiner LV lautet die Devise nun „Schreibtisch statt Sportplatz“. Nach rund 15 Jahren intensiver sportlicher Belastung sagt der Olympia-Teilnehmer von 2012: „In meinem Leben nehmen mittlerweile andere Aufgaben mehr Raum ein als der Sport.“

Knobel fand Anfang 2018 nach Abschluss seines Studiums gleich eine Anstellung als Architekt in einem Büro in Friedberg. Was mit 25 Wochenstunden begann, hat sich vom Arbeitsaufwand gesteigert – Wochenendarbeit bei wichtigen Terminprojekten eingeschlossen. 2019 wird der inzwischen 29 Jahre alte Ex-Bundeskaderathlet noch ein berufsbegleitendes Studium zum Immobilien-Ökonom draufsatteln.

„Der Entschluss, keinen Zehnkampf mehr zu bestreiten, war ein längerer Prozess, der während dieser Saison reifte. Neben der beruflichen Belastung wurde es auch immer schwerer, auf sehr hohem Niveau zu trainieren, um an die alte Form ranzukommen. Das war oft auch ein zeitliches Problem“, erläutert der Friedrichsdorfer. „Eigentlich hatte ich angedacht, mich mit einem Zehnkampf auf hohem Niveau vom Leistungssport zu verabschieden. Dafür muss aber das Gesamtpaket stimmen. Ich hatte zum Teil sehr gute Leistungen in einzelnen Disziplinen, aber eben nicht in allen. Einfach nur antreten und dann zum Spaß etwas im Bereich von 6000 Punkten abliefern, kam für mich nicht in Frage“, sagt der Junioren-Weltmeister von 2008, der von 2004 bis Ende 2014 mit großem Erfolg für die LG Eintracht Frankfurt startete.

Unerfüllter Traum von Rio

14,72 Sekunden über die 110 Meter Hürden, 4,90 Meter beim Stabhochsprung, 15,73 Meter mit der Kugel oder 47,94 Meter mit dem Diskus sind wahrlich Einzelleistungen auf einem hohen Niveau. „Der Aufbau im Winter hat letztendlich nicht gereicht, um einen stabilen Wettkampf mit zehn Disziplinen an zwei Tagen absolvieren zu können“, bestätigt aber auch Mehrkampf-Landestrainer Philipp Schlesinger, der Knobel in den vergangenen vier Jahren betreute.

Nachdem Knobel sich wieder herangekämpft und 2015 beim Thorpe-Cup die 8000-Punkte-Marke übertroffen hatte, hinderten ihn Verletzungen, in die Entscheidung um die Olympia-Qualifikation einzugreifen. Der Traum, in Rio de Janeiro zum zweiten Mal die Sommerspiele zu erleben, erfüllte sich nicht. Knobel ließ sich 2017 operieren. An den Füßen wurden Verknöcherungen und Verwachsungen der Plantarissehnen entfernt. „Die Operationen haben mir reichlich Lebensqualität zurückgegeben und dann auch wieder ein geregeltes Training zugelassen, wobei die Regeneration doch recht lange gedauert hat. Die Vorbereitungszeit auf die Saison war einfach zu kurz“, sagt Knobel. „Rückblickend habe ich viel erreicht und hatte ich eine tolle Zeit, an die ich mich gerne erinnern werde“, bilanziert Knobel, dessen Bestleistung bei beachtlichen 8396 Punkten steht.

In seiner langen sportlichen Karriere verbuchte Knobel viele Spitzenresultate. Nach nationalen Titeln (erstmals 2003 im Achtkampf der Altersklasse M 14) steigerte er sich 2008 im polnischen Bydgoszcz zum U20-Weltmeister im Zehnkampf. Bei der WM 2011 in Daegu (Korea) wurde Knobel Achter und schaffte 2012 als Sieger des Mehrkampf-Meetings in Ratingen die Quali für Olympia in London, wo er den Wettkampf nicht beendete.

Ob es künftig noch Starts in Einzeldisziplinen geben wird, lässt Knobel offen. Gerne würde er aber sein Wissen in irgendeiner Form an den Nachwuchs weitergeben.

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