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Fußball

Sean Hentsch erzielt beim 7:1 seines FV Stierstadt II sechs Tore - und bleibt trotzdem auf dem Teppich

Dieter Müller traf im August 1977 beim 7:2 des 1. FC Köln gegen Bremen sechsmal und hält damit den Bundesliga-Rekord. Ebenso oft war jetzt ein Stierstädter Kreisliga-Kicker erfolgreich.

Die Zeiten, in denen Stürmer bloß an der Zahl ihrer Tore gemessen werden, sind längst vorbei. Rund 35 Jahre nach dem Karriereende vom „Bomber der Nation“ Gerd Müller sind Angreifer mittlerweile die ersten Verteidiger ihrer jeweiligen Teams, müssen zudem Bälle festmachen, um sie dann auf die nachrückenden Mitspieler möglichst clever weiterzuleiten. Manchmal geht es aber weiterhin einfach nur ums „Knipsen“ – besonders dann, wenn ein Vertreter der stürmenden Zunft so effizient abschießt wie Sean Hentsch am Sonntag. Zum 7:1-Auswärtssieg des FV Stierstadt II steuerte der 20-Jährige gleich sechs Treffer bei und avancierte zum Alptraum der SG Hundstadt. „Plötzlich lief’s einfach, und jeder Schuss ging rein“, erklärt Hentsch nüchtern, ganz so, wie er sich auch in des Gegners Strafraum präsentierte.

Angefangen hat er mit dem Kicken in der G-Jugend seines Heimatvereins TuS Laubuseschbach (Landkreis Limburg-Weilburg), und nach dem Umzug in den Hochtaunus setzte er seine Junioren-Laufbahn bei Eintracht Oberursel fort. Im vergangenen Jahr machte Hentsch dann seine ersten Schritte im Senioren-Fußball bei der Reserve des FV Stierstadt. Dort kümmert sich in Marco Hentsch sein Onkel um die sportlichen Geschicke.

„Er ist mit 1,90 Meter groß gewachsen und dazu im Grunde beidfüßig“, zählt Hentsch, Sportlicher Leiter des FV, die fußballerischen Vorzüge seines Neffen auf. Doch an der Geschwindigkeit und Athletik müsse er noch arbeiten, bekommt Sean Hentsch regelmäßig zu hören. Einen Freifahrtschein in die 1. Mannschaft aufgrund des verwandtschaftlichen Verhältnisses bekommt er nicht. Aktuell sei er ohnehin voll auf die „Zweite“ konzentriert. „Wir haben vor dem Spiel in Hundstadt in acht Partien fünfmal verloren und dreimal Unentschieden gespielt“, berichtet der sechsfache Torschütze, „da saßen wir regelmäßig mit fragenden Gesichtern in der Kabine.“

Der Kantersieg soll nun der Befreiungsschlag gewesen sein, so die Hoffnung des Goalgetters. Trotz seines Gardemaß gelang Sean Hentsch bei seiner Gala übrigens kein Kopfballtreffer. „In der Luft bin ich trotz meiner Größe nicht wirklich stark“, gesteht der junge Mann. Dafür hat er den Dreh bei ruhenden Bällen raus. Nach guten Leistungen im Training durfte er gegen Hundstadt erstmals zum direkten Freistoß antreten – und „zimmerte“ prompt das Spielgerät aus 18 Metern vorbei an Alexander Lehr in dessen Torwarteck. Da waren erst sieben Minuten gespielt. Es folgten weitere fünf Treffer innerhalb von knapp 70 Minuten.

Gut möglich also, dass sein Weg früher oder später doch in die Kreisoberliga-Mannschaft des FV Stierstadt führt. Auch wenn dort in Altan Sak und Enrico La Medica starke Konkurrenz wartet, wie Sean Hentsch weiß. An der Athletik und dem Kopfballspiel kann er bis dahin ja noch arbeiten.

Nicht ändern wird sich seine Liebe zu den Offenbacher Kickers. Diesbezüglich sei ihm die Leidenschaft von Vater Steffen in die Wiege gelegt worden. „Als Kickers-Fan“, sagt er schmunzelnd, „ist man ziemlich abgehärtet.“ Das muss er auch im Fachsimpeln mit seinem Onkel sein. Denn der ist glühender Eintracht-Frankfurt-Fan.

Von Robin Kunze

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