So kennen ihn die Handballer im Hochtaunus: Schiedsrichter Eckhard Fiukowski hat den Ball unter den Arm geklemmt und schreitet mit den Mannschaften zum Anstoß. Foto: Strohmann
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So kennen ihn die Handballer im Hochtaunus: Schiedsrichter Eckhard Fiukowski hat den Ball unter den Arm geklemmt und schreitet mit den Mannschaften zum Anstoß.

Handball, Bezirk Wiesbaden/Frankfurt

Seit 50 Jahren Schiri: "fiu" lebt für den Handball

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Es gibt Menschen, die gehören zu einer Sportart wie die Pfeife zum Schiedsrichter. So kennt im Hochtaunus jeder Handballer Eckhard Fiukowski. Der Mann zeigte einfach in jeder Halle, bei jedem Turnier schon Präsenz. Zu seinem Jubiläum plaudern der Unparteiische selbst, aber auch langjährige Wegbegleiter aus dem Nähkästchen.

50 Jahre als Schiedsrichter, das macht nach seiner groben Schätzung unglaubliche 1500 Handballspiele unter seiner Leitung. Er hat sie alle pünktlich angepfiffen. Denn zu spät gekommen ist Eckhard Fiukowski nie. Mindestens zweimal bedurfte es allerdings großer Anstrengungen des heute 72-jährigen Bad Homburgers, dass diese beeindruckende Serie hielt.

Mit Gerhard Heiliger durchlebte Fiukowski einmal eine wahre Odyssee, um ein Landesliga-Spiel im Lahn-Dill-Kreis leiten zu können. Kurz vor Wetzlar rollte der alte VW-Bus seines damaligen Gespannpartners auf der Autobahn aus - Motorschaden. Der ADAC habe auch nichts mehr machen können, dafür die beiden Unparteiischen aber zum nächsten Bahnhof gebracht, erzählt Fiukowski. Mit dem Zug ging es dann weiter nach Dillenburg und mit dem Taxi nach Sechshelden, einem Stadtteil von Haiger, in dem der TV Ewersbach seine Spiele austrug. Die Schiris waren trotzdem rechtzeitig zum Aufwärmen der Teams da. "Wir haben extra immer einen großen Puffer gelassen", erzählt Fiukowski.

Oder sollte man nicht doch lieber "fiu" schreiben? Unter diesem Kürzel berichtet der Schiedsrichter seit 1983 für die Taunus Zeitung. So meldet er sich auch am Telefon, wenn ein Handballer dran ist. Als "fiu" kennt ihn jeder. Und "jeder" heißt tatsächlich jeder Handballer im Hochtaunus.

Er ist "treu und regional"

Fiukowski habe den Sport, so lange er denken könne, begleitet, erzählt Thomas Jäth, früherer Trainer und Manager der TSG Ober-Eschbach, dem angestammten Verein des Schiedsrichter-Jubilars. Mit seinem Vater Bodo Jäth sei Fiukowski schon auf Busreisen im Ausland dabei gewesen, als die Helden des Vereins Klaus Pleines und Robert Welter hießen. "Er ist treu und regional, man erlebt ihn als Spieler, Schiedsrichter oder während der 3. Halbzeit", sagt Jäth mit einem Lächeln.

Vor dem Pfeifen stand des Spielen - natürlich im Tor. Nach seiner Jugendzeit bei der Spielvereinigung 05 Bad Homburg hatte Ernst Meiss ihn beim Pfingstturnier in Ober-Eschbach angesprochen, und als Neuzugang meldete ihn der Verein prompt beim Schiedsrichter-Neulingslehrgang an. So kam es, dass "fiu" sich an seinen ersten Einsatz als Referee im September 1970 zwar nicht mehr richtig erinnern kann ("Das war ein Alte-Herren-Spiel in der Nordweststadt"), dafür aber umso mehr an den direkt folgenden Aufstieg mit seinem Team in die Verbandsliga. Damals, als noch zwischen Hallen- und Großfeldsaison gewechselt wurde, spielte die TSG Ober-Eschbach in der Aufstiegsrunde unter anderem gegen einen Emporkömmling namens TV Großwallstadt.

Beinahe bis zum 40. Lebensjahr spielte Fiukowski, der sich selbst als "offensiver Torwart" bezeichnete, vor allem in der von ihm geliebten 2. Mannschaft. Unvergessen für ihn das A-Klassen-Spitzenspiel gegen den Lokalrivalen TV Gonzenheim, damals vor 500 Zusehern in der Sporthalle Frölingstraße. 1983 war "fiu" das zweite Mal von den Nullfünfern zur TSG gewechselt, deren Vorsitzender er später für einige Jahre wurde.

Vereinsjubiläum mit Bitter und Glandorf

"Eckhard hat viel gemacht, auch wenn man es kaum bemerkt hat", erzählt Jäth. Unter seine Regie als Vereinsboss fiel die Feier zum 75-jährigen Bestehen der TSG, als die Albin-Göhring-Halle Schauplatz eines A-Jugend-Länderspiels zwischen Deutschland und Weißrussland wurde. "2001 für die DHB-Auswahl am Ball: Holger Glandorf und Torwart Johannes Bitter." Fiukowski erwähnt es mit ein wenig Pathos in der Stimme gerne.

Doch hier soll es in erster Linie um seine Schiedsrichter-Laufbahn gehen. Bis zur Oberliga Hessen schafften es Fiukowski/Heiliger. Nahmen sich Urlaub, um freitags in aller Frühe bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Darmstadt pfeifen zu können. Einen weiteren Aufstieg - und damit verbunden noch viel weitere Fahrten - habe sein Beruf in der Lebensmittelbranche verhindert, erzählt Fiukowski. Um auf keinen Fall zu spät zu kommen, hätten die beiden ja auch fast in der Nacht losfahren müssen...

Auch mit seinem späteren Gespannpartner Thomas Kunkel vom TV Petterweil kam "fiu" immer rechtzeitig an. Als einmal auf der Fahrt zum morgendlichen A-Jugend-Spitzenspiel zwischen der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen und dem TV Hüttenberg bei Butzbach der Sprit ausgegangen war, wurde das Auto von den Unparteiischen eben zur nächsten Tankstelle geschoben. Sie befand sich zum Glück ganz in der Nähe.

Nie ernsthafte Probleme mit Spielern und Zuschauern

Ebenso erstaunlich wie die Pünktlichkeit war, dass der Schiedsrichter aus dem Taunus, der die meisten seiner Partien freilich in unteren Klassen der Region begleitete und auch einige Jahre seine Kollegen zu Spielen des Bezirks einteilte, nie ernsthafte Probleme mit Spielern und Fans bekam. "Er ist die Ruhe in Person und sucht auf dem Spielfeld immer den Austausch", weiß der frühere Bundesligaspieler Sebastian Linder aus Oberursel. "Die ersten Jahre war ich schon giftig", kontert fiu, "später bin ich kontaktfreudiger geworden."

Thomas Mair von der TSG Oberursel, der den Mann ebenfalls schon seit Kindheitstagen kennt und inzwischen als Spielwart im Handballbezirk fungiert, beschreibt den Stil so: "Die Leute haben durch sein Auftreten und seine Erfahrung einfach akzeptiert, wer da steht, was er tut, wie er es macht." Für seine Verdienste um den Handballsport wurde Fiukowski mit der Silbernen Ehrennadel des Hessischen Handball-Verbands/HHV (für seine Tätigkeiten als Bezirkspressewart, in Arbeitskreisen der Schiedsrichter, des Öffentlichkeitsausschusses und der Spieltechnik sowie als Beisitzer im Kreisrechtsausschuss) ausgezeichnet. Er erhielt zudem die Ehrennadel in Bronze des Landessportbunds.

Wenn das System überfordert ist

"Ich habe in der entsprechenden Datei des HHV nachgeschaut", ergänzt Mair, "er ist schon so lange Schiedsrichter, dass es das System gar nicht erfassen kann." Den ersten Eintrag fand Mair erst aus dem Jahr 1987. "Eckhard hat immer für den Handball gelebt und seine Erfahrungen an viele weitergegeben", lobt ihn der Oberurseler.

Ob Fiukowski noch einmal zur Pfeife greift, hängt davon ab, wie sein Körper die Hüftoperation wegsteckt, der er sich im Sommer unterziehen musste. "Ich würde es auf jeden Fall gerne probieren, werde es aber nicht übertreiben", sagt der Bad Homburger, dessen Markenzeichen sein üppiger Vollbart ist. Viele kennen ihn nicht ohne. 1987 habe ihm einst seine Frau dazu geraten, die Barthaare stehen zu lassen - "ich wäre nie auf den Gedanken gekommen".

Eine Anekdote des 1500-Spiele-Schiris charakterisiert ihn wohl wie keine andere. In den 80er Jahren leitete er auf einem Turnier in Nieder-Eschbach ein Spiel des SV Erlensee. Trainer an der Seitenlinie war kein Geringerer als der heute legendäre Kurt Klühspies, Weltmeister von 1978.

"Nach dem Spiel haben Schiedsrichter und Trainer sich bei einem Bier nett unterhalten", erinnert sich Fiukowski. Fernab von Meinungsverschiedenheiten, die während einer Handball-Partie nun einmal auftreten. Schließlich bestellten die beiden noch ein Bier, und sie unterhielten sich munter weiter. "So müsste das eigentlich immer sein", sagt fiu.

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