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Ab sofort bei der TSG Ober-Eschbach nicht mehr ?mittendrin?: Trainer Sergej Pakhourkin ist beim abstiegsbedrohten Landesligisten entlassen worden.

Trainerwechsel bei Handball-Landesligist TSG Ober-Eschbach

Sergej Pakhourkin entlassen

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13 Spiele, aber nur acht Punkte. Und diese acht sind aufgrund des nicht erfüllten Schiedsrichter-Solls nur so viel wert wie fünf Zähler: Der Tabellenvorletzte der Landesliga Mitte hat reagiert, entlässt den Trainer – und will schon nächste Woche den Nachfolger präsentieren.

Alle Register hatten die Verantwortlichen bei der TSG Ober-Eschbach in den vergangenen Wochen gezogen. Sie hatten Sergej Pakhourkin, dem Trainer der abstiegsbedrohten Landesliga-Handballer, bewusst und immer wieder offensiv den Rücken gestärkt – sie hatten mit Alsen Trubljanin noch einen neuen Spieler „nachverpflichtet“ – an der vertrackten Tabellensituation änderte sich jedoch trotz der beiden Impulse nichts. Jetzt hat der Vorletzte der Landesliga Mitte alle Treueschwüre über Bord geworfen und Trainer Pakhourkin entlassen.

„Dabei kann der Sergej gar nichts dafür, dass wir mit 8:18 Punkten Vorletzter sind“, klingen die Worte von Ober-Eschbachs ehemaligem Sportlichen Leiter und „Urgestein“ Thomas Jäth, der der TSG nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht, auf den ersten Blick widersprüchlich. „Sportlich machte Sergej alles richtig – aber uns blieb jetzt nichts anderes übrig, als es mit einem dritten und allerletzten Impuls zu versuchen, die Mannschaft zu pushen. Und dieser Impuls lautet Trainerwechsel.“ Am 28. Dezember sei Pakhourkin über die einstimmige Entscheidung des Spielausschusses informiert worden.

Mit einem frischen, unverbrauchten Mann soll die Wende zum Besseren geschafft werden. Wobei der Nachfolger des vor 58 Jahren in Riga geborenen und seit 17 Jahren in Ober-Eschbach lebenden Pakhourkin bereits feststehe, aber erst nächste Woche bekanntgegeben werden soll, so Jäth. „Nur so viel“, lässt er die Katze ein wenig aus dem Sack blinzeln, „der neue Trainer, mit dem wir bereits am 23. Dezember klar waren, hat zuletzt zwei Jahre lang pausiert und kommt nicht aus der Region.“ Kommenden Dienstagabend wird man schlauer sein – dann wird der „Neue“ der Mannschaft beim Trainingsstart vorgestellt (im Hinblick auf die Landesliga-Fortsetzung am 14. Januar gegen die HSG Lollar/Ruttershausen) und Sergej Pakhourkin am selben Abend von der Mannschaft verabschiedet.

Die Trennung von Pakhourkin, der erst zu Saisonbeginn die TSG – als Nachfolger des beruflich stark eingespannten Olaf Behm-Trendelenburg – übernahm, habe ihm, Jäth, „sehr, sehr weh- und leidgetan, weil Sergej nicht nur unser Trainer, sondern ein persönlicher Freund von mir ist“. Den Wechsel auf der Trainerbank sieht Jäth als „allerletzten Impuls an die Adresse der Mannschaft; die hatte durch bereits sechs Niederlagen mit nur einem Tor Unterschied das Vertrauen zu Sergej verloren“. Obendrein gebe es drei, vier Spieler des aktuellen Kaders, die ihre Unzufriedenheit ob der wenigen Spielanteile, die ihnen Pakhourkin zuteilwerden ließ, wiederholt unverhohlen zum Ausdruck gebracht haben. Jäth: „Ein neuer Trainer, der alles noch einmal auf null stellt und alles der Disziplin sowie dem Respekt unterordnet, kann vielleicht gerade von diesen Spielern neues Potenzial zutagefördern.“ Fast wäre es für die Rückrunde zur Verpflichtung eines weiteren Spielers gekommen. Jäth: „Wir befanden uns mit einem Profi in Gesprächen. fragten an, ob er uns die nächsten vier Monate helfen wolle. Doch wir konnten uns den Mann finanziell nicht leisten.“

Wenn auch die Ära Pakhourkin nur kurz war und sein Nachfolger bereits in den Startlöchern stehe: Thomas Jäth bleibt sich und seiner Meinung treu: „Im Grunde genommen gibt es keinen besseren Trainer als Sergej Pakhourkin. Und er ist auch Nullkommanichts an unserer schlechten Platzierung schuld – aber er ist nun einmal der Leidtragende unserer Ergebniskrise. Quasi der richtige Mann zum falschen Zeitpunkt.“

Die Schuld an der Misere tragen aus Jäths Sicht zum einen der Vorstand, zum anderen die Mannschaft selbst. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Marc Fischer und Martin Leinweber, unser Spielausschuss, hat sich leider nicht so intensiv um Ersatz für Spieler wie Schneider, Schawaller und den verletzten Witzke gekümmert. In der Vorbereitung waren wir phasenweise nur zu siebt.“ An der Zusammenstellung der Mannschaft sei Pakhourkin nicht beteiligt worden. Jäth wiederum habe die Verpflichtung des litauischen Nationaltorhüters Andrius Veteras veranlasst. „Ein weiterer Fehler war, dass der Spielausschuss dann den Kampf um die Meisterschaft ausrief und wir kurz darauf die Hiobsbotschaft von den drei Punkten Abzug erhielten“, sagt Jäth. Der Mannschaft wiederum fehlte nach seiner Einschätzung hie und da die rechte Einstellung.

Und was eigentlich, wenn der neue Besen nicht erfolgreich kehrt? Jäth betont: „Wir haben keinen Plan B in der Schublade. An einen Abstieg in die Bezirksoberliga denken wir erst gar nicht.“

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