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Geschäftsführer Bernd Röschenthaler, Sportlicher Leiter Sven Rehde, Geschäftsführer Mirko Kupfer (von links)

Tischtennis Hochtaunus

Was sich das neue Führungstrio von Zweitligist TTC OE Bad Homburg vornimmt

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Am Montag tritt der neue Geschäftsführer Bernd Röschenthaler offiziell sein Amt für die Ober-Erlenbacher Zweitliga-Mannschaft an, Sven Rehde kehrt gleichzeitig als Sportlicher Leiter zurück. Ein Besuch in der Zentrale des TTC OE.

Worum es beim TTC OE Bad Homburg in erster Linie geht, wird bei einem Besuch der Geschäftsstelle schnell klar. Sie befindet sich im Obergeschoss des Hauses, in dem das Ehepaar Baugard wohnt. Martin Baugard ist der frühere Vorsitzende des Ober-Erlenbacher Vereins und heutiger Mitbestimmer in der Unternehmer-Gesellschaft, die den Spielbetrieb der Zweitliga-Mannschaft regelt. Auf dem Balkon hat man einen schönen Blick über den Bad Homburger Stadtteil, in dem die Macher des Tischtennis-Clubs vom Aufstieg in die Bundesliga träumen. Wirkt ziemlich familiär hier.

Das Ziel hat sich auch mit Bernd Röschenthaler, dem neuen zweiten Geschäftsführer, und Sven Rehde, dem zurückgekehrten Sportlichen Leiter, nicht geändert. Die beiden haben sich an diesem sommerlichen Nachmittag mit Geschäftsführer Mirko Kupfer in der Geschäftsstelle eingefunden, um über ihren Dienstantritt zu reden, der offiziell am 1. Juli sein wird. Aber natürlich sind die Neulinge längst in gewisse Abläufe involviert, sie halten dem Verein ja schon lange die Treue, wenn auch zuletzt eher als Altersklassenspieler und Anhänger.

Nachher fahren Röschenthaler, 65, Führungskraft in einer großen Telekommunikationsfirma, ab November in Rente, und Rehde, 43, selbstständiger Augenoptikermeister, noch gemeinsam zum Training. Die Teilnahme an der Altersklassen-EM in Budapest steht bevor.

Im vergangenen Jahr, schwärmt Röschenthaler, habe bei der WM der „Veterans“ in Las Vegas auch Jörg Roßkopf aufgeschlagen. Die Altmeister der Szene lassen sich nicht lumpen, und dennoch ist es quasi für jedermann möglich, als Senior bei den internationalen Titelkämpfen mitzuspielen. Im Tischtennis kennt man sich, beim TTC OE sowieso, die Welt ist klein, wie man so schön sagt.

Noch mehr zusammenrücken möchte Bernd Röschenthaler, Nachfolger des langjährigen Geschäftsführers Johannes Herrmann, dem der Verein gekündigt hatte. Er habe sich vorgenommen, mitzuhelfen, die Vereinsfreunde wieder näher an die 1. Mannschaft heranzuholen, eine engere Bindung herzustellen, sagt der Neue. Damit meint der jung gebliebene Mit-Sechziger insbesondere die eingefleischten Erlenbacher, die sich in recht überschaubarer Zahl bei den Spielen in der Wingert-Sporthalle einfänden. Die Partien sind mit 200 Zuschauern im Schnitt freilich gut besucht, weil aus den umliegenden Vereinen sich viele Tischtennis-Fans für das Zweitliga-Team interessierten.

„Wir wollen den Unterbau nicht vergessen“, schiebt Geschäftsführer-Kollege Mirko Kupfer, 44, Vertriebsspezialist in der Fitness-Branche, ein. „Wir wollen als Verein wieder zusammenwachsen“, sagt der Tischtennis-Fachmann, der seit zwei Jahren beim TTC OE mit anpackt. Das lässt erahnen, dass die Beziehung zwischen den Profis, die in der 2. Liga munter oben mitmischen, und den Mitgliedern des Einspartenvereins schon einmal besser war.

„Wir brauchen Typen“

Die Spieler scheinen für mehr Volksnähe leicht zu begeistern. „Wir können nur Typen gebrauchen, die mithelfen, den roten Hallenboden nach den Spielen auch wieder abzubauen“, sagt Rehde. Der alte und neue Sportliche Leiter war mit dem TTC OE aus der Oberliga in die 2. Bundesliga aufgestiegen, bevor er vor zwei Jahren berufsbedingt eine Auszeit nahm. Er betont sogleich, dass in Ober-Erlenbach schon immer Spieler aufschlugen, die mit anpackten. Die keine Allüren hätten. Angenehme Zeitgenossen. Nur es bekamen zuletzt nicht mehr so viele Leute mit.

Dem neuen Führungstrio der Zweitliga-Mannschaft schwebt vor, die Profis in die Jugendarbeit einzubinden. Wenn es der Terminplan zulasse, könnten sie bei den regelmäßigen Ferien-Camps zum Beispiel als Paten fungieren. Öffentliche Trainingseinheiten abhalten, bei denen Nachwuchsspieler und andere Vereinsmitglieder sich Tipps holen können. Freitags vor jedem Heimspiel treffen sich die Spieler für gewöhnlich in Ober-Erlenbach im „Hotel Baugard“ und trainieren auch in der Halle zusammen. Der rote Boden ist dann schon verlegt. Es schaut aber bisher niemand zu.

Die familiäre Atmosphäre, der Zusammenhalt, das ist es, was Röschenthaler und Rehde stets schätzten am TTC OE Bad Homburg, der früher schlicht TTC Ober-Erlenbach hieß. Vater Reiner Rehde gehörte 1987 zu den Gründern, Sohnemann Sven war als kleiner Bub schon dabei, spielte auch mit, brachte später gerne seine guten Kontakte ein und erlebte im Management hautnah mit, wie die Ansprüche wuchsen.

Er habe gerne mitgeholfen, dass der Verein immer besser wurde und professionellere Strukturen installierte, erzählt Sven Rehde. Und er tue es gerne wieder, nachdem Mirko Kupfer ihn gefragt habe.

Club mit gutem Namen

Einen guten Namen habe der TTC OE schon lange. Deshalb und wegen vieler privater Kontakte sei er vor rund zwölf Jahren nach Ober-Erlenbach gewechselt, erzählt Röschenthaler, der in Kalbach wohnt und jetzt – kurz vor der Rente stehend – nicht mehr nur spielen wollte. Der Hobby-Musiker habe selbst angeboten, mitzuarbeiten. Qualität zu optimieren, Prozesse zu steuern, das kenne er aus seinem Berufsleben. Dem Kollegen Kupfer wolle er vor allem den Rücken frei halten, „mich um administrative Tätigkeiten kümmern“.

Rehdes Aufgabengebiet betrifft das operative Geschäft. Der Vater eines elfjährigen Sohnes hat sich vorgenommen, Talente zu sichten, die über die 2. Mannschaft in der Oberliga an den Zweitliga-Kader herangeführt werden könnten. „Sie für Tischtennis zu begeistern, hierher zu holen.“ Dazu wolle er nicht nur Ergebnisse studieren und mit Spielerberatern oder Trainern sprechen. Er wolle sich auch von vermeintlichen Neuverpflichtungen persönlich ein Bild machen. Und die Kaderplanung möglichst schon im November abschließen. Er wirkt entschlossen, als er das sagt. „Ein guter Tischtennisspieler weiß im Winter schon, für wen er in der nächsten Saison spielt.“

Schwierig sei es derweil, an deutsche Spieler mit dem erforderlichen Niveau heranzukommen. Einer der Marke Jens Schabacker (inzwischen gewechselt) oder Dominik Scheja, die große Sogwirkungen für den Verein haben. Aber nicht aufgrund ihrer Nationalität. Sondern weil sie Typen seien.

Samuel Kulczycki (16, aus Polen) und Lev Katsman (18, aus Russland), die hochveranlagten Neuzugänge, das könnten auch wieder solche werden, meint Bernd Röschenthaler. „Platz zwei bis fünf sollten wir hinbekommen mit der neuen Mannschaft“, meint Sven Rehde. Was sie nicht sagten: Die 1. Bundesliga muss aus finanziellen Gründen noch warten. Was Mirko Kupfer sagt und die anderen denken: „Wir haben schon das Ziel, dorthin zu kommen, deshalb sind wir hier alle drei angetreten.“

Am 25. August startet der TTC OE mit der Pokalvorrunde in eigener Halle in die neue Saison. Das hat also noch Zeit. Jetzt sind die neuen Macher erst einmal bei der Veteranen-EM in Budapest. Tischtennis spielen.

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