Julia Matuschewski ist nach ihrem "Hammer" gegen den 1. FC Köln für das "Tor des Monats" nominiert.
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Julia Matuschewski ist nach ihrem "Hammer" gegen den 1. FC Köln für das "Tor des Monats" nominiert.

Fußball, Hochtaunus

Sie traf aus 52 Metern: Julia Matuschewski für "Tor des Monats" nominiert

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Zweitliga-Spielerin Julia Matuschewski probiert es gern aus großer Distanz. Für den 1. FC Saarbrücken war die Ober-Eschbacherin jetzt von der Mittellinie erfolgreich.

Saarbrücken/Ober-Eschbach -Eigentlich hätte es Pauline Nelles ja wissen müssen. Die Torhüterin des 1. FC Köln hält sich aber nun einmal gerne etwas weiter vor ihrem Kasten auf, um besser ins Spiel eingreifen zu können. Selbst wenn im gegnerischen Trikot eine Spielerin namens Julia Matuschewski steckt, die in der 2. Frauenfußball-Bundesliga bekannt ist für ihren sehr strammen Schuss. So kam es, dass die 24-jährige Ober-Eschbacherin, die für den 1. FC Saarbrücken spielt, in der 54. Minute draufhielt, obwohl sie noch 52 Meter vom Tor entfernt war.

Die Stürmerin war mit Ball noch ein paar Meter gelaufen und zog an der Mittellinie mit ihrem starken linken Fuß ab. Die Kugel flog an der zurücklaufenden Torhüterin vorbei, tippte noch einmal auf und prallte vom linken Innenpfosten in die Maschen. Tor für Saarbrücken - 1:1. Der Verein reichte das Video bei der ARD für das "Tor des Monats" ein. Matuschewskis "Hammer" gehörte am Samstag als Tor Nummer vier zur Auswahl für Deutschlands schönstes Fußballtor im April. Ab sofort kann auf sportschau.de abgestimmt werden.

Der Tipp kam von den Trainern

Dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt hatte, wollte die talentierte Spielerin aus dem Taunus gar nicht verneinen. Sie gab es sogar offen zu. "Unsere Trainer haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass sie immer weit vor dem Tor steht und wir es probieren sollen." Das erzählt die frühere Jugendnationalspielerin mit doppelter Staatsbürgerschaft, die sich 2017 entschied, für Polens Auswahl international zu spielen, frei von der Leber weg. "Der Ball lag gut. Ich hab's probiert. Wenn ich schieße, ist immer relativ viel Power dahinter. Und dann ist er halt reingefallen. Da war auch Glück dabei."

Eine Premiere war's für die angehende Sport- und Fitness-Kauffrau, die aufgrund ihrer Fußballlaufbahn auch in Saarbrücken lebt, freilich nicht. 2018, in der ersten Saison nach ihrem Wechsel vom 1. FFC Frankfurt, war ihr ein solches Kunststück aus großer Distanz schon einmal gelungen. In Hoffenheim senkte sich der Ball zum 2:0-Endstand für ihr Team sogar direkt in die Maschen. Matuschewski hat den Videobeweis, allerdings in unzureichender Qualität. Ganz anders bei ihrem Coup am 25. April. Der FCS hat's prompt in den sozialen Medien gepostet, und das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Überwältigendes Feedback für die Schützin

"Es haben mich so viele Leute beglückwünscht, mit denen ich teilweise gar nichts zu tun habe", freut sich die 24-Jährige. Und sie würde lügen, wenn sie nicht ein wenig Ruhm genießen würde, steht doch der Frauenfußball oft im Schatten der Männer. In der 2. Bundesliga, obwohl unter Profibedingungen trainierend, erst recht. Corona-bedingt war die Saison lange unterbrochen. Im Dezember und Januar hielt sich Julia Matuschewski deshalb durchgehend bei ihrer Familie in der Bad Homburger Heimat auf. Dort hatte sie 2004 beim FC Bomber mit dem Fußball angefangen. Wohin es sie künftig verschlägt, ist offen. Die Vertragsverhandlungen mit ihrem Club laufen. Noch in dieser Woche möchte sie auf alle Fälle ihre Ausbildung abschließen, "um außer Fußball noch etwas in der Hand zu haben".

Drei Tore hat die Angreiferin mit der "linken Klebe" in dieser Saison erst geschossen, wegen einer Hüftverletzung spielte sie nicht immer. Gegen Köln hatte sie aber doppelten Grund zum Jubeln. Bei ihrem zweiten Versuch aus großer Distanz war Torhüterin Nelles zwar auf der Hut. Einen Eckball in der Nachspielzeit staubte Matuschewski aber zum 3:3-Endstand ab. Ihr trockener Kommentar dazu: "Das kann ich auch."

Als „Auge“ den „Uli“ düpierte

Tore aus großer Distanz haben auf Fußballfreunde schon immer eine Faszination ausgeübt. Das zeigte sich jüngst wieder bei der Wahl zum „Tor des Monats“. Weit war nicht nur der Abstand zum Kasten, als Ingmar Merle von Hessen Kassel am 6. März im Spiel beim FC Homburg jenseits der Mittellinie abgezogen hatte. Mit großem Vorsprung gewann der Regionalliga-Fußballer auch die Abstimmung, zu der die ARD seit 50 Jahren einlädt.

Der erste Weitschusstreffer dieser Art schaffte es 1988 in die Annalen des populären TV-Wettbewerbs. Ebenfalls im März hatte es Siegfried, genannt „Siggi“, Reich direkt vom Anstoß weg probiert und damit ein Tor für den Bundesligisten Hannover 96 erzielt. Als legendär gilt jedoch das „Pfund“ von Klaus Augenthaler. Der damalige Libero des FC Bayern München düpierte im August 1989 im Frankfurter Waldstadion mit seinem Weitschuss Eintracht-Torwart Uli Stein. Die Sportschau-Zuschauer wählten den 1:0-Siegtreffer aus knapp 50 Metern sogar zum „Tor des Jahrzehnts“. Sogar ein Tor aus 61 Metern gelang Michael Stahl von TuS Koblenz dann im Oktober 2010. Sein „Hammer“ leitete den 2:1-Coup seiner damaligen Drittliga-Mannschaft gegen Hertha BSC ein. Der frühere Bezirksligaspieler der TuS freute sich später über den Titel „Torschütze des Jahres“, obwohl er offen zugab, dass er den Ball eigentlich nur habe wegschlagen wollen.

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