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Sie reckt die geballte Faust: Nadine Okrusch feiert mit Oberursel einen 40:30-Sieg gegen Walldorf.

Handball

Der 4. Sieg in Serie

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Mit einer vernichtenden Niederlage beginnt der Handball-Abend in der EKS-Halle. Und mit bemerkenswert vielen Toren für die TSG Oberursel endet er.

Berit Mies wusste nicht so recht, wie ihr geschah. Die Rückraumspielerin der TSG Oberursel hatte zwei Sekunden vor Ende des Handballspiels der Frauen-Oberliga Hessen gegen die TGS Walldorf den letzten Treffer erzielt, als sie von ihren Mannschaftskameradinnen besondere Glückwünsche entgegennahm. Dabei war die Partie vor offiziell 160 Zuschauern doch längst entschieden gewesen, und Mies waren bis dato schon acht Tore gelungen. Aber ihr letztes führte eben dazu, dass es beim Handball wie beim Tennis lautete: 40:30 für Oberursel.

Früher war 30 die „magische Marke“, für deren Erreichen sich Mannschaften für den jeweiligen Torschützen etwas Besonderes überlegten. Meistens musste der Spieler oder die Spielerin dann im nächsten Training kühle Getränke für alle besorgen. Wie Berit Mies ihr 40. Tor „vergolden“ wird, wusste Trainer Paul Günther gar nicht, sein Team habe da etwas festgelegt. Was der TSGO-Coach wusste: Ein „unheimlich schnelles Spiel“ habe sich in der EKS-Halle zugetragen, an deren Ende nicht nur der bisher klarste Saisonsieg der Gastgeberinnen stand, sondern auch der schon vierte Erfolg in Serie.

70 bis 80 Angriffe benötigte der Favorit, um die 40 voll zu machen. Die Mehrzahl davon sahen die Zuschauer im zweiten Abschnitt, denn im ersten, so Günther (und das vermutet man angesichts des Ergebnisses nicht), habe seine Mannschaft „vergessen, auf Tempo zu spielen“. Nur drei Gegenstöße und kein wirkliches Tor aus der „zweiten Welle“ befanden sich unter den 18 Treffern, die Oberursel bis zur Pause erzielt hatte. Abgesehen von einer Schwächephase, in der Walldorf vom 9:5 auf 10:10 egalisierte (20.), war die Leistung der Gastgeberinnen aber stark. „Wir haben immer deutlich geführt und trotz der 30 Gegentore gut verteidigt“, lobte Günther. Mit der laufintensiven 5:1-Deckung – auf der Spitze mit Nadine Okrusch oder Berit Mies deckend – konnten sich die Walldorferinnen nicht anfreunden. Nach der Pause lief im Oberurseler Angriff dann alles rund, alle Spielerinnen trugen sich in die Torschützenliste ein. Bis auf Vanessa Müller, für die sich Günther aber freute, dass er sie nach ihrer Schulterverletzung erstmals wieder in den Kader nehmen konnte. Nach Viktoria Heilmann (10/5) war Berit Mies beste Torschützin – und ihr neunten Tor war ein besonderes.

Weiterhin spielten: Claudia Schilling, Ayana Petri; Nadina Okrusch (8), Jana Sellner (4), Michelle Okrusch, Jennifer Krasnansky, Caroline Stahl (je 2), Lisa Greb, Selina Walde, Sharon Hulin (je 1).

„Wir haben uns ergeben“

Ergün Sahin hat mit den Landesliga-Männern der TSG Oberursel schon einiges mitgemacht, seitdem er im Sommer in der Brunnenstadt die Handballmannschaft übernommen hat. Trotz der schwarzen Serie, die schon jetzt den Klassenverbleib in Hessens zweithöchster Liga als wenig realistisch erscheinen lässt, hat sich der A-Lizenz-Inhaber immer vor sein verjüngtes Team gestellt. Doch nach der ersten Halbzeit im Heimspiel gegen Tabellenführer MSG Linden (Endstand 22:33) platzte Sahin der Kragen. „Wir haben uns ergeben, es wurde kaum der Körperkontakt von meinen Spielern gesucht – so kannst du kein Handball spielen“, kritisierte Sahin. Nach dem bitteren Pausenrückstand von 7:17 teilte der Übungsleiter seiner Mannschaft seinen Unmut auch in der Kabine mit. Was dazu führte, dass der Titelfavorit in den ersten acht Minuten nach dem Wechsel zwar auf sogar 7:22 erhöhte, ehe sich die Gastgeber endlich am Riemen rissen.

Sahin probierte es im zweiten Abschnitt mit einer doppelten Manndeckung, schickte mehrere Einwechselspieler aufs Feld, und die TSGO rehabilitierte sich prompt für die „Dienstverweigerung“ in der ersten Halbzeit. Sahin freute sich über einige Paraden von Victor Lotz, der sich nach drei Fehlpässen gewaltig gesteigert habe. Tobias Jockel habe sich 60 Minuten als Kreisläufer und in der Abwehr aufgeopfert, David Weiß und Giovanni Ilestro zum Aufschwung ihren Teil beigetragen.

Freilich änderte das nichts am jederzeit klaren Resultat und am Druck, der auf der Mannschaft in den nächsten Spielen beim TSV Griedel und gegen die TG Kastel lasten wird – Gegner, die für Oberursel leistungsmäßig in Reichweite sind. Immerhin: Neue Erkenntnisse hat Ergün Sahin gegen Linden gewonnen, neues Selbstbewusstsein, wie auch seine Spieler, aber nicht.

TSGO: Adi Hadziabdic, Viktor Lotz; Tobias Jockel (6/3), Giovanni Ilestro (5), Martin Walz (4), David Weiß (2), Jasper Bechtold, Julian Rummel, Bennet Wienand, Jakob Müllerleile, Robert Avemann (je 1), Janosch Juli, Marvin Ebel, Christian Ghinea.

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