Helmut Jakob hat nicht nur bei seinem Heimatverein Viktoria Sindlingen aufregende Zeiten erlebt.
+
Helmut Jakob hat nicht nur bei seinem Heimatverein Viktoria Sindlingen aufregende Zeiten erlebt.

Helmut Jakob blickt auf eine bewegte Karriere zurück

Ein Sindlinger Original

  • vonAlexander Wolf
    schließen

Sucht man im imaginären Wörterbuch des Fußballs für den Main-Taunus-Kreis Begriffe wie Beharrlichkeit, Arbeitsmoral oder Vereinstreue, müsste ein Bild von Helmut Jakob erscheinen.

Beinahe hätte die beeindruckende Laufbahn des heute 54-jährigen Viktoria-Urgesteins Anfang der 80er-Jahre ein jähes Ende nehmen können. „Mein damaliger Trainer Heinz Wulf hatte einfach keine Ahnung“, scherzt Jakob, „er hat mich im ersten Seniorenjahr kein einziges Mal eingesetzt“. Was für viele junge Fußballer heutzutage ein Grund wäre, den Heimatclub zu verlassen, um andernorts Spielpraxis zu sammeln, gilt nicht für das Sindlinger Original.

Nachdem er im Alter von sechs Jahren bei Viktoria Sindlingen das Fußballspielen begonnen hatte, wagte er als mehrfacher Jugendmeister den Sprung zu den Herren. Die spielten mit Alex Schubert oder Hendrik Klein im Jahr 1980 in der Landesliga und schaffen den Sprung in die Oberliga Hessen. „Ich bin zwischen der Reserve und der Ersatzbank gependelt“, erinnert sich der Viktorianer. Für die erste Oberliga-Saison erkämpft sich der Mittelfeldspieler einen Stammplatz und prägt die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Als regionales Aushängeschild des Amateurfußballs ärgern die Schwarz-Weißen zwischen 1981 und 1991 die hessischen Großvereine FSV Frankfurt, Kickers Offenbach oder den SV Darmstadt 98. „Vor allem die Derbys gegen die SG Hoechst vor etlichen Zuschauern waren absolute Höhepunkte“, erklärt der Mittelfeldmotor. Eine andere tolle Erinnerung abseits des Existenzkampfs in der Oberliga war der dreiwöchige Trip nach Indonesien, den die Mannschaft 1985 als DFB-Vertreter antrat. „Wir haben zum Beispiel gegen die Malaysische Nationalmannschaft vor einer beeindruckenden Kulisse gespielt.“

Nach dem Sindlinger Abstieg wechselt Jakob erst für ein Jahr zu Oberligist RW Walldorf, dann zum SV Wehen. 1992 treffen die Taunussteiner in der ersten Pokalrunde auf Eintracht Frankfurt. „Wir haben zwar 2:3 verloren, unvergesslich ist dieses Spiel aber trotzdem“. Im selben Jahr fliegen die Wehener Fußballer auch für drei Wochen nach Südafrika. „Das sind alles tolle Beispiele, wie man durch den Sport zu tollen Sachen kommen kann“, stellt Jakob klar. Als gerade frischgebackener Familienvater überlegt er nach diesen Abenteuern seine Karriere zu beenden. „Mein Sohn Max und meine drei Jahre jüngere Tochter Lena kamen zur Welt. Da hätte sich der Zeitpunkt angeboten“. Weil seine Frau Claudia „die Familie aber auch weiterhin so gut gemanaged hat“ hängt Jakob sechs aktive Jahre beim SV Zeilsheim dran. Aus der A-Liga schaffen Jakob und Co. den Sprung in die Landesliga. Erst 2000/01 ist Schluss an der Lenzenbergstraße und den Ur-Sindlinger zieht es zurück in seine Heimat. Als 36-Jähriger wird Jakob Spielertrainer und tritt ein schweres Erbe an.

„Alex Schubert und ich saßen damals am Lagerfeuer und haben überlegt, ob wir die Mannschaft abmelden sollen. Wir hatten eigentlich keine Spieler mehr und der Schuldenberg war enorm“. Aufgeben und den Kopf in den Sand stecken? Passt nicht zu den beiden engen Freunden. „Deswegen haben wir uns geschworen, weiterzumachen.“ Obwohl der gelernte Elektroinstallateur neben dem Job auch noch für seine Familie da sein möchte, steckt er genauso viel Herzblut in die Sanierung „seines Vereins“. Über den Einsatz auf und neben dem Platz hinaus sorgt Jakob dafür, dass sich der Verein gesund spart. „Bei der Verpflichtung von Spielern haben wir uns mit Prämien nie mehr übernommen“, erklärt er, „zudem haben wir regelmäßig Stände auf Weihnachtsmärkten oder Festen organisiert und das Vereinsheim in Eigenregie betreiben“.

„Die wahren Helden in diesem Verein sind für mich die Ehrenamtler“, stellt Jakob klar. „Sie repräsentieren Werte wie Verantwortungsbewusstsein und Zusammengehörigkeitgefühl. Das findet man in der heutigen Zeit leider immer weniger.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare