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Skeptisches Echo auf neue Regeln

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Von: Volker Hofbur

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Handball-Nationaltorhüter Johannes Bitter bekommt den Ball an den Kopf. Unbedrängte Würfe auf den Kopf sollen bestraft werden, aber was ist ein unbedrängter Wurf? Schiedsrichter geraten noch mehr unter Druck durch Mannschaften und Zuschauer. FOTO: dpa
Handball-Nationaltorhüter Johannes Bitter bekommt den Ball an den Kopf. Unbedrängte Würfe auf den Kopf sollen bestraft werden, aber was ist ein unbedrängter Wurf? Schiedsrichter geraten noch mehr unter Druck durch Mannschaften und Zuschauer. © picture alliance / dpa

Für die Schiedsrichter wird es in der Praxis auf dem Feld noch schwerer

Main-Taunus -Immer wieder machen sich Funktionäre des Internationalen Handball-Verbandes Gedanken darüber, wie sie mit neuen Regeln den Handballsport reformieren und attraktiver machen können (siehe Extra-Text). Wenn man bei den Vertretern der heimischen Vereinen nachfragt, fällt das Echo gespalten aus.

Bestehende Regel soll

umgesetzt werden

Dass nach dem Passiv-Zeichen der Schiedsrichter nur noch vier statt sechs Pässe gespielt werden sollen, ist für Tobias Fischer, Trainer der Drittliga-Damen der TSG Eddersheim, nichts Entscheidendes: "Es ist Auslegungssache, wann der Schiedsrichter seinen Arm zum Passiv-Spiel hebt. Ich halte von der Regel nicht viel. Es wird keinen Unterschied machen." Dem stimmt Jennifer Walter von der HSG Sindlingen/Zeilsheim zu: "Ich weiß nicht, was es bringen soll." Gilles Lorenz als Trainer des Handball-Oberligisten HSG Breckenheim Wallau/Massenheim sieht darin eine Reaktion auf eine nicht sauber umgesetzte Regel. "Die Schiedsrichter sollen nicht die Pässe runterzählen, sondern passives Spiel pfeifen, wenn es passiv ist. Aber auch darauf werden wir uns einstellen." Der Münsterer Trainer Daniel Wernig und Yvonne Thon (Tus Kriftel) sehen die Änderung als gut an, um zu verhindern, dass mit dem Provozieren von Freiwürfen Zeit geschunden wird. "Wenn die Schiedsrichter den Arm heben, sollen sie auch dazu stehen", sagt auch Thomas Gölzenleuchter als Trainer der HSG Epp/La. Auch Jens Wagner (HSG Goldstein) findet sechs Pässe zu viel, Daniel Mosbacher (TSG Eddersheim II) ergänzt, dass es gut ist, wenn es klar kommuniziert ist und die Schiedsrichter es dann auch so pfeifen.

Geht es um den Anwurfkreis, der auf DHB- und IHF-Ebene geschaffen werden soll, ärgern sich viele Trainer über das Zurückpfeifen. "Viele Schiedsrichter können dem Tempo nicht folgen", erklärt Yvonne Thon, "sie unterbinden so die Schnelle Mitte". "Es sollte großzügiger gehandhabt werden, um die schnelle Mitte zu erleichtern. Wenn es problemlos umsetzbar ist, ist es gut", erklärt Daniel Mosbacher. Einige Kollegen schließen sich ihm an. "Es nervt, dass der Anwurf immer wieder zurückgepfiffen wird, weil angeblich einige Zentimeter daneben angeworfen wurde, obwohl die Schiedsrichter gar nicht auf Ballhöhe sind", erklärt Gilles Lorenz. "Diese Regel ist völliger Mist", findet Tobias Fischer, "wie die meisten haben wir keinen vier Meter großen Anwurfkreis". Daniel Wernig fügt an: "Es wird schwierig, dass in der Praxis gleichberechtigt für alle umzusetzen." Jennifer Walter ergänzt: "Du brauchst schnelle Schiedsrichter."

Schiedsrichter haben

noch größeren Druck

Noch größer wird nach Meinung der Trainer der Druck auf die Schiedsrichter, wenn es um die neue Regel der Kopftreffer gilt. "Ich unterstelle jedem Angreifer, dass er den Ball ins Tor werfen will", erklärt Fischer, "vor sieben Jahren hat mal meine Torhüterin einen Ball an den Kopf bekommen. Ich war selbst Torwart. Da hast du den Ball gehalten, dich einmal geschüttelt und warst dann besser als vorher". Jennifer Walter stimmt ihm zu: "Jeder will den Ball ins Tor werfen. Was ist ein unbedrängter Wurf? Das wird spannend." Thomas Gölzenleuchter meint: "Die meisten Spieler vom Kreis oder von Außen bekommen Kontakt. Der Schiedsrichter muss sicherstellen, dass keiner dran war, auch wenn er kein freies Sichtfeld hat." Daniel Wernig geht noch weiter: "Damit erzeugst du unklare Situationen und größeren Druck auf die Schiedsrichter, deren Ausbildung viel praxisnäher erfolgen muss. Das kann für sie zu extremen Situationen führen, über die sich keiner Gedanken gemacht hat." Da stimmt ihm Gilles Lorenz zu: "Da wird viel Auffassungsgabe von den Schiedsrichtern verlangt. Das ist extrem schwierig," Ähnlich äußert sich Daniel Mosbacher: "Ich bin gespannt, wie das umgesetzt wird. Für wen ist diese Regel notwendig?"

Die Regel für ein Zentimeter größere Bälle sorgt für Kopfschütteln. "Wenn dadurch ein Kind den Ball besser halten kann, ist es okay", meint Yvonne Thon, die aber wie viele andere wenig Verständnis dafür hat. "Das braucht kein Mensch", sagt Gilles Lorenz stellvertretend für viele. "Das macht den Handball nicht besser", stimmt Tobias Fischer ihm zu,

"Haben die keine anderen Probleme?"

Insgesamt herrscht über diese Regeln Unverständnis. "Regeländerungen bringen unnötige Diskussionen mit sich", erklärt Gilles Lorenz. "Darüber machen sie sich Gedanken", ereifert sich Tobias Fischer, "die Regeln sind völliger Blödsinn. Sie sollen sich Gedanken machen, wie sie ihre Sportart besser vermarkten". Dem stimmt Jennifer Walter zu: "Das macht den Handball ungemein attraktiver. Haben die keine anderen Probleme?" Volker Hofbur

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