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Zielstrebigkeit ist sein großes Plus: Niklas Becker (rechts) - hier im Duell mit Ognjen Zoric (FSG Wirbelau/Schupbach/Heckholzhausen).

Fußball im NNP-Land

Spieler des Monats März: Niklas Becker vom VfL Eschhofen

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Auch wenn es gefühlt schon ein Jahr her zu sein scheint, dass im NNP-Land zuletzt der Ball rollte: Im März hat es tatsächlich zwei komplette Spieltage in den Fußball-Ligen gegeben. Die Nassauische Neue Presse bleibt daher auch in diesen schwierigen Zeiten ihrer Tradition treu und kürt den "Spieler des Monats". Dieses Mal haben wir uns für Niklas Becker vom VfL Eschhofen entschieden.

Es war der 8. März, als Niklas Becker seine bisher wohl wichtigsten Tore in seiner noch jungen Fußballer-Karriere erzielte. Zur Halbzeit im A-Liga-Spiel beim SV Erbach hatte der 19-Jährige seinen VfL Eschhofen in der 47. und 64. Minute bereits mit 2:0 in Führung gebracht. Aber die Erbacher wollten sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen und glichen durch Jannick Wuttich (70.) und Julius Litzinger (75.) aus. Doch die Eschhöfer wollten unbedingt den Sieg, um in Schlagdistanz zum Relegationsplatz bleiben zu können. Die Zeit lief davon. Dann nahm Niklas Becker sein Herz in beide Hände und sämtlichen Mut zusammen, zog aus gut und gerne 30 Metern Torentfernung ab und drosch den Ball oben links ins Eck. Der Erbacher Keeper Andreas Rumpf war völlig machtlos. Die Eschhöfer hatten sich den zweiten Sieg im zweiten Spiel nach der langen Winterpause gesichert. Diese Zeitung titelte montags: "VfL Eschhofen feiert Niklas Becker". "Das hat mich sehr stolz gemacht", sagt der dreifache Torschütze. "Mein Opa Winfried hat das ausgeschnitten und daheim an die Wand gehängt. Jetzt denke ich immer, wenn ich daran vorbeigehe, an diesen tollen Tag zurück." Stolz waren natürlich auch seine Mama Anja, Papa Peter und sein jüngerer Bruder Luis.

Niklas Becker, der im Gespräch einen ungemein "aufgeräumten" Eindruck macht, kann sich an diesen besonderen Tag und die drei Tore noch ganz genau erinnern. Das 0:1: "Direkt nach Wiederanpfiff wurde mein Mitspieler Gregorio Krmek im 16er gefoult. Und weil ich beim VfL der Mann für die Standards bin, habe ich mir den Ball zurechtgelegt und ihn hart oben rechts eingeschossen. Der Torwart war zwar noch dran, aber er musste passieren lassen." Das 0:2: "Julian Röhrig hat den Angriff aufgebaut. Ich habe vorne in Höhe des linken Strafraum-Ecks gelauert, zog dann in die Mitte und traf ins lange Eck." Und schließlich das 2:3: "Das war der ,lucky punch'. Wir hatten gepresst und wirklich alles getan, um das Spiel noch zu gewinnen. Buchstäblich mit der letzten Aktion bekam ich rechts außen den Ball, wurde von zwei Gegenspielern bedrängt und hielt einfach mal drauf. Und tatsächlich landete der Ball oben links im Eck. Das waren gut und gerne 25, 30 Meter."

"Das gesamte Team hat den Sieg errungen"

Niklas Becker ist trotz allen Selbstbewusstseins bescheiden genug, um zu betonen, dass natürlich niemals nur ein einziger Spieler ein solches Match entscheidet, alle anderen hätten genauso zum Sieg beigetragen. Nicht zu vergessen - und das war dem waschechten Eschhöfer ganz besonders wichtig - die Trainer Adem Bülbül und Ralf Wagner.

Nach dem 3:1-Jahresauftaktsieg gegen die FSG Gräveneck/Seelbach war das 3:2 in Erbach schon der zweite Eschhöfer Sieg nach der Winterpause, und die Grün-Weißen hatten sich mit nunmehr 47 Punkten an die drittplatzierte SG Nord (50 Punkte) herangepirscht. Zur TSG Oberbrechen (Zweiter/55 Zähler) ist es freilich noch ein Stück. Der VfL war sozusagen im "flow" - und dann kam die Pandemie. Sollte die Saison tatsächlich zu Ende gebracht werden, dann ganz sicher ohne Relegations- und Aufstiegsspiele, das steht bereits fest. Schade für die Eschhöfer.

Niklas Becker hat sich auf Rang drei der A-Liga-Torjägerliste vorgeschoben. Hinter Marcel Jung (SG Taunus/25 Tore) und Andrei Aurelian Moise (SG Nord/22) liegt er gleichauf mit Milos Jonavoic, dem zweiten Nord-"Knipser", mit jeweils 20 Treffern. Das kann sich sehen lassen, wenn man bedenkt, das Niklas Becker erst seine zweite Saison im Eschhöfer Seniorenteam spielt. In der Jugend hat er in der JSG Brechen/Weyer mitgewirkt. Pünktlich zum 18. Geburtstag hatte er sich entschieden, für seinen Heimatverein aufzulaufen.

Die derzeitige Corona-Zwangspause sieht er zweigeteilt. "Zum einen ist es gut, bei der Familie zu sein. Das stärkt den Zusammenhalt. Positiv ist auch, dass man seine Zeit gut investieren und sich aktiv an der frischen Luft bewegen kann. Seit drei Wochen fahre ich konstant viel Rad und gehe joggen." Andererseits sei die Unterbrechung aber auch ein großer sportlicher Rückschlag und ein extrem bitteres Los für Tabellenführer SG Taunus und den derzeit Zweiten, die TSG Oberbrechen, sollte die Saison abgebrochen werden. "Wir müssen einfach abwarten, was auf uns zukommt."

Was eines Tages auf ihn persönlich zukommen wird, steht ziemlich sicher fest: Niklas Becker möchte Fremdsprachensekretär für Englisch und Spanisch werden. An der Peter-Paul-Cahensly-Schule in Limburg wird er im Sommer seine Prüfung ablegen. "Sprachen liegen mir", sagt er. Wenn er seinen beruflichen Weg ebenso zielstrebig verfolgt, wie er es in den Spielen für den VfL tut, muss ihm vor der Zukunft nicht bange sein. MARION MORELLO

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