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Mit der Bugspitze Richtung Limburger Dom: Trainieren auf der Lahn ist für Sophia Krause und ihre Ruderkollegen vom Limburger Club für Wassersport derzeit (noch) nicht möglich.

Rudern 

Sophia Krause zwischen Hoffen und Bangen

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Ein Monat ist es her, dass Sophia Krause, Spitzensportlerin im Limburger Club für Wassersport und Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, in dieser Zeitung über ihre Gedanken und Gefühle aufgrund des Shutdowns gesprochen hat. Inzwischen ist einiges passiert.

Die Olympischen Spiele in Tokio, für die sich die Top-Athletin bei den Weltmeisterschaften in Linz/Österreich noch nicht hatte qualifizieren können, wurden nach 2021 verschoben. Bei Sophia Krause vom Limburger Club für Wassersport keimt wieder Hoffnung auf.

Auch wenn die Olympischen Spiele erst im Sommer nächsten Jahres im "Land des Lächelns" über die Bühne gehen sollen, bleibt der Titel dennoch erhalten: "Tokio 2020". Als würde das Jahr der großen Pandemie einfach aus dem Kalender verschwinden, soll es fast genau auf den Tag ein Jahr später am 23. Juli 2021 soweit sein. 

"Die bereits qualifizierten Sportler bleiben auch für nächstes Jahr qualifiziert, doch viel mehr steht nicht fest", berichtet Sophia Krause, eines der sportlichen Aushängeschilder des überaus erfolgreichen Limburger Clubs für Wassersport. Zunächst müssen das Internationale Olympische Komitée (IOC) und die jeweiligen Sport-Weltverbände einen neuen Fahrplan erstellen, ehe die nationalen Verbände ihren Terminkalender anpassen können. "Das kann dauern, und ob es am Ende dann auch so stattfinden kann, weiß man nicht", gibt sich Sophia Krause zurückhaltend. 

Die Sportwelt steht, das haben wir in den letzten Wochen schmerzlich erfahren müssen, vor großen Fragezeichen und einer ungewissen Zukunft. Überall mutmaßt man, wann und wie es weitergeht, wie schwer die finanziellen Folgen sein werden. Für die Sportler gilt weiterhin: an das Positive denken, sich motivieren und weitertrainieren. "Wofür, das dürfen oder sollten wir uns gerade lieber nicht fragen. Denn das kann uns niemand wirklich beantworten", sagt die LCW-Ruderin. "Es wären zumindest hypothetische Antworten, wenn man uns sagte, vielleicht findet dieses Jahr noch ein Wettkampf statt. Aber vielleicht eben auch nicht." Für einige ist es ein Alptraum, denn jegliche Zukunftspläne werden zunächst einmal über Bord geworfen.

Zukunftspläne zum Teil zerstört

Ein paar Beispiele gefällig? Sportler, die bereits Familie haben und für die die Olympischen Spiele 2020 ganz klar die Endstation sein sollte. Sportler, die ein Jahr an der Universität ausgesetzt haben, um sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren zu können; und jetzt noch ein zweites Jahr dranhängen? Schwer vorstellbar. "Für andere wiederum ist es sogar eine Chance", erklärt Sophia Krause. "Junge Sportler, denen das eine Jahr mit zusätzlichem Training sehr viel bringt, oder verletzte Sportler, die so vielleicht doch noch einmal eine Chance erhalten." Es gibt wie immer Gewinner und Verlierer.

Eines ist für alle gleich: Es ist keine einfache Situation. Das weiß auch Sophia Krause. Sportler, für die der Verein wie ein zweites Zuhause sei und die dort tagtäglich zusammen mit den anderen Gruppenmitgliedern trainierten, seien plötzlich auf sich alleine gestellt. Die in der Psychologie so gepriesene Routine werde einfach durchbrochen, Mannschaften von einem Tag auf den anderen auseinandergerissen. Dabei ist das "Eingespieltsein" doch von so großer Bedeutung.

Jeder versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Die Seele leidet und wird auf eine harte Probe gestellt. So bieten Sportpsychologen inzwischen Online-Seminare an, bei denen sich die Betroffenen allein oder in Gruppen mit den Experten austauschen können über Ideen, Möglichkeiten und Probleme, mit denen gerade alle konfrontiert werden.

Viele Gedanken schwirren Sophia Krause durch den Kopf. Sie sieht dieser Tage viele Menschen, die auf den Fuß- und Fahrradwegen an der Lahn spazieren gehen, joggen, Fahrrad fahren. Die 22-Jährige, die bevorzugt im Doppel-Zweier rudert, bringt es auf den Punkt: "Sporttreiben wann, was und wie viel man möchte, ist das eine. 

Für einen Leistungsruderer zum Beispiel wäre in diesen Tagen die Saison richtig losgegangen. Er hätte nach dem obligatorischen Oster-Trainingslager jedes zweite Wochenende eine Regatta bestritten. Er trainiert normalerweise nach einem strikten Trainingsplan, der an den Regatta-Kalender und die Trainingsphase ganz genau angepasst wird. Jede Trainingseinheit mit Inhalt und Länge ist vorgegeben."

Klar, dass das eigentliche Rudern das Hauptelement, vor allem im Sommer, darstellt. Doch das ist eben gerade nicht möglich. Auch das LCW-Bootshaus ist geschlossen. Es ist ganz natürlich, dass da Gedanken in den Köpfen vieler Sportler kreisen wie etwa: "Wofür mache ich das gerade überhaupt? Das Leben und Trainieren im Ungewissen und das Planen von Woche zu Woche?" Ob eine Deutsche Jahrgangsmeisterschaft - normalerweise im Juni - auf den Herbst verschoben wird? "Der Herbst ist die Zeit, in der normalerweise jeder Sportler nach einer langen Saison und vor dem harten Wintertraining durchatmet", erzählt Sophia Krause. Für die Sportler, die Ambitionen auf die Nationalmannschaft hätten, sei unklar, ob und wenn ja, wann internationale Wettkämpfe wieder stattfänden. Zudem sei es fraglich, wie eine Nominierung ohne nationale Saison erfolgen solle. Für Sophia Krause bleibt es also vorerst dabei, beim Fahrrad fahren oder Laufen wehmütig auf die Lahn zu schauen und sich zu denken: "Was wäre es schön, jetzt rudern zu können..."

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