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Niklas Kraus (grünes Trikot) erzielt das Tor zum 1:0 für den FC Neu-Anspach.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Späte Entscheidung bei Neu-Anspachs Sieg gegen die SF Friedrichsdorf

Niklas Kraus und Najmaddin Abuhoureyah sorgen für das 2:0 des FC Neu-Anspach. Die späte Entscheidung im Taunusderby sorgt für Diskussionen. Abseits oder nicht Abseits? Schiedsrichter und Sportfreunde gehen nicht konform – einer muss daraufhin gehen.

Nein, ein fußballerischer Leckerbissen war die Partie zwischen dem FC Neu-Anspach und den Sportfreunden Friedrichsdorf am Samstagabend freilich nicht. Da bekam man als Zuschauer in der laufenden Gruppenliga-Saison schon Besseres geboten, auch von beiden beteiligten Teams. Doch gerade die Hausherren konnten einige positive Rückschlüsse aus dem „Spiel der Woche“ ziehen.

Speziell in der ersten Halbzeit überzeugte die junge Mannschaft abermals mit schnellem Kombinationsfußball, der zu einer Reihe guter Möglichkeiten führte. Bereits in der 7. Minute tauchte Niklas Kraus am gegnerischen Fünfmeterraum auf und legte uneigennützig auf den besser postierten Marvin Akkus Rodriguez ab. Friedrichsdorfs Keeper Enver Osmanovic war bereits geschlagen, doch im letzten Moment bekam einer seiner Vorderleute noch einen Fuß an den Ball und klärte auf der Torlinie.

Vier Minuten später kam Yassin Belfkih nach starker Kombination des FCNA zum Abschluss, jagte den Ball aber knapp vorbei. Nochmals fünf Minuten weiter war es Anspachs gut aufgelegter Rechtsverteidiger Henrik Nagel, der das Spielgerät aus guter Position haarscharf verzog. Und nach 22 Minuten konnte ein Friedrichsdorfer gerade noch einen Schuss aus dem Rückraum von Denis Fliess zur Ecke abwehren.

Der Eindruck trog nicht: In der ersten halben Stunde fand auf dem Kunstrasenplatz an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße tatsächlich Einbahnstraßen-Fußball statt. Während die Sportfreunde zu ungenau und behäbig nach vorne agierten, zeigte der FCNA Tempo und Präzision im Passspiel. Was ihm aber fehlte, war ein Vollstrecker. „Wir hätten in der ersten Halbzeit schon früher in Führung gehen können“, erklärte Trainer Jörg Loutchan, „das war dann etwas glücklich für Friedrichsdorf.“

Erst in der letzten Minute des ersten Durchgangs belohnte sich der FCNA mit einem Treffer. Eine Hereingabe erreichte Niklas Kraus, der den Ball in Ruhe annehmen, das lange Eck anvisieren und mittels Flachschuss einnetzen konnte (45.). Noch vor dem Gang in die Kabine kamen auch die Gäste zu einer Doppelchance. Quasi direkt nach dem Anstoß wurde Dino Cakovic im Strafraum in Szene gesetzt. Sein Schlenzer landete jedoch am Lattenkreuz. Der unmittelbare Rebound durch Fatih Alemdar brachte ebenfalls nicht das 1:1. Er schaltete schnell, köpfte den Ball allerdings genau in die Arme von Schlussmann Mario Schreiber.

„Wir sind zu unseren Chancen gekommen, haben sie aber nicht reingemacht“, ärgerte sich Alexandros Theodosiadis, künftiger Spielertrainer der Sportfreunde, der jedoch in Neu-Anspach aufgrund einer Sperre nicht coachen durfte (siehe Extra-Text).

In der zweiten Halbzeit wurde Friedrichsdorf aktiver und mutiger, was zunächst bei den Gastgebern Wirkung zeigte. Schwung und Präzision im Angriffsspiel aus der ersten Halbzeit war verschüttgegangen. Aus Sicht des FCNA verwunderlich, da Loutchan zur Pause offensiv gewechselt hatte. Mit Patrick Berschick war ein gelernter Stoßstürmer eingewechselt worden. In den wenigen Aktionen, die sich fortan ergaben, deutete der lange verletzte und nach wie vor angeschlagene Berschick an, wie wichtig er für das Anspacher Spiel sein kann. Seine beste Szene hatte er in der 75. Minute: Einen hohen Ball nahm er in Bedrängnis technisch herausragend an, spielte sofort auf den linken Flügel, von wo die Kugel zurück zu ihm gepasst wurde. Sein Schuss aus acht Metern konnte Osmanovic zur Ecke lenken.

Trotz der Impulse durch Berschick und einer Steigerung seitens der Sportfreunde passierte nicht mehr allzu viel im zweiten Durchgang. Erst kurz vor dem Abpfiff gab es nochmals Aufregung. Zunächst trafen Marvin Akkus Rodriguez und Vinzent Müller binnen fünf Sekunden (!) den Pfosten (90.+1), ehe „Joker“ Najmaddin Abuhoureyah den Abpraller zum 2:0 veredelte. Allerdings nahm der 18-Jährige den Ball zuvor Mitspieler Berschick vorm leeren Tor vom Fuß und befand sich so in einer Abseitsstellung. Diese erkannte das Schiedsrichtergespann nicht, worüber sich die Gäste echauffierten – allen voran der bereits mit Gelb verwarnte Deniz Pekgüzelyigit. Er beschwerte sich vehement und sah Gelb-Rot (90. + 2). Ein überflüssiger Platzverweis, da das zweite Tor zwar irregulär entstand, der Anspacher Sieg aber sowieso nicht mehr wirklich zu verhindern war.

FC Neu-Anspach: Schreiber – Nagel, Schliesche, Moebius, Coleman – P. Kraus, Fliess – Akil, N. Kraus, Belfkih – Rodriguez. Sportfreunde Friedrichsdorf: Osmanovic – Wenk, Paci, Strenkert, A. Razai – Basdar, Alemdar, Füssel – Pekgüzelyigit, Kister, Cakovic. Tore: 1:0 N. Kraus (45.), 2:0 Abuhoureyah (90. + 1). – Torchancen: 11:5. – Eckbälle: 6:3. – Zuschauer: 60. Gelb-Rote Karte: Pekgüzelyigit (90. + 2, wegen Reklamierens). – Gelbe Karten: Belfkih/Pekgüzelyigit, Füssel, A. Razai, F. Razai. Beste Spieler: Nagel, N. Kraus, Berschick/Strenkert, Basdar. Schiedsrichter: Lars Flauaus (Frankfurt). Note: 3+. Machte seine Sache gut und unaufgeregt, übersah aber wie auch sein Assistent die Abseitsstellung vor dem 2:0. Spielnote: 3-. Neu-Anspachs Überlegenheit sorgte in der ersten Halbzeit für Unterhaltung, in der zweiten Halbzeit neutralisierten sich beide Teams weitestgehend.

Alexandros Theodosiadis, Spielertrainer der SF Friedrichsdorf, und sein Vor-Vorgänger Bodo Dick im Gespräch während der Partie in Neu-Anspach.

Die Sportfreunde haben gleich mehrere Trainer am Start

Offiziell traten die Sportfreunde Friedrichsdorf nach der Trennung von Josip Coric ohne nominellen Trainer beim FC Neu-Anspach an. In Wahrheit wurde das ersatzgeschwächte Team aber quasi von allen Seiten gecoacht. Von der Bank aus gaben die beiden Routiniers verletzten Stefan Hickl und René Krieg Anweisungen, auf den Rängen beobachteten Sportchef Martin Schmidt (einst selbst Trainer der Sportfreunde) sowie Alexandros Theodosiadis das Geschehen. Theodosiadis soll als spielender Trainer Coric beerben, sitzt aktuell aber noch eine Sperre ab.

„Bei uns haben sechs oder sieben Spieler der 1. Mannschaft gefehlt, einige aus der ,Zweiten‘ mussten aushelfen“, erklärte er nach dem Spiel, „was aber nicht als Ausrede herhalten darf.“ Sein Team habe die Möglichkeiten nicht genutzt und daher nicht unverdient verloren, so seine einfache wie ehrliche Analyse. Die ließ er sich von einem weiteren ehemaligen SF-Trainer bestätigen: Bodo Dick. Dieser führte die Mannschaft in der vergangenen Runde zum Titel in der KOL und tauschte sich in Neu-Anspach als Zuschauer immer wieder mit seinem ehemaligen Spieler und indirekten Nachfolger Theodosiadis aus.

Aushilfstrainer René Krieg fasste zusammen, was wohl allen Beteiligten aufgefallen war: „Wir waren zu passiv.“ Es bleibt aus Sicht der Sportfreunde zu hoffen, dass parallel zur geballten Kompetenz abseits des Platzes auch bald wieder auf dem Feld genügend Qualität verfügbar ist.

ROBIN KUNZE

Die Aushilfstrainer der Sportfreunde: Stefan Hickl (links) und René Krieg spielen sonst mit, sind aber derzeit verletzt.

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