Dieses Bild gehört der Vergangenheit ein: Necip Incesu ist nicht mehr Trainer der Sportfreunde Friedrichsdorf.
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Dieses Bild gehört der Vergangenheit ein: Necip Incesu ist nicht mehr Trainer der Sportfreunde Friedrichsdorf.

Fußball, Hochtaunus

Spitzenreiter Sportfreunde Friedrichsdorf trennt sich von Trainer Necip Incesu

  • VonRobin Kunze
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Gut ist nicht gut genug: Warum ein Tabellenführer seinen Übungsleiter rauswirft und was dieser dazu sagt.

Friedrichsdorf -Die Sportfreunde Friedrichsdorf und Necip Incesu gehen fortan getrennte Wege. Der Spitzenreiter der Fußball-Gruppenliga Frankfurt West trennte sich bereits am Montag von seinem Trainer. Per WhatsApp-Nachricht habe Incesu von seiner Entlassung erfahren. "Kurz danach ist das WhatsApp-Netz zusammengebrochen. Die Nachricht ist also eingeschlagen wie eine Bombe", kommentiert der 43-jährige Coach schmunzelnd. Wirklich zum Lachen sei ihm allerdings nicht zumute gewesen. "Man denkt, dass man alles erlebt hat und dann tut sich immer wieder ein neues Kapitel auf", sagt Incesu, der auf die besonderen Umstände der Trennung hinweist.

Unter seiner Führung holten die Sportfreunde 27 Punkte aus 11 Spielen, führen seit Wochen die siebthöchste Spielklasse an und sind wie der FC Neu-Anspach und der SC Dortelweil noch ungeschlagen. Letzteres spielte auf Vereinsseite eine Rolle bei der Entscheidung.

"Wir sind zwar Tabellenführer, aber Anspach und Dortelweil können uns mit ihren Nachholspielen beide noch überholen", erklärt Holger Krieg. Der Sportliche Leiter und Mäzen der Sportfreunde sah angesichts nur eines Aufstiegsplatzes und dem erklärten Saisonziel "Aufstieg in die Verbandsliga" die sportlichen Pläne in Gefahr. Er habe schon länger Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Mannschaft vernommen. "Zuletzt waren 80 Prozent des Kaders nicht mehr zufrieden. Unser Trainer hat die Kabine verloren", betont Krieg.

Er widerspricht allerdings vehement, dass die Spieler die Entlassung ihres Trainers eingefordert hätten. "Das geht nicht, so etwas haben die Spieler auch nicht zu fordern", so Krieg. Die Trennung vom Trainer sei letztlich auf seine eigene Überzeugung zurückzuführen, dass es nicht mehr gepasst habe. Trotz der Ergebnisse, so Krieg, sei er vom unter Incesu dargebotenen Fußball der hochkarätig besetzten Mannschaft nicht überzeugt gewesen.

Die Entscheidung des Sportlichen Leiters

"Als Sportlicher Leiter war es meine Entscheidung, die mir nicht leichtgefallen ist. Necip ist ein lieber und ehrlicher Mensch, der immer den Dialog gesucht hat. Als Trainer war er aber für die Sportfreunde und unsere Ambitionen noch nicht reif genug", sagt Krieg.

Der Vorstand sei nicht informiert und dementsprechend genauso überrascht gewesen wie er selbst, verrät Incesu. Nachdem der WhatsApp-Blackout behoben war, schrieb der Übungsleiter die Mannschaft an. Einige Spieler haben sich zurückgemeldet, so Incesu, der sagt: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen." In der Tat ist seine Bilanz fast makellos. 32 geschossene Tore stellen den Bestwert in der Liga dar, die neun kassierten Gegentreffer reichen in dieser Kategorie für Platz zwei.

Kehrt Theodosiadis als Trainer zurück?

"Ich werde mir jetzt erstmal eine Auszeit vom Fußball nehmen", sagt ein enttäuschter Incesu. Zuvor hatte der frühere Profi in der Abbruchsaison bei Vatanspor Bad Homburg gute Arbeit geleistet.

Für die Sportfreunde geht es derweil im Ligabetrieb am Sonntag weiter. Wenn der Anpfiff um 15.30 Uhr beim SV Steinfurth ertönt, dann soll der bisherige Co-Trainer Nino Berndroth in der Verantwortung stehen.

Wer Incesus Nachfolge antreten soll, ist kein Geheimnis. Sein Vorgänger Alexandros Theodosiadis wurde beim FSV Frankfurt vor zwei Wochen als Teil des Trainerstabs von Chefcoach Angelo Barletta entlassen und ist somit verfügbar.

"Er kennt die Spieler sowie den Verein und wäre natürlich die beste Lösung", sagt Krieg. Der starke Mann der Sportfreunde wünscht sich allerdings diesmal ein klares Bekenntnis zum Club und dessen langfristigen Zielen.

Übrigens schassten die Sportfreunde Friedrichsdorf bereits in der Spielzeit 2018/19 ihren Trainer trotz des ersten Tabellenplatzes. Damals trennte man sich von Enis Dzihic und stieg mit Trainer-Routinier Bodo Dick schlussendlich als souveräner Meister in die Gruppenliga auf. Ob sich die Geschichte wiederholt?

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