Der erste von sechs Platzverweisen: Schiedsrichter Dominik Magel bestraft die Tätlichkeit des Stierstädters Marvin Diehl (links). Fotos: Heiko Rhode

Fußball, Hochtaunus

Spitzenspiel mit vielen Farbtupfern: FV Stierstadt schlägt FC Oberstedten mit 4:3

Ein Fünf-Minuten-Tiefschlaf, sechs Platzverweise - darunter zwei "gegen die Stedter Bank" - und sieben Tore: Im Spiel der Woche zwischen dem FV Stierstadt und dem FC Oberstedten (4:3) geht's rund.

Es gibt aktuell einen Spieler in der Kreisoberliga, den man als Verteidiger auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren darf: Tim Pelka. "Vielleicht hätte ich ein Bild von ihm in die Kabine hängen sollen", ärgerte sich Rüdiger Rau am Sonntag während der Pause.

Der Manager des FC Oberstedten hatte zuvor mit ansehen müssen, wie seine Mannschaft zwischen der 17. und 22. Minute in einen unerklärlichen "Tiefschlaf" fiel, den der FV Stierstadt mit drei Toren bestrafte. Zweimal lautete der Torschütze Tim Pelka. Vor dem 1:0 (17.) ließ man ihn bei einer Freistoßflanke tief aus dem Feld alleine am langen Pfosten stehen, beim 2:0 (20.) war er den Verteidigern im Rücken enteilt und traf mit Hilfe des Innenpfostens. Kurz darauf durfte sich auch Marvin Diehl im Strafraum unbedrängt dem Ball widmen, was der Flügelstürmer mit einem präzisen Kopfball ausnutzte (3:0, 22.). Damit schien das Topspiel und Derby vorzeitig entschieden.

Dabei war Oberstedten nicht schlecht in die Partie gekommen. Mutig und früh wurde gepresst, schnell und zielstrebig in die Spitze gespielt. Die schnellen Gegentreffer zeigten dann Wirkung. Jedoch schüttelten sich die Gäste noch vor der Pause und bestraften den FV, der zu früh den Motor drosselte. "Plötzlich lassen wir ihnen viel zu viel Platz, gehen nicht mehr vernünftig in die Zweikämpfe", sagte Kapitän André Becher.

In der 26. Minute hatten die Gäste genügend Zeit und Raum, um den Ball vom rechten auf den linken Flügel zu verlagern. Dort versuchte Mohammed Faquir eine Direktabnahme, traf die Kugel allerdings nicht richtig. Sein Querschläger wurde zur Vorlage für Nouri Jegham, der mit einem satten Flachschuss auf 1:3 verkürzte. Masiullah Mahbubi durfte dann in der 36. Minute ähnlich frei wie zuvor Diehl zum Kopfball kommen und wuchtete das Spielgerät zum 2:3 in die Maschen.

Oberstedtens Matteo Klier (links) erzielt das Anschlusstor zum 3:4, Stierstadts Torwart Marcel Dumann streckt sich vergeblich.

Apropos Diehl: Der feine Techniker mit der kurzen Zündschnur flog abermals vom Platz. Vor einem Freistoß hatte Diehl abseits des Balles nach hinten ausgetreten. Schiedsrichter Dominik Magel (Offenbach) schaute just in diesem Moment rüber und zückte sofort Rot (45. + 2.).

Nicht nur wegen des Platzverweises hatte Rüdiger Rau dem Referee zur Pause noch ein gutes Zeugnis ausgestellt. "Dazu stehe ich nach wie vor, doch ab der 60. Minute hat er den Faden verloren", sagte Rau, der in der 82. Minute selbst mit zwei schnellen Gelben Karten des Innenraums verwiesen wurde. Er hatte sich lautstark beschwert, als Marvin Klempin Gelb-Rot wegen Trikotziehens gesehen hatte.

Leo Caic war es ähnlich ergangen. Der FC-Trainer forderte in der 73. Minute Gelb für den bereits verwarnten Becher und sah dafür selbst die Karte. Doch damit war noch nicht Schluss: Caic reklamierte weiter und bekam eine halbe Minute später Gelb-Rot. "Ich bin immer sehr emotional, aber nach der ersten Gelben hätte ich die Klappe halten müssen", zeigte sich der Coach einsichtig.

Furiose Schlussminuten

Das muntere Farbenspiel ging weiter: In der 88. Minute sah Stedtens Faquir wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte, Stierstadts Cody Warner holte sich diese in der sechsten Minute der Nachspielzeit ebenfalls noch ab. Es gab aber auch noch Schönes zu berichten. Beispielsweise Pelkas dritter Treffer: In der 53. Minute war er Bewacher Tobias Eichsteller entwischt und traf mit einem technisch einwandfreien Heber aus vollem Lauf zum 4:2. Oder aber Jeghams Schuss von knapp hinter der Mittellinie (57.), der an den Pfosten knallte. Es wäre ein sehenswertes 4:3 gewesen. Dieses fiel erst drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit. Jegham scheiterte mit einem direkten Freistoß an der Mauer, doch mit seinem zweiten Ball bediente er den freistehenden Matteo Klier, der einnetzte. In der Nachspielzeit vergaben Altan Sak und Warner das 5:3 und Andre Masarski, der mit einem tollen Schlenzer am stark reagierenden Marcel Dumann scheiterte, das 4:4 (90. + 7).

Stierstadt: Dumann - Maric, Flohr, Becher, Kress - Matticoli, Warner - Diehl, Sak, Zharkov - Pelka. Eingewechselt: Kowalski, La Medica, El Aabbadi.

Oberstedten: Becker - Pijanovic, Eichsteller, Grill, Rollow - Rünzi, Warnecke, Klempin - Jegham, Faquir - Mahbubi. Eingewechselt: Werner, Klier, Masarski.

Tore: 1:0/2:0/4:2 Pelka (17., 20., 53.), 3:0 Diehl (22.), 3:1 Jegham (26.), 3:2 Mahbubi (36.), 4:3 Klier (87.). - Torchancen: 7:7. - Eckbälle: 4:2. - Zuschauer: 100. - Rote Karte: Diehl (45. + 2, Tätlichkeit). - Gelb-Rot: Klempin (82., Trikotziehen), Faquir (88., wiederholtes Foulspiel), Caic (73., Reklamieren), Rau (82., Reklamieren), Warner (90. + 6, wiederholtes Foulspiel). - Gelb: Flohr, Kress, Becher, Warner/Mahbubi, Klempin, Faquir, Caic.

Beste Spieler: Pelka, Becher, Matticoli/Jegham, Klier.

Spielnote: 3+. Hohes Tempo, viele Tore, aber auch zu viele Unterbrechungen aufgrund von Fouls und Platzverweisen.

Schiedsrichter: Dominik Magel (Offenbach). Note: 3-. Versuchte lange im Gespräch mit den Spielern die Schärfe aus dem Derby zu nehmen, was erst gelang, ihm später aber auf die Füße fiel. Dann hagelte es in kürzester Zeit Karten.

Tim Pelka (FV Stierstadt) hat gerade das 4:2 erzielt.

Pelka trifft und trifft und trifft: "Die 60 Tore kann er knacken"

Dass sich Tim Pelka in diesem Jahr für ein Wirtschaftsinformatik-Studium in Frankfurt entschied, ist ein echter Glücksfall für den FV Stierstadt. Aufgrund des umfangreichen Vorlesungsplans kann der 26-Jährige nämlich nur noch einmal in der Woche trainieren, was man ihm beim aktuellen Tabellenführer der KOL gerne nachsieht. Schließlich bringt der verbandsligaerprobte Stürmer (vorher Usinger TSG) auch bei reduziertem Trainingsaufwand eine eingebaute Torgarantie mit. "Eigentlich hatte ich mir die Marke von 30 Toren zum Ziel gesetzt", verrät Pelka. Dieses Ziel ist bereits erreicht, im 13. Einsatz markierte er am Sonntag die Treffer Nummer 31, 32 und 33. Damit hat er seinen persönlichen Rekord von 25 Toren (in der Gruppenliga) schon frühzeitig übertroffen. FV Stierstadts Sportchef Marco Hentsch hatte ihm vor dem Rundenstart ein kleines Präsent bei 40 Saisontreffern in Aussicht gestellt und würde nun am liebsten noch mal nach oben korrigieren. "Ich glaube, dass er die 60 knacken kann", meint Hentsch. Die ursprüngliche Marke gilt weiter. Doch möglicherweise ist Hentsch im nächsten Jahr etwas defensiver bei der Torwette. Mindestens anderthalb Jahre dauert sein Studium noch, erklärt Pelka, und in der Zeit möchte er auch weiterhin für Stierstadt auf Tor- und Rekordjagd gehen.

ROBIN KUNZE

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare