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Die Blumen blühen sinnbildlich auf der herausgeputzten Tennisanlage des Usinger THC. 

Corona-Krise, Tennis

Der Sport blüht im Hochtaunus wieder auf

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Seit Samstag dürfen die hessischen Sportanlagen und Sporthallen wieder genutzt werden. Wir erklären am Beispiel Tennis, was die Vereine in Corona-Zeiten nun alles beachten müssen.

Es ist schon ein paar Tage her, dass Ralph Weißenberger aus dem Stand-by-Modus wieder hochgeschaltet hat. Der Mann ist Diplom-Tennistrainer und als Sportdirektor des TC Bad Homburg dafür zuständig, den Trainings- und Spielbetrieb des rund 800 Mitglieder großen Vereins zu regeln. Viel zu regeln gab es in der Corona-Krise über Wochen für ihn aber nicht. Doch seitdem sich abzeichnet, dass Tennis zu den ersten Sportarten gehört, die während der Pandemie recht umfangreich wieder ausgeübt werden können, hat sich der Club aus der Kurpark auf den Tag X vorbereitet, der am heutigen Samstag nun eintritt.

An Weißenbergers E-Mail-Account war abzulesen, wie sehr sich die Tennisspieler darauf freuen, wieder aufschlagen zu dürfen. Und wie groß vor allem der Drang ist, es baldmöglichst auch wieder zu tun. Um schon einmal einen Notplan für den Trainingsbetrieb erstellen zu können, hatte Weißenberger die aktiven Mitglieder angeschrieben. Innerhalb eines Tages meldeten sich bei ihm bereits 250 Interessenten. Über ein Online-Buchungssystem wird die Belegung der zehn Tennisplätze (inklusive zwei HTG-Spielfelder) jetzt verifiziert.

Wie der TC Bad Homburg ist auch der Usinger THC für seine knapp 400 Mitglieder digitaler denn je unterwegs. Nach der Registrierung im Buchungssystem können jetzt, da die Politik grünes Licht gegeben hat, Platzreservierungen für maximal zwei Spieler vorgenommen werden. Doppel sind aufgrund der Abstandsregeln nicht möglich.

Die Spieler wählen den passende Termin auf einem der acht Sandplätze aus. Allerdings nur bis zu sieben Tage im Voraus, "damit langfristige Vorbelegungen zur Lasten anderer Mitglieder vermieden werden", erläutert Vereinschef Dirk Rabis. Damit jeder zum Zug kommt, ist die Spielzeit pro Woche für jeden Tennis-Crack auf zwei Stunden beschränkt. Die Ausnahme bildet Nationalspielerin Mara Guth (16), die per Sondergenehmigung mit ihrem Coach Carlos Tarantino bereits wieder trainiert.

Rabis ist fester Überzeugung, dass die neuen Regeln auf breites Verständnis stoßen, sei doch auch die Bereitschaft der Mitglieder, sich im Club am Hattsteinweiher einzubringen, "exorbitant hoch". In den vergangenen Wochen haben sich - natürlich stets vereinzelt - Mitglieder eingefunden, um die gesamte Außen- und Grünanlage aufzupeppen. "Beete, Bäume und Sträucher wurden liebevoll erneuert, gepflegt und angelegt", lobt Rabis. Jeder freiwillige Helfer des UTHC wird dafür auf der Homepage gewürdigt.

Clubhaus bleiben zu

Auch der TEVC Kronberg achtet wie die anderen "großen Player" im Hochtaunus penibel auf die Corona-Vorschriften: Für die Einhaltung der Abstandsregeln wurden die Spielerbänke auf den neun Plätzen neu positioniert. Desinfektionsmittel stehen bereit, Umkleiden bleiben geschlossen, genauso wie die Gastronomie im nagelneuen Clubhaus. Toiletten sind zugänglich. Ein Coronabeauftragter wacht über der Einhaltung der Regeln. Endlich könnten der neue Trainer Sascha Lehmann loslegen, sagt Carina Sommer aus dem TEVC-Vorstand. Nachdem seine Vorstellung im April wegen der Pandemie abgesagt worden war, stellte er sich per Video auf der Homepage selbst vor.

Wie beim TEVC baut auch der TC Bad Homburg auf die Flexibilität seiner Mitglieder. Dass sich viele im Homeoffice befänden, spiele dem Verein in die Karten, glaubt Weißenberger. Schon von 7 Uhr an kann täglich mit einem der zehn Coaches trainiert werden. Bis 20 Uhr sind die Plätze bespielbar - wöchentlich ist die Trainingszeit jedoch pro Mitglied auf nur eine Stunde beschränkt.

Deutlich mehr Zeit mit Tennis könnten die Spieler in der Medenrunde verbringen. Im Juni soll sie starten. Weißenberger ist skeptisch. Zu einem Auswärtsspiel fahre dann jeder alleine im Auto und dürfe nach einem einzigen Spiel - die Doppel sind ja gestrichen - nicht mal duschen.

"Die Medenrunde lebt von der Geselligkeit. So macht das keinen Spaß", sagt er - und dürfte mit dieser Meinung nicht alleine sein. Die Frage wird hier sein: Sind Wettkämpfe schon wieder sinnvoll? In anderen Sportarten werden die Aktiven noch viel Geduld benötigen.

THORSTEN REMSPERGER

Verbandsumfrage: Mehrheit der Vereine möchte Medenrunde spielen

Nachdem sich laut einer Umfrage des Hessischen Tennis-Verbandes (HTV) 63 Prozent der beteiligten 2770 Mannschaftsführerinnen und -führer der hessischen Vereine für die Durchführung einer Medenrunde ausgesprochen haben und nachdem der HTV die Mannschaftsmeldegelder bereits eingezogen hat, scheint es nur eine Frage der Zeit, wann die Punktspielsaison startet.

"Sollte keine Medenrunde stattfinden, gibt es ein Risiko, dass die Nachfrage nach Trainingsstunden zurückgeht. Dies könnte Trainer-Existenzen zerstören. Außerdem könnten Menschen, die im Sommer anstatt Tennis zu spielen etwas anderes machen, dauerhaft unserem Sport verloren gehen. Dies könnte vor allem für kleine Vereine kritisch werden. Eine Absage der Medenrunde würde auch die Strukturen des HTV schwächen. Unser Wunsch ist ein Start am 15. Juni", sagt HTV-Vizepräsident Michael Otto.

Dem Verband würden ohne den hohen sechsstelligen Betrag, den er aus der Medenrunde einnimmt, große finanzielle Probleme entstehen, was - neben dem Interesse am Wettkampfsport - wohl den Ausschlag für die Austragung geben sollte. Dass dies aber keine normale Punktspielrunde sein kann, ist klar. Noch sind die endgültigen Regularien nicht beschlossen, doch die Pläne des HTV-Spielausschusses gehen von folgenden Überlegungen aus:

1. Alle zum Zeitpunkt der Austragung geltenden Sicherheits-Vorschriften und -Maßnahmen auf den Anlagen müssen eingehalten werden.

2. Die Teilnahme ist freiwillig, Abmeldungen haben keine Konsequenzen, die nicht gemeldeten Mannschaften behalten ihre Klasse für das Jahr 2021. Es wird keine Absteiger geben, was den Aufstieg anlangt, wird noch überlegt. Sollte es Aufsteiger geben, würde 2021 aus den vergrößerten Ligen je ein Team mehr absteigen.

3. Es werden nur Einzel ausgetragen, so dass es auch ein Unentschieden geben kann.

4. Da davon auszugehen ist, dass einige Spieler aus Sicherheitsgründen grundsätzlich oder an einigen Begegnungen nicht teilnehmen werden, wird es bei Nichtantreten keine Sanktionen geben. "Wenn eine Mannschaft einzelne Spiele absagen muss oder nur mit weniger Spielern antreten kann, muss sie sich mit dem Gegner vorab in Verbindung setzen und ihn informieren, dass sie nicht antritt oder dass weniger Einzel zur Austragung kommen", sagt Otto. (löf)

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