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Sportgericht fällt historisches Urteil gegen Zaza Weilburg

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Von: Marion Morello

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Justizia - Symbolbild.
Justizia - Symbolbild. © red

Das Sportgericht unter Vorsitz von Heinz Schneider und den Beisitzern Gerhard Hugo Weil und Harald Mersdorf hat ein Urteil gefällt, wie es in dieser Härte und Größenordnung im Fußballkreis Limburg-Weilburg einzigartig und historisch ist.

Der Rechtsausschuss hat dem FC Zaza Weilburg ein Spielverbot für insgesamt vier Monate (Beginn: 16. Mai, Ende: 15. September) sowie eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro auferlegt. Der Tatvorwurf lautete: Spielabbruch, Bestechung und Manipulation. Das am 15. Mai abgebrochene Punktspiel der Fußball-Kreisliga B1 zwischen Zaza und WGB Weilburg wird mit drei Punkten und 3:0 Toren für WGB gewertet. Auch einem der beiden damals eingesetzten Schiedsrichterassistenten wurde eine harte Strafe auferlegt: ein Platzverbot von drei Monaten sowie eine 200-Euro-Geldstrafe.

Was war am 15. Mai passiert? Es begann bereits vor dem Anpfiff in der Schiedsrichterkabine. Der Wiesbadener Referee beschreibt ausführlich in seinem Sonderbericht, dass er erst in der Kabine von seinem Kollegen, der das Vorspiel geleitet hatte, erfuhr, dass es sich bei der bevorstehenden Partie um eine brisante Begegnung mit Vorgeschichte handele; ein Verein mit türkischen Spielern gegen einen kurdischen Club. Das Hinspiel war ebenfalls abgebrochen worden und hatte ein sportjuristisches Nachspiel gehabt. Dann hätten vier Personen die Kabine betreten, um ihn, den Schiedsrichter, zu fragen, wo er denn ursprünglich herkomme. Er habe geantwortet, dass er einen türkischen Migrationshintergrund habe.

Nach einem Foulspiel eines Spielers der Gastmannschaft, so schildert der Unparteiische schriftlich, „schrie der parteiische Schiedsrichterassistent der Heimmannschaft auf Türkisch in Richtung Spielfeld: ,Brecht auch deren Beine’.“ Der Referee ließ daraufhin den Assistenten austauschen. Damit sei der nicht einverstanden gewesen und hätte von der Außenlinie geschrien: „Blinder Hurensohn. Du ehrenloser Bastard. Ich f... deine Mutter.“

Eskalation in der 66. Minute

Dann die 66. Spielminute: Bei einem Luftduell hatte sich offensichtlich ein Zaza-Spieler verletzt, während WGB ein Tor erzielte. Der Versuch des Schiedsrichters, zu dem verletzt auf dem Boden liegenden Akteur zu gelangen, sei daran gescheitert, dass der Unparteiische „von mehreren Spielern der Heimmannschaft umzingelt“ worden sei. Immer mehr Zuschauer seien daraufhin aufs Spielfeld gelaufen. Einer davon, offenkundig ein Zaza-Sympathisant, flippte dem Vernehmen nach komplett aus. Im Sonderbericht heißt es wörtlich: „Er ballte seine Hände zu einer Faust, schrie mich an und sagte, dass ich schuld sei, dass es eskaliert. Während dieser Äußerungen sabberte der erwähnte Zuschauer vor Wut und Aggressionen und war kurz davor, sein T-Shirt zu zerreißen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich große Angst um meine Gesundheit.“ Die Situation eskalierte weiter, immer mehr Zuschauer seien auf den Platz gelaufen. Nur ein einziger Platzordner habe sich schützend an seine Seite gestellt und geholfen, in die Kabine zu gelangen. Dort habe er, der Schiedsrichter, die Tür abgeschlossen und unverzüglich den Notruf der Polizei gewählt.

Die spätere Bitte beider Vereinsvorstände, das Spiel doch wieder anzupfeifen, lehnte der Unparteiische ab. Auch der Zaza-Trainer habe die Kabine betreten und gesagt: „O.k.! Dann pfeif’ halt das Spiel nicht wieder an. Trag’ es aber nicht als Spielabbruch ein. Lass die anderen einfach 2:0 gewinnen.“

Aufgrund der Geschehnisse von vor zwei Wochen hatte das Sportgericht auf Antrag von Kreisfußballwart Jörn Metzler bereits ein vorläufiges Spielverbot gegen Zaza Weilburg für einen Monat ausgesprochen. Während der Verhandlung hielt der Schiedsrichter an seiner Darstellung fest, während sich die weiteren Geladenen von Zaza Weilburg allem Anschein nach versuchten, die Situation zu beschwichtigen und anders darzustellen. Geladene Zeugen hatten das Geschehen „nicht richtig mitbekommen“. Der Rechtsanwalt des FC Zaza forderte schließlich Freispruch.

Das Sportgericht aber schenkte den Aussagen des Schiedsrichters Glauben und berief sich in seinem Urteil auf die Paragrafen 2.1 der HFV-Strafordnung (Herbeiführung des Spielabbruchs) sowie 37 (Spielabbruch), in dem es heißt: „Ein Verein, dessen Spieler, Mitglieder oder Anhänger einen Spielabbruch auf eigenem oder fremdem Platz verursachen, wird mit Spielverbot von einem halben Monat bis zu 6 Monaten oder Punktabzug (3 bis 24 Punkte) und mit Geldstrafe von 50 bis zu 1500 Euro belegt.“

Manipulation und Bestechung

Was den Vorwurf der Manipulation angeht, bezog sich das Sportgericht auf Paragraf 34 der Strafordnung (Bestechung und Manipulation), der unter Punkt 2 besagt: „Ein Verein, der es unternimmt, auf den Verlauf und/oder das Ergebnis eines Fußballspiels und/oder den sportlichen Wettbewerb Einfluss zu nehmen, in der Absicht, sich oder einem anderen einen Vorteil zu verschaffen, wird nach Ziffer 1 bestraft.“

Aufgrund der in der laufenden Saison bereits mehrfach ausgesprochenen Strafen gegen den FC Zaza Weilburg empfiehlt das Kreissportgericht dem FC Zaza Weilburg darüber hinaus dringend die Teilnahme an Maßnahmen zur Konfliktbewältigung. Das Kreissportgericht stellt dann eine Milderung der Strafe entsprechend der Vorschriften in Aussicht.

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