Stiller Beobachter: Thomas Rösgen (links), Sportlicher Leiter der TSG Ober-Eschbach, hat auf der Bank Platz genommen, während Interimstrainer Hakim Mirkamali sein Unverständnis über die Schiedsrichterentscheidung zum Ausdruck bringt.
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Stiller Beobachter: Thomas Rösgen (links), Sportlicher Leiter der TSG Ober-Eschbach, hat auf der Bank Platz genommen, während Interimstrainer Hakim Mirkamali sein Unverständnis über die Schiedsrichterentscheidung zum Ausdruck bringt.

Handball, TSG Ober-Eschbach

Wie der Sportliche Leiter die angespannte Lage bei den "Pirates" erklärt

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Die "Pirates" gehen in der 3. Liga Ost am Samstagabend mit einer Rumpftruppe ins letzte Spiel des Jahres. Der Sportlicher Leiter Thomas Rösgen erläutert gegenüber der Taunus Zeitung die personelle Situation.

Thomas Rösgen ist der Sportliche Leiter von TSG Ober-Eschbachs Drittliga-Handballerinnen in der 3. Liga Ost. Er ist auch Vater einer 14-jährigen Tochter und Lieferservice-Manager in der Telekommunikationsbranche. Rösgen ist aber vor allem Rheinländer. Und Rheinländer haben oft eine angenehm unbekümmerte Art, wenn sie an Aufgaben herangehen, die vermeintlich nicht einfach zu lösen sind.

Rösgen wird am Samstag um 19.30 Uhr das letzten Spiel des Jahres seiner Mannschaft gegen den SC Markranstädt erleben. Vor diesem wird eigentlich nur über die Höhe der nächsten Niederlage der "Pirates" diskutiert. Das weiß auch der 52-Jährige. Er sagt deshalb, ganz der Rheinländer: "Wir waren uns über die schwierige Saison im Klaren. Und die Situation ist für uns nicht leichter geworden. Aber", so Rösgen, "leicht kann ja auch jeder."

Nach sechs Spielen ohne Sieg, mit teilweise vernichtenden Niederlagen, ist die Pirates nicht nur auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht, der nach der Saison den Abstieg bedeuten würde, dem man im Mai gerade so entkommen war. Sie haben nach dem Rücktritt von Christian Grzelachowski auch keinen Trainer mehr, der über die erforderliche Lizenz für diese Spielklasse verfügt. Sie haben kaum noch wettbewerbsfähige Spielerinnen. Und sie haben zu diesem noch frühen Zeitpunkt der Saison, wie Rösgen unumwunden einräumt, auch keine Überschüsse mehr im Budget. Also kein Geld, um mal eben erfahrene Profispielerinnen nachzuverpflichten, die in der jetzigen Situation direkt weiterhelfen könnten.

Dafür sei er den Job im April auch nicht angetreten, schiebt Rösgen sogleich hinterher. Ein solches Konzept, eine Mindestzahl an fertigen Spielerinnen einzukaufen, mit denen auf jeden Fall die Klasse gehalten werden kann, aber mittelfristig die Mannschaft keine Perspektive hat? Nein, nein und nochmals nein. "Nicht mit mir." Er sei eingestiegen unter der Voraussetzung, auf junge Spielerinnen zu setzen und kurz- oder mittelfristig eine Spielgemeinschaft zu bilden. Ersteres gelang, Letzteres ist mit der TG Bad Soden in Planung.

Jetzt, das gibt Rösgen offen zu, sei es aber kaum mehr möglich, an junge Spielerinnen mit Perspektive heranzukommen. "Höchstens an Ergänzungsspielerinnen." Auf Zweitspielrechte für Talente hofft er noch, die bei deutschen Erstligisten unter Vertrag stehen. Diese Hoffnungen sind ebenfalls vage. Die TSG benötigt nach mehreren Abgängen aber neue Spielerinnen, um auf Dauer konkurrenzfähig zu sein.

"Wir haben einen verdammt dünnen Kader. Alle, die da sind, müssen jedes Mal stechen. So wie gegen Gedern, das wir nach einem sehr guten Spiel schlagen konnten." Wenn dann aber Stammspielerinnen wie Lisa Lichtlein (Knöchelverletzung), Celine Gehrke (auch am Samstag noch im Urlaub) und Franziska Chmurski (beim 15:34 gegen Herzogenaurach stark erkältet) ausfallen - geht gar nicht.

Die dringlichste Aufgabe für Rösgen und seinem Mitstreiter Christoph Pohl, dem Geschäftsführer und Manager in Personalunion, ist es derzeit, für Ketia Kunelashvili eine Aufenthaltsgenehmigung zu erwirken. Der Verein strebt einen Aupair-Job für die Rückraumspielerin an. Ihr Touristenvisum ist inzwischen abgelaufen, die 20-Jährige musste zurück in ihre georgische Heimat. "Das Risiko war uns klar, es ging nicht anders", sagt Rösgen. Die junge Ungarin Dzsenifer Laza wird dagegen nicht wiederkommen. "Für sie hat es sportlich einfach nicht gereicht, ein gutes Spiel war zu wenig", so der Sportliche Leiter frei raus - wie die Rheinländer halt so sind.

Eigene Fehler bei der schwierigen Kaderplanung ob der sehr späten Planungssicherheit, wie bei gescheiterten Zweitspielrechten für unterklassige Spielerinnen, gesteht Rösgen zwar durchaus ein. Er weist aber auch darauf hin, dass er sich mit zwei portugiesischen U-Nationalspielerinnen und einer jungen mazedonischen Spielerin schon einig gewesen war, die Verpflichtung aber aus finanziellen Gründen scheiterte. "Die Kasse war leer für die Anlaufkosten", sagt Rösgen. So kam der Kader für die Saison 2019/20 zustande, in der vieles besser werden sollte, die "Pirates" aber noch früher vor dem gleichen (personellen) Dilemma wie in den Vorjahren stehen.

Thomas Rösgen glaubt nichtsdestotrotz an das Drittliga-Potenzial der Mannschaft. Im Umfeld des Vereins nach der schwarzen Serie die Geduld zu behalten, sei nun das Wichtigste. "Wenn die Leute ihre Egoismen hinten anstellen und wird gemeinsam am Ziel arbeiten, dann wird es auch für den Klassenerhalt reichen." Wat kütt, dat kütt.

Zur Person: Thomas Rösgen

Selbst hat er auch in der 3. Liga gespielt, damals noch als Regionalliga bezeichnet. Ist aber schon etwas länger her. Als Damen-Trainer stieg der heute 52-jährige Thomas Rösgen im rheinländischen Troisdorf ein und führte das Team bis in die Oberliga. Als berufsbedingt der Umzug nach Frankfurt erfolgt war, trainierte er die Landesliga-Herren der TSG Bürgel, dann die Damen der HSG Heusenstamm/Obertshausen (Aufstieg in die Oberliga) und bis zur Geburt seiner Tochter die Frankfurter TG. Dort stieg Rösgen auch als Coach wieder ein, zurzeit trainiert er die A-Jugend er TGS Walldorf. Kontakt zur TSG Ober-Eschbach hat er, inzwischen in Friedrichsdorf lebend, schon länger. Team-Betreuer Jürgen Preilowski spornte ihn dazu an, beim "spannenden Projekt", wie Rösgen die Aufgabe bei den Pirates weiterhin bezeichnet, mitzuwirken. Als Trainerkandidat scheidet der Sportliche Leiter übrigens aus. Thomas Rösgen ist nicht im Besitz der A-Lizenz. (rem)

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