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Sie ist Ansprechpartnerin für beeinträchtigte Sportler: Inklusionslotsin Mona Prey.

Sportkreis Hochtaunus

Wie Sportskanone Mona Prey die Inklusion in den Vereinen vorantreiben möchte

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Sie ist Hip-Hop-Tänzerin, Cross-Fit-Sportlerin – und die neue Sport-Inklusionslotsin im Hochtaunus. Wie Mona Prey Menschen mit Behinderung helfen möchte, in Sportvereinen Fuß zu fassen.

Hochtaunus – Mona Prey möchte einem siebenjährigen Mädchen helfen, das gerne tun würde, was Mädchen in ihrem Alter am liebsten tun: sich bewegen, mit anderen Kindern Sport treiben. Doch das ist gar nicht so einfach. Und das hängt nicht in erster Linie mit dem Coronavirus zusammen. Sondern daran, dass Viktoria (Name von der Redaktion geändert) mit einem eingeschränkten Sprachvermögen lebt, sich also nicht richtig artikulieren kann.

Aufgrund ihrer Behinderung benötigt Viktoria eine inklusive Trainingsgruppe mit einem Übungsleiter, der flexibel auf sie eingehen kann. Davon wimmelt es im Umkreis nicht gerade. Doch jetzt kommt Mona Prey ins Spiel. Sie arbeitet als Sport-Inklusionslotsin für den Hochtaunus.

Die 29-jährige Frankfurterin sitzt im Gespräch mit dieser Zeitung in der Geschäftsstelle des Sportkreises Hochtaunus und strahlt positive Energie aus. Dass sie selbst eine Sportskanone ist, sieht man auf den ersten Blick. Dass sie ihre berufliche Bestimmung jetzt auch auf den Sport ausweiten kann, darüber freut sie sich sichtbar. Sie weiß nach vier Monaten im Amt aber auch schon, dass es einer Menge Motivation und einer gewissen Beharrlichkeit bedarf, um überhaupt erste Erfolge erzielen zu können.

„Ich bekomme immer ehrliches Feedback“

Schon sehr früh war Mona Prey klar, welchen beruflichen Weg sie einschlagen würde. Ihr Cousin ist mit dem Downsyndrom zur Welt gekommen, auch in der Ernst-Reuter-Schule mit ihren mehr als 20 inklusiven Schulklassen kam sie regelmäßig mit behinderten Menschen in Kontakt. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaften fing sie bei der Caritas ihren Job im „Ambulant Betreuten Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung“ an.

Die aufgeweckt rüberkommende Frau schätzt an ihrer Arbeit, „immer ein ehrliches Feedback zu bekommen“. Jedoch kann das bei Erwachsenen ganz schön anstrengend sein, da es sich oftmals um die gleichen Themen dreht. Mona Prey wollte auch beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Heranwachsende ein Stück weit begleiten. Als Sportskanone – erst hat es ihr der Hip-Hop-Tanz, jetzt Cross-Fit angetan - bewarb sich zusätzlich auf die Stelle als Sport-Inklusionslotsin.

Um junge Menschen im Alter von sechs bis 25 Jahren anzusprechen, hat die Sportjugend Hessen gemeinsam mit dem Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderung Hessen (LVKM) in fünf hessischen Regionen das Modellprojekt gestartet. Auf fünf Jahre ist es angelegt und wird von der privaten Förderorganisation „Aktion Mensch“ und vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport finanziert. Es ist dadurch für Menschen, die Hilfe in Anspruch nehmen möchten, kostenfrei.

Das Prinzip ist einfach. Bleiben wir beim Beispiel der kleinen Viktoria. Deren Mutter hatte sich nach der Sport-Inklusionslotsin erkundigt und Mona Prey mit ihr, ihrer Tochter und der Betreuerin des Mädchens ein Kennenlerngespräch in den Räumen des Sportkreises Hochtaunus vereinbart. Sie sprach mit ihren Gästen über sportliche Möglichkeiten, die es für das Mädchen gibt und notierte sich, dass Viktoria gerne in einer Gruppe für Kinderturnen mitmachen würde. Weil die Familie aus Oberursel über kein Auto verfügt, müsste das Training aber in der gleichen Stadt sein. Mona Prey nahm Kontakt zu Sportvereinen auf – und hier ist der Plan schon vor dem erneuten Corona-Lockdown ins Stocken geraten. Denn es gibt in der Brunnenstadt kein inklusives Sportangebot für das siebenjährige Mädchen.

Mona Prey wurde in den Telefongesprächen und E-Mails mit den Problemen der Vereine konfrontiert. Alle Plätze seien belegt. Trainer wären womöglich überfordert. Durch Corona gebe es genügend andere Hürden, die gemeistert werden müssen.

Mona Prey berichtet davon ohne Groll. Die Sport-Inklusionslotsin hat Verständnis für all diese Absagen. Wenn man noch keine Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung gehabt habe, reagiere man erst einmal vorsichtig oder auch abweisend, weiß sie nur zu gut. Es entstünden aber auch Vorurteile, die sie gerne entkräften würde.

Als Helferin im Training dabei

Wenn sich ein Verein zur Umsetzung einer inklusiven Trainingsgruppe entscheiden würde, erhielte er ihre Hilfe. Sie würde Viktoria ins Training begleiten. Vor Ort mit den Trainern besprechen, wie eine Teilnahme individuell gestaltet werden kann. Und für einen guten Start in mehreren Trainingseinheiten mithelfen.

Für die weiterführende Arbeit mit einer Trainingsgruppe für nichtbehinderte und behinderte Sportler bietet die Sportjugend Hessen die „Profilerweiterung Inklusion“ für Übungsleiter an. Diese Ausbildung umfasst 30 Lerneinheiten, findet an zwei Lehrgangswochenenden oder an drei Wochentagen in Folge statt und kostet 50 bis 100 Euro.

Sportlich: Mona Prey beim Handstand. Ihr Cousin David Rave gibt Hilfestellung.

Die Absolventen können eine gesetzlich geregelte „Freistellung für das Ehrenamt“ von Schule, Ausbildung oder Arbeitsplatz beantragen. Die nächste Profilerweiterung der Sportjugend Hessen ist für den 8./9. Mai und 29./30. Mai in Bad Vilbel geplant.

Der Weg zu einer inklusiven Sportgruppe, wie sie nur von wenigen Vereinen im Hochtaunus betrieben wird (siehe nebenstehender Text), ist also gar nicht so weit. Eher kurz. Deshalb würde Mona Prey am liebsten gleich loslaufen. So wie auf ihrem Instagram-Profil, wo die Sport-Inklusionslotsin ein kleines Workout zeigt, das sie mit einem behinderten Trainingspartner durchgeführt hat. Aufgrund der Corona-Pandemie muss sich die engagierte Frau, die als Cross-Fit-Sportlerin auch hobbymäßig die ein oder andere Hürde nimmt, noch in Geduld üben. Doch es ist gut möglich, dass sie der siebenjährigen Viktoria im kommenden Jahr helfen kann. Sowohl Verantwortliche der TSG Oberursel als auch des TV Bommersheim hätten Bereitschaft signalisiert, sich mit ihr über Inklusion im Sport unterhalten zu wollen. Mona Prey erzählt es mit einem Strahlen.

Inklusive Sportangebote im Hochtaunus

Die inklusiven Sportangebote im Hochtaunus sind bisher in überschaubarer Zahl vorhanden. Menschen mit und ohne Behinderung treffen sich seit Jahren unter dem Dach des SV Teutonia Köppern. Als Team United hat die inklusive Fußballmannschaft schon einige Erfolge errungen, über die es selbst auf Facebook und Instagram berichtet. Wer mitspielen möchte, schreibt am besten eine E-Mail an kontakt@team-united.de. Ansprechpartner sind Trainer Bruno Pasqualotto und Thorsten Picha, der auch als Inklusionsbeauftragter des Hessischen Fußball-Verbandes fungiert. 

Die Homburger Turngemeinde (HTG) hat in ihr Spektrum die inklusiven Sportgruppen „I-Tanz“ und „I-Judo“ aufgenommen. Weitere Informationen erhält man bei der HTG-Geschäftsstelle unter Telefon (0 61 72) 2 29 29 oder nach einer E-Mail an info@htg-badhomburg.de. 

Marco Ludwig (TV Seulberg) trainiert eine mit jungen Geräteturnern, die leichte bis mittelschwere Handicaps (Downsyndrom bis hin zu geistiger Unreife und Spastiken) haben. Mehr zum inklusiven Angebot nach einer E-Mail an info@tv-seulberg.de. 

Der Golfclub Oberursel hat vor zehn Jahren das Projekt „Mit Handicap zum Schwung“ ins Leben gerufen. Der GC kooperiert mit mehreren Schulen. Beeinträchtigte Spieler sind in die Trainingsgruppe „Wildcats“ fest integriert. Informieren kann man sich auf der Webseite gco-skyline-inklusion.de und telefonisch bei Miriam Ziegler (0 173/6 91 70 83). (rem)

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