Sarah Kistner vom MTV Kronberg

Auf dem Sprung zu großen Taten

Cross-DM, Jugend-WM auf der Bahn, Berglauf-WM – und dazu noch das schriftliche Abitur: Sarah Kistners Terminkalender für 2016 ist randvoll.

Sarah Kistner (MTV Kronberg) machte am ersten Wettkampf-Wochenende des neuen Jahres einfach da weiter, wo sie am letzten Tag 2015 aufgehört hatte. Nach ihrem grandiosen Auftritt beim Silvesterlauf Trier, wo die Bundeskaderathletin im „Lauf der Asse“ über 5000 Meter als Siebte in tollen 16:31 min. einen neuen Kreisrekord aufgestellt hatte, folgte nun in Schottland ihr nächster Paukenschlag: In 14:23 Minuten wurde sie im Hollyrood Park beim „Edinburgh X-Country“-Cross über 4000 Meter Vierte (wie berichtet).

Sarah war nach ihrem tollen Abschneiden im Dezember bei der Cross-EM in Hyères (Mannschaftsgold. Sechste in der Einzelwertung) vom Europäischen Leichtathletik Verband für eine Europa-Auswahl nominiert worden, die im Rahmen des „Edinburgh X-Country“-Cross auf Nationalteams der USA, Großbritannien/Nordirland, Schottland, Wales und Irland traf.

Nach nächtlichem Schneefall verwandelte morgens einsetzender Regen den Wiesenkurs in ein extrem tiefes und kräftezehrendes Geläuf. Von Beginn an drückten die Britinnen aufs Tempo und zogen das mehr als 80-köpfige Feld auseinander. Sarah Kistner hielt sich in der ersten Runde im Pulk der ersten Verfolgergruppe auf, arbeitete sich nach der zweiten von drei Schleifen unterhalb des Hausberges Arthur’s Seat auf Platz vier vor, den sie dann auch bis ins Ziel gegen das am Ende stark aufkommende US-Girl Katie Rainsberger verteidigte.

„Ein perfekter Saisoneinstieg“, strahlte Sarah Kistner, „nachdem ich mir bei der Cross-EM eine Erkältung eingefangen hatte und deshalb im Dezember einige Tage mit dem Training aussetzen musste. Eine Top-Ten-Platzierung hatte ich mir vorgenommen, dass es Rang vier wurde, hätte ich nicht unbedingt gedacht.“ Mit dem schwierigen Kurs hatte die angehende Abiturientin keine Probleme. „Ich mag solche Herausforderungen. Die Bodenverhältnisse waren mir bekannt. Auf einigen Abschnitten meiner Trainingsstrecken im Kronberger Wald sieht der Untergrund nach der Durchfahrt schwerer Waldarbeiter-Fahrzeuge ähnlich aus. Das kam mir entgegen.“

Auch Heimtrainer Martin Lütge-Varney und Sarahs Mutter waren mit in die schottische Hauptstadt gereist. „Da für uns besonders die US-Auswahl schwer einzuschätzen war, fiel es schwer, vorab große Ziele zu definieren“, gesteht Lütge-Varney ein, „in erster Linie ging es darum, weitere internationale Erfahrungen zu sammeln. Jetzt ist erst einmal Regeneration angesagt, ehe am Wochenende der nächste große Trainingsblock beginnt. An dessen Ende steht dann der Start Anfang März bei der Cross-DM in Herten, wo Sarah dann wie bei der EM auf die nationale Elite mit Alina Reh, Konstanze Klosterhalfen oder Miriam Dattke treffen wird.“

Im März wird es dann für Sarah mit dem schriftlichen Abitur (Leistungskurse: Mathematik, Chemie) auch in der Schule ernst. Der sportliche Fokus bei den Bahnrennen liegt auf den 5000 Metern. Höhepunkt wäre die Jugend-WM Ende Juli im polnischen Bydgoszcz. „Bei der EM 2015 in Schweden lief Sarah 16:31 Minuten. Zur WM-Teilnahme, für die es aus deutscher Sicht drei Tickets gibt, fordert der DLV 16:20 Minuten. Sehr anspruchsvoll, aus meiner Sicht aber machbar“, so Sarahs Heimcoach. Den ersten Matchball hierfür gebe es bei der Langstrecken-DM Anfang Mai in Celle.

Neben Cross, Straßenlauf und den Rennen auf der Bahn gehört Kistners „heimliche Liebe“ dem Berglauf. Vergangene Saison holte die MTVlerin neben dem DM-Sieg auf Madeira gleich zwei EM-Titel (Einzel, Mannschaft) im Berglauf – 2016 ist diesbezüglich wieder ein WM-Jahr. Der Termin für die globalen Titelkämpfe im September in Bulgarien liegt nahezu optimal – ist doch die Bahnsaison mit ihren Höhepunkt dann schon gelaufen.

Wenn jetzt langsam wieder die ersten Tempoläufe in Sarahs Trainingsplan auftauchen, sind auch die Eltern wieder gefragt. „Meine Mutter begleitet mich oft mit dem Fahrrad. Das hilft. Egal, ob im hügeligen Gelände bei uns in Kronberg, bei langen Läufen oder Tempo-Sachen entlang der Nidda. Um Ostern werden wir zwei dann wohl wieder ins Allgäu und die Schweiz fahren, um erste Bergeinheiten zu machen“, verrät die Langstrecklerin. Derzeit spult sie pro Woche 120 Kilometer im Training ab.

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