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Läuft für Steffen Meuer bei Fortuna Düsseldorf.

Das Interview

Steffen Meuer: Bei der Fortuna Fuß gefasst

Im Sommer war Steffen Meuer von den Eisbachtaler Sportfreunden zur U23 von Fortuna Düsseldorf gewechselt - und dort ist er richtig gut "im Geschäft".

Mit seinen Toren war Steffen Meuer in den vergangenen beiden Jahren die Lebensversicherung der Eisbachtaler Sportfreunde und half maßgeblich mit zum Gewinn der Fußball-Rheinlandmeisterschaft 2019 und dem Oberliga-Aufstieg. Im Sommer 2020 wechselte der Großholbacher in die Regionalliga West zur U23 von Fortuna Düsseldorf und machte prompt auch dort von sich reden. Im Interview mit unserem Reporter Andreas Egenolf verrät der 21-jährige Westerwälder, wie die ersten Monate für ihn liefen, warum er zur Zweitliga-Reserve wechselte und weshalb er noch keinen Gedanken an den Profibereich verschwendet. 

Wenn einer im Sommer gesagt hätte, dass Sie nach 15 Spielen zehn Tore geschossen haben werden, wie hätten Sie reagiert? 

Ich glaube nicht, dass ich unbedingt geglaubt hätte, dass es so super laufen wird. Ich habe aber eigentlich von Anfang an relativ schnell gemerkt, dass die Mannschaft zusammen gut agiert. Deswegen bin ich auch froh, dass es zurzeit so gut läuft. 

Generell läuft es zurzeit für die U23 der Fortuna. Während in den vergangenen Jahren die Mannschaft eher als Abstiegskandidat in der Regionalliga West galt, hat sie sich dieses Jahr in der Spitzengruppe der Liga festgesetzt. Woran liegt dieser Wandel? 

Schon im Sommer habe ich gemerkt, dass wir eine gute Truppe haben. Im Training war immer Feuer drin, und es wurde Gas gegeben. Man muss aber auch sagen, dass die Trainer ihren Job gut machen, mit den zwei Co.-Trainern, die viel Input reinbringen. Außerdem ist Oli Fink (Anm. d. Red.: Oliver Fink, Ex-Bundesliga-Profi) eine wichtige Stütze, die man auf dem Spielfeld einfach merkt. Dadurch erzielen wir im Spiel einfach gute Ergebnisse. 

Sind nicht auch Ihre Tore mit ein Hauptgrund dafür, dass Düsseldorf so gut dasteht?

Schließlich galt bisher immer: Wenn Meuer trifft, dann gewinnt die Fortuna. Ja, klar, muss man Tore machen, um zu gewinnen. Tore erziele ich aber nicht allein, das kommt alles durch die Mitspieler, die mir die Bälle auflegen und mich überhaupt in die Situation bringen, Tore zu machen. Es braucht einfach den Teamspirit, damit Tore entstehen. 

Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar und der Regionalliga West? 

Ein Unterschied ist zum einen das Körperliche im Spiel. Es wird sehr viel mit dem Körper gearbeitet. Das Tempo ist auch ein Punkt, denn es ist meiner Meinung nach noch einmal wesentlich höher. Worauf auch viel eingegangen wird, ist der taktische Bereich. Es wird sehr viel an der Taktik gearbeitet. Das sind in meinen Augen drei wesentliche Punkte, die den Unterschied zur Oberliga ausmachen. 

Mit dreimal Training, wie in Ihrer Eisbachtaler Zeit, ist es da dann sicher nicht getan. Wie sieht aktuell Ihr Alltag aus? 

Nein, das stimmt. Anfangs war es ungewohnt, nicht nur dreimal die Woche zu trainieren, sondern wirklich täglich. Mit den Trainingseinheiten habe ich mich aber relativ schnell zurechtgefunden. Mein Alltag sieht so aus, dass ich einmal am Tag Training habe. Wenn wir nur samstags spielen, dann haben wir dienstags sogar zwei Einheiten. Ansonsten wird die Anzahl der Trainingseinheiten immer dem Spielrhythmus angepasst, um auch ausreichend regenerieren zu können. 

Wieso hat Sie Ihr Weg letztlich überhaupt nach Düsseldorf zur Fortuna geführt? Es soll ja auch noch andere Angebote gegeben haben. 

Ich habe im Sommer den Anruf bekommen, dass ich zum Probetraining nach Düsseldorf kommen kann. Ich war anschließend insgesamt viermal da, und man muss sagen, dass die Einheiten ziemlich gut verlaufen sind. Es hat jede Menge Spaß gemacht, und wie die Trainer auf mich zugekommen sind, war auch sehr human. Das hat mich dann dazu bewegt, den Schritt nach Düsseldorf zu gehen. 

Wie schwer ist Ihnen persönlich der Schritt gefallen, zum ersten Mal komplett aus dem Westerwald wegzugehen und auf eigenen Füßen zu stehen? 

Anfangs war es echt ungewohnt, erst einmal allein hier zu sein, eine eigene Wohnung zu haben und von zu Hause weg in eine Stadt zu ziehen. Aber daran gewöhnt man sich relativ schnell. Die Familie, Freundin und generell Freunde stehen mir immer bei, und wir stehen viel in Kontakt. Deswegen hat man das mit dem Umzug auch schnell unter einen Hut bekommen und ist damit zufrieden. 

Inwiefern stehen Sie noch mit den Freunden aus der Heimat in Kontakt, und verfolgen Sie, wie es bei den Eisbachtalern läuft? 

Was bei den „Eisbären“ läuft, verfolge ich eigentlich noch immer. Ich habe ja auch mit vielen Jungs noch Kontakt. Ich war am Wochenende auch oft zu Hause. Durch Corona, weil man in letzter Zeit nicht viel machen kann, ist das aber auch weniger geworden. Generell stehe ich aber auch mit Marco (Anm. d. Red.: Marco Reifenscheidt, Trainer Eisbachtaler Sportfreunde) noch in Kontakt. 

So starke Leistungen wie bisher wecken natürlich auch Begehrlichkeiten aus höheren Ligen. Trauen Sie sich den Sprung in den Profi-Bereich zu?

 Ich bin noch nicht einmal ein komplettes halbes Jahr hier. Deshalb ist es für mich wichtig, dass ich erst einmal die Leistungen bestätige, weiter gut spiele, viel Spielzeit bekomme und noch weiter dazulerne. Was nächstes Jahr ist, darüber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich will mich das erste Jahr zunächst komplett nach dem Fußball ausrichten und sehen, wie es läuft. Je nachdem, strebe ich nächstes Jahr ein Fernstudium an. 

Und wenn ein Profi-Verein anklopfen würde – Hand aufs Herz: Bei welchem Club würden Sie schwach werden?

Ich müsste dann einfach schauen, was das Richtige für mich und die Entwicklung ist. Wie gesagt: Ich habe erst einmal meine 15 Spiele. Wichtig ist es halt, weiter dazuzulernen. Das steht für mich in der jetzigen Situation im Vordergrund, bevor ich überhaupt weiter etwas über die Zukunft sagen kann.

U23-Trainer Nico Michaty schwärmtMit dem Fußball angefangen hat Steffen Meuer laut eigener Aussage, „seitdem ich laufen kann“. Bei der JSG Ahrbach ging es los, als D-Jugendlicher wechselte er zu den Eisbachtaler Sportfreunden. Hier durchlief der 21-Jährige dann alle Jahrgänge, ehe er im April 2018 als A-Jugendlicher sein Seniorendebüt im Rheinlandliga-Spiel der „Eisbären“ gegen die SG Alfbachtal feierte. Was folgte, waren insgesamt 65 Pflichtspiele in Rheinlandliga, Oberliga und Rheinlandpokal, in denen Steffen Meuer stolze 33 Tore erzielte und die „Eisbären“ unter anderem zur Rheinlandmeisterschaft 2019 schoss. Mit seinen Toren und seiner Kaltschnäuzigkeit machte der groß gewachsene Rechtsaußen, der in der Offensive variabel einsetzbar ist, auch überregional Vereine auf sich aufmerksam. Im Dezember 2019 absolvierte Steffen Meuer ein Probetraining bei der U23 des 1. FC Köln, ehe er im Sommer 2020 trotz weiterer Angebote zur U23 von Fortuna Düsseldorf in die Regionalliga West wechselte. „Es freut uns, dass ein junger Spieler eine solche Entwicklung nimmt“, lobte jüngst Fortunas Sportvorstand Uwe Klein die bisherige Leistung Steffen Meuers im Trikot der Zweitliga-Reserve. Und auch U23-Trainer Nico Michaty ist von dem Westerwälder angetan, wie er der Sportzeitschrift „Reviersport“ verriet: „Steffen hat eine sehr, sehr erfreuliche Entwicklung genommen. Er hat eine gute Technik, einen guten Torabschluss und einen tollen Charakter. Ich bin gespannt, wie sich der Junge noch weiterentwickelt.“ sfe

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