Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit: Steffen Schäfer mit Familienhund „Balu“.
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Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit: Steffen Schäfer mit Familienhund „Balu“.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Steffen Schäfer: „Wer viel läuft, steht falsch“

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. In ihrem Vereinsdress kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Steffen Schäfer vom Kreisoberligisten SG Ahlbach/Oberweyer kennen.

Leise ist anders. Man hört ihn, auch wenn man ihn nicht sieht. Man hört ihn, wenn er jubelt, wenn er sich freut, wenn ihm was nicht passt. Man hört ihn, wenn er Anweisungen gibt, wenn er seine Mitspieler feiert, wenn ihm eine Schiedsrichter-Entscheidung nicht passt. Steffen Schäfer ist das, was man „extrovertiert“ nennt. Was in ihm brodelt und arbeitet muss raus.

Er trägt die Nummer zehn, verkörpert sie auf dem Spielfeld allerdings nicht mehr. „Der Spielmacher war ich mal. Jetzt bin ich Innenverteidiger, die Sechs, die Acht“, umschreibt der Kapitän der SG Ahlbach/Oberweyer seine Rolle. Dass er das alles spielen kann, ist auch seiner exzellenten Ausbildung in den Jugendmannschaften der Eisbachtaler Sportfreunde geschuldet. Mit zehn Jahren hatte Steffen Schäfer bei den „Eisbären“ begonnen. In Nentershausen ging er seinen Weg durch die Altersklassen. Er schaffte es in die Erste. Doch in der Vorbereitung auf seine Premiere im Senioren-Team meldete sich sein Körper. Der wollte irgendwie nicht mehr so richtig funktionieren.

„Damals hatte ich zwei eitrige Mandelentzündungen hintereinander“, erzählt Steffen Schäfer von diesem üblen Kapitel in seinem noch jungen Leben. „Nach jeweils einer Woche Pause habe ich fünf-, sechsmal wieder trainiert, dann ging es schon wieder nicht mehr.“ Was war da nur los? Sein Immunsystem fuhr Karussell. Es folgte eine Mandel-Operation, ehe sein Arzt Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostizierte. „Für einen Sportler bedeutet das normalerweise, dass er nie wieder 100 Prozent wird bringen können“, berichtet Steffen Schäfer von dieser düsteren Zeit. Aber er schaffte es irgendwie wieder und startete zunächst in der frisch installierten 2. Mannschaft der Sportfreunde. Die Erste spielte damals in der Bezirksliga Rheinland-Ost unter Trainer Dirk Hannappel.

In Steffen Schäfers Leben aber hatte sich inzwischen einiges verändert. Er durchlief seine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten bei den Stadtwerken Hofheim, wo er auch heute noch arbeitet. „Eigentlich hatte ich immer den Anspruch gehabt, höherklassig zu spielen. Aber inzwischen hatten sich meine Interessen verschoben. Für den Fußball hatte ich bis dahin extrem viel gegeben, auf vieles verzichtet, auf meine Freunde. Ich musste von der Schule freigestellt werden, wenn ich in der Rheinland-Auswahl spielte. Irgendwie wollte ich das alles nicht mehr“, sagt der heute 33-Jährige.

Also führte ihn sein Weg zurück zu seinem Ursprungsverein, dem TuS Ahlbach. „Ich habe zu dieser Zeit, das war 2008, einfach meine Prioritäten sortiert. Ich wollte meinen TuS Ahlbach wieder hochbringen.“ Die „Blauen“ spielten zu dieser Zeit in der A-Liga. Später folgte die Fusion mit dem SV Oberweyer als Spielgemeinschaft. Damals war Steffen Schäfer 21 Jahre jung. Andy Schuy, der damalige Trainer, sagte im ersten Training zu ihm: „Du bist mein Kapitän!“ Basta!

Er hat dieses Vertrauen längst bestätigt, sein „Standing“ innerhalb der Mannschaft ist unwidersprochen. Steffen Schäfer meint: „Es gibt nicht wenige, die sagen, ich würde mehr reden als laufen auf dem Platz. Aber mein Motto lautet: Wer viel läuft, steht falsch.“ Und als Kapitän? Was macht er da so? „Oh, das ist sehr vielfältig“, sagt Steffen Schäfer. „Ich versuche, zu moderieren, bin Bindeglied zwischen Mannschaft, Vorstand, Trainer.“ Doch der SGAO-Spielführer ist viel mehr als das. Er - und seine Mitstreiter - hat beim Bau des Kunstrasens mitangepackt, ist immer für einen Scherz gut, muntert auf. „Wir sind alle keine Profis“, sagt er. „Aber wir verbringen unsere Freizeit miteinander. Und das bedeutet doch was.“ Wichtig ist es Steffen Schäfer auch, neue Spieler zu integrieren, ihnen den Sprung ins Team zu erleichtern. Klar, dass ihm die derzeitige pandemie-bedingte Situation arg zu schaffen macht. „Das alles fehlt mir schon sehr. Ich stehe gerne auf dem Platz.“

Familienmensch mit Zwillingsschwester

Was macht er stattdessen? Schwierig. Steffen Schäfer ist nicht liiert, aber er ist ein Familienmensch, verbringt viel Zeit mit seinen Eltern und seiner Zwillingsschwester Sabrina, mit der er in Ahlbach ein Haus gebaut hat. Und er liebt den Familien-Hund, den braunen Labrador-Retriever „Balu“. Steffen Schäfers Zwillingsschwester Sabrina ist exakt zwei Minuten jünger als er. „Wir sind eigentlich sehr verschieden, auch optisch ähneln wir uns nicht allzu sehr.“

Doch vor drei Tagen ereilte die Familie Schäfer ein trauriger Schicksalsschlag: Opa Bernhard ist im Alter von 85 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Steffen Schäfer trauert. Vor allem mit seiner Oma Leni, die ihren lieben Mann nach 60 Ehejahren verloren hat. Steffen und alle anderen Familienmitglieder packen und packten bei der Pflege der Großeltern alle gemeinsam mit an. Beide sind und waren Steffen Schäfer „extrem wichtig“, wie er sagt. „Die ganze Familie hilft mit, dass es den beiden gut geht“, so Steffen Schäfer wenige Tage vor dem Tod des Opas. „Sie haben mir immer alles ermöglicht. Und jetzt in der schwierigen Zeit packen alle mit an, um ihnen zu helfen.“ Steffen Schäfer ist traurig.

Dankbar ist er aber, dass er zurzeit im Homeoffice arbeiten kann. Und mit seinem Job bei den Stadtwerken Hofheim ist er vollkommen zufrieden. „Ich bin glücklich mit dem, was ich mache. Natürlich wäre es schön, wenn ich irgendwann mal nicht mehr pendeln müsste.“ Ahlbach, das ist seine Heimat. Dem TuS werde er immer treu bleiben, sagt Steffen Schäfer, der durchaus Angebote hatte, wegzugehen. „Ich sehe keinen Grund dazu“, stellt der 33-Jährige klar. Daher war es für ihn auch kein Problem, vier Jahre lang im Vorstand als Schriftführer mitzuwirken.

Im Urlaub am liebsten an den Strand

Der FC-Bayern-Fan, der das legendäre Spiel der Münchner beim 0:0 gegen Freiburg live in der Allianz-Arena miterlebt hat, als Jürgen Klinsmann die Tonne zerlegte, ist ein bodenständiger Typ. Seinen Urlaub verbringt er, sofern dies wieder möglich sein wird, am liebsten am Strand und legt die Füße hoch. „Gerne bin ich auch mit meinen Freunden auf Malle. Aber ich fliege nicht so gern“, gesteht Steffen Schäfer. Was er aber sehr gerne mag, ist Kraftsport. Dafür hat er sich daheim einen Fitnessraum eingerichtet. Sein Körper ist dem 33-Jährigen wichtig.

Der Kapitän der SG Ahlbach/Oberweyer hat viele Trainer kommen und gehen sehen: Frank Guckelsberger, Jan Kieserg, Frank Weisbrod, Uwe Steioff, Gökhan Sancak oder Martin Schlimm. Nach dem Weggang von Florian Gross zum TuS Frickhofen ist Daniel Alves jetzt allein der Mann an der Seitenlinie bei der SG. Auch der Coach weiß einiges über seinen Kapitän zu berichten: „Er ist ein guter Dirigent auf dem Platz und hätte durchaus höher spielen können“, sagt Daniel Alves. „Steffen ist taktisch gut geschult, hat als Innenverteidiger einen super Blick für das Spiel. Er gewinnt die Zweikämpfe und hat eine sehr gute Übersicht.“ Das Mannschaftsgefüge halte Steffen Schäfer zusammen und fördere es. „Er ist sportlich nicht der Ehrgeizigste, aber er ist ein Ahlbacher Junge, und er ist immer da, wenn es im Verein oder im Team kleinere Probleme gibt. Als Kapitän ist er genau der richtige Mann, denn hierfür kommt einfach nur ein Einheimischer in Frage.“

Ausdrücklicher Wunsch

Drei Tage vor Veröffentlichung seiner Geschichte meldete sich Steffen Schäfer in der Sportredaktion, um mitzuteilen, dass sein Großvater verstorben sei. Unser Angebot, die Publikation zu verschieben, lehnte er ausdrücklich ab: „Die Oma freut sich schon darauf“, sagte er. Diesem Wunsch wollten wir gerne entsprechen.

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