Stephan Huber Kapitän FC Alemannia Niederbrechen Wanderurlaub Island.
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Ein Kapitän im Freizeit-Look: Stephan Huber beim Wanderurlaub auf Island.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Stephan Huber: Eine „natürliche Autorität“ beim FCA

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Oberarm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Auf dem Platz im Vereinsdress kennt man sie als Leader ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute präsentieren wir Stephan Huber vom Fußball-Kreisoberligisten FCA Niederbrechen.

Wer Stephan Huber näher kennt, weiß, dass der Kapitän des FCA Niederbrechen eher zur ruhigeren Zunft gehört. Und trotzdem ist der Defensivspieler in seiner Rolle als Mannschaftsführer eine natürliche Autorität, die er auch sehr gut zu verkörpern weiß. Das schätzt vor allem sein Trainer an ihm. Bernd Schröder: „Stephan ist ein gestandener Spieler. Wenn er was sagt, funktioniert das bei den Jungs auch. Er kann positiv mit Kritik umgehen und ist sehr lösungsbezogen.“

Doch Bernd Schröder, der voller Zufriedenheit von seinem Kapitän redet, spricht noch von anderen Dingen, wenn er an seinen „Capitano“ denkt: „Er ist zwar grundsätzlich ein ruhiger Typ, kann sich aber auch um 180 Grad drehen und lautstark werden, wenn es sein muss. Seine Ansprache ist präzise und direkt, die Mannschaft vertraut ihm. Ich schätze den Austausch mit Stephan sehr, denn er kann gut diskutieren und gibt mir in angenehmen Gesprächen manchmal auch Anreize zum Nachdenken. Sollte ein Spieler unzufrieden sein, spricht er unangenehme Dinge auch an. Das gefällt mir, und ich bin froh, dass ich ihn habe.“

Doch wer und wie ist Stephan Huber eigentlich? In Köln geboren, verzog es ihn aufgrund eines Jobwechsels seines Vaters bereits im zarten Alter von zwei Jahren nach Bad Camberg, wo der heute 33-Jährige auch den Großteil seiner Juniorenzeit verbracht hat. Weil einer seiner besten Freunde damals in Weyer spielte - bei der JSG Brechen/Weyer -, wechselte Stephan Huber dorthin. Doch ihm wurden Steine in den Weg gelegt, für die er eigentlich gar nichts konnte.

Stephan Huber klärt auf: „Es gab große Probleme mit meinem Spielerpass, den mir der SV Bad Camberg eigentlich im guten Gewissen mitgegeben hatte. Ich hatte meinen Pass bei der TSG Oberbrechen hinterlegt, die sich um die Umschreibung kümmern wollte. Was normalerweise ein paar Wochen dauert, wurde schließlich zur Farce. Ich durfte zwar jede Woche spielen, obwohl der Pass noch nicht zurück war, doch im Folgejahr bei den A-Junioren änderte sich das. Ich durfte fast die gesamte Saison nur trainieren, weil ich noch immer beim SV Bad Camberg gemeldet war. Erst gegen Ende der Saison war dieses leidige Thema erledigt, und ich durfte kicken. Doch plötzlich, vor dem letzten Saisonspiel, wurde eine Sperre gegen mich verhängt, weil ich angeblich eine Mitschuld hatte. Diese ganze Situation hat derart an meinen Nerven gezerrt und war so frustrierend, dass ich sogar in Erwägung gezogen hatte, mit dem Fußballspielen aufzuhören.“ In der Sommerpause habe der Wechsel zum FCA dann glücklicherweise problemlos funktioniert, auch weil sich die TSG Oberbrechen fair und kooperativ verhalten habe.

Entwicklungsingenieur in Offenbach

Seit nunmehr fünf Jahren wohnt Stephan Huber zusammen mit seiner Partnerin Anna in Darmstadt, wo er Elektrotechnik studiert hat und seit gut dreieinhalb Jahren in Offenbach als Entwicklungsingenieur angestellt ist. Auch wenn der Aufwand immens ist, regelmäßig von Darmstadt nach Niederbrechen zu pendeln, versucht er „so gut es geht, die Trainingstermine wahrzunehmen“.

Stephan Huber war im Übrigen seinerzeit mitten in der Saison zum Kapitän geworden. Weder Bernd Schröder hatte die Position bestimmt, noch wählte ihn die Mannschaft in einer Spielersitzung zum Spielführer. Aber wie ist es dann dazu gekommen? „Das war damals ein Hin und Her. Eigentlich war Jens Ludwig Kapitän, der aber mit einer langwierigen Verletzung zu kämpfen hatte. In einem Gespräch Ende 2018 hat Jens mir dann das Amt angeboten, weil er unregelmäßig zum Einsatz gekommen war. Unser Trainer Bernd Schröder war damals bei dem Gespräch dabei und hat dann befürwortet, dass ich der neue Kapitän bin.“

Stephan Huber, der seit nunmehr 16 Jahren Mitglied bei den Alemannen ist und bei Abwesenheit von Pascal Litzinger vertreten wird, meint auf die Frage, was ausschlaggebend für seine Bestimmung gewesen sei: „Ich denke, dass meine Erfahrung dabei eine große Rolle spielte, ich bin ja auch mit der Älteste im Team. Ich würde mich als zuverlässig bezeichnen und habe mir über die Jahre ein gewisses Ansehen erarbeitet. Außerdem kann ich meine Meinung sachlich rüberbringen.“

Dass ein Kapitän zwingend eine Art „Lautsprecher“ sein muss, sieht der Defensivspieler nicht so: „Es gibt einfach unterschiedliche Typen, die ihre Sache auf unterschiedliche Weise gut machen. Wichtig ist einfach, dass man einen guten Draht zur Mannschaft hat und im Verein selbst geschätzt wird. Ich verfüge über ein großes Verantwortungsbewusstsein in meiner Rolle und bin ein Teamplayer.“

Welche Aufgaben Stephan Huber im Allgemeinen hat, verrät er: „Ich fühle mich verantwortlich für meine Mitspieler und versuche, auf dem Platz immer alles zu geben. Ich bin offen für Probleme anderer und suche im Fall der Fälle das Gespräch mit dem Spieler, dem Trainer oder dem Verein. Ich möchte einfach in vielen Belangen ein Vorbild sein - auf und neben dem Platz.“

„Wir haben viele Kommunkationskanäle“

Zwar sieht sich der FCA-Kapitän als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand, er räumt aber ein: „Da bei uns auch einige Spieler im Vorstand sind, haben wir viele Kommunikationskanäle, was die Sache natürlich auch einfacher macht.“

Wenn sich das Leben mal nicht gerade um den Fußball dreht, genießt der Wahl-Darmstädter die Zeit mit seiner Partnerin Anna, mit der er auch die Liebe zu einem anderen Hobby entdeckt hat. „Wir waren schon in Kanada und Island zum Wandern und haben großen Gefallen daran gefunden. Sobald wir wieder können, werden wir sicherlich noch andere Ziele ansteuern“, sagt Stephan Huber, der - wenn er Zeit hat - auch gerne mal in die Pedale tritt.

Ansonsten hofft er, dass er bald wieder auf dem Fußballplatz stehen darf, um mit seinem FCA Niederbrechen auf Punktejagd zu gehen. Patrick jahn

In unserer nächsten Folge stellen wir einen erfahrenen Kapitän vor, der im Umfeld seines Vereins nicht nur eine zweite Heimat, sondern auch die große Liebe gefunden hat und im Ort sesshaft geworden ist.

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