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Markus Wanzki (SG Eschbach/Wernborn, links) ist Stierstadts Torjäger Tim Pelka auf den Fersen.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Der FV Stierstadt ist gegen einen starken Gegner besser

Der FV Stierstadt hat in der Kreisoberliga nach dem 4:1-Derbysieg gegen Eintracht Oberursel auch sein zweites Spiel gewonnen. Gegen Eschbach/Wernborn brillieren Fußballer, die viel Erfahrung mitbringen.

Knapp 100 Zuschauer waren am Samstagmittag auf dem Sportplatz an der Steinbacher Straße erschienen, um das Fußballspiel in der Kreisoberliga Hochtaunus zwischen dem FV Stierstadt und der SG Eschbach/Wernborn zu verfolgen. Darunter befand sich mit Bodo Dick auch der Trainer, der in der vergangenen Saison die Sportfreunde Friedrichsdorf zur Meisterschaft in dieser Spielklasse führte. Als Nachfolger im Titelrennen wurden vor Saisonstart auch die Stierstädter heiß gehandelt. Mit dem 3:1 über den gut gestarteten Aufsteiger Eschbach/Wernborn wurden die Hausherren der Favoritenrolle gerecht, die Gäste hielten aber gut dagegen.

Gerade zu Beginn zeigte sich die SG aus den Usinger Ortsteilen sogar stärker im Spielaufbau. Während Eschbach/Wernborn schnell und kurz kombinierte, verließ sich Stierstadt häufig auf den langen Schlag. Wenn man allerdings in André Becher einen „Quarterback“ in den eigenen Reihen hat, dann ist dies durchaus ein legitimes Mittel. Egal, ob aus dem Spiel heraus oder per Standard: Ein ums andere Mal fand der Innenverteidiger, der Verbandsliga-Erfahrung mitbringt, mit seinen weiten Flanken den Mitspieler.

Der am häufigsten gesuchte Adressat hieß – wenig überraschend – Tim Pelka. Der Angreifer wurde im Sommer von der Usinger TSG geholt, um Tore zu schießen. Am Samstag glänzte er jedoch als Vorlagengeber. Sowohl vor dem 1:0 (26.) wie auch vor dem 2:1 (55.) suchte Pelka nach starker Einzelaktion in aussichtsreicher Situation nicht den eigenen Abschluss, sondern bediente per Querpass den freistehenden Marvin Diehl (früher TSV Vatanspor). „Du darfst ruhig auch selbst abschließen, du musst nicht immer querlegen“, feixte daher zur Halbzeit ein Zuschauer an der Seitenlinie. „Ich habe ihm in der Kabine das Gleiche gesagt“, ergänzte FVS-Trainer Christian Liebig mit einem Schmunzeln.

Wirklich unzufrieden ob Pelkas Uneigennützigkeit war selbstverständlich niemand, schließlich waren es seine finalen Pässe, die den Unterschied machten. Auf der anderen Seite bekam Ergin Cakar – mit 37 Treffern Torschützenkönig der A-Liga – keine Bälle. Auch sein Sturmpartner Patrick Gilles wurde kaum in Szene gesetzt, dafür nutzte der frühere Anspacher in der 45. Minute seine überragende Schusstechnik bei einem direkten Freistoß zum zwischenzeitlichen 1:1.

Nachlegen konnte Eschbach/Wernborn im zweiten Durchgang nicht mehr. „Hinten raus war bei uns dann auch ein bisschen die Luft raus“, sagte SG-Coach Andreas Arr-You, „man hat gemerkt, die Woche war sehr anstrengend mit dem Pokalspiel gegen den FSV Friedrichsdorf.“

Dass mit Kai Schrörs und Dennis Helwig zwei Stammkräfte beim Aufwärmen verletzungsbedingt ausfielen, hatte sein Team ausgezeichnet kompensiert. Besonders in der ersten Hälfte hatten es die Gäste dem Gegner mit zwei sehr gut sortierten Viererketten schwer gemacht. Erst gegen Ende gab es mehr Räume für Stierstadt, wie etwa in der 85. Minute: Christoph Kötzsche eroberte am gegnerischen Strafraum einen „zweiten Ball“, nutzte den ihm gebotenen Raum, um abzuschließen, und traf mit Hilfe des Innenpfostens zum 3:1.

„Ich bin der Meinung, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat. Wir hatten allerdings auch einen sehr, sehr starken Gegner“, lautete das Fazit von Stierstadts Coach Liebig. Das kann man durchaus so unterschreiben.

FV Stierstadt: Dumann – Flohr (76. Zharkov), Scheithauer, Becher, Kress – Kötzsche, Biskup (87. Abdellaoui), Matticoli, Medaghri (65. Holland-Nell) – Diehl, Pelka. SG Eschbach/Wernborn: Schneider – Körner, L. Maibach, Gajic, Wanzki – Olluri (46. Kaya), Wick, Brendel (65. D. Maibach), Hanschke – Cakar, Gilles. Tore: 1:0/2:1 Diehl (26., 55.), 1:1 Gilles (45.), 3:1 Kötzsche (85.). Torchancen: 8:2. – Eckbälle: 6:4. – Zuschauer: 90. – Gelbe Karten: Becher, Kress – Gajic, Kaya. Beste Spieler: Becher, Diehl, Pelka – Schneider, Gilles. Spielnote: 3+. Ein recht gutes, wenn auch kein überragendes Kreisoberligaspiel. Die Gastgeber nutzten die Chancen nicht effektiv, die Gäste agierten im letzten Drittel zu fahrig. Schiedsrichter Karsten Pfeiffer (Nieder-Wöllstadt): Note: 3. Leitete die erste Hälfte fehlerlos, verlor im zweiten Durchgang jedoch seine klare Linie.

Freistoßschütze Patrick Gilles hat bei Juninho genau hingeschaut

Der Sieg im „Spiel der Woche“ ging an den FV Stierstadt, die schönste Szene darf aber Patrick Gilles von der SG Eschbach/Wernborn für sich beanspruchen. Kurz vor der Pause legte sich die Nummer 10 den Ball nahe des gegnerischen Strafraums zum Freistoß zurecht. Was zunächst folgte, hätten sich alle Beteiligten eigentlich sparen können (Mauer stellen, Abstand messen, Gegenspieler in Manndeckung nehmen). Denn Gilles hob den Ball perfekt über die Mauer und ließ Keeper Marcel Dumann keine Chance. Bei dem Treffer mussten sogar die Anhänger der Gastgeber anerkennend nicken. Nach dem Spiel bestätigte Gilles, dass er die Kugel genau da hinhaben wollte. Man glaubt es ihm sofort, schließlich erzielte er schon in der Vorsaison fünf Treffer nach direkten Freistößen.

Und auch die Antwort auf die Frage nach seinem Vorbild kommt nicht verwunderlich. „Ich war immer ein Fan von Juninho“, sagt Gilles, „der hat die geilsten Dinger gemacht.“ Antônio Augusto Ribeiro Reis Júnior, besser bekannt als Juninho Pernambucano, galt als perfekter Freistoßschütze. Der Brasilianer erzielte allein 44 seiner 100 Treffer für Olympique Lyon per Freistoß. Insgesamt waren es 76 im Verlaufe seiner Karriere. Wie es scheint, hat sich Patrick Gilles dessen makellose Schusstechnik genauestens angeschaut.

ROBIN KUNZE

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