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Tim Pelka (Bildmitte) bejubelt seinen vorentscheidenden Treffer mit Alexander Zharkov (rechts) und Christoph Kötzsche.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Der FV Stierstadt schafft im Spitzenspiel in Ober-Erlenbach die Wende

Im „Spiel der Woche“ beweist das Team des FV Stierstadt Moral. Nach Rückstand gewinnt der Tabellenführer der Fußball-Kreisoberliga Hochtaunus mit 4:3 beim Verfolger. Der Primus profitiert nach der Pause von einer Ober-Erlenbacher Schwäche.

Dass sich am 8. Spieltag der Erste und Zweite der KOL gegenüberstanden, ist kein Zufall. Sowohl die SG Ober-Erlenbach als auch der FV Stierstadt bewiesen dann auch im direkten Duell, dass mit ihnen über die gesamte Spielzeit gerechnet werden muss. Beide Fußballteams legten große Laufbereitschaft an den Tag und demonstrierten individuelle wie auch mannschaftliche Qualität gehobener Kreisoberliga-Klasse.

Was die Spielanlage angeht, so waren die Gäste einen Tick besser, weil klarer in den Aktionen, wenn auch der kleine Kunstrasenplatz wenig Kombinationsspiel zuließ. Doch waren es die Gastgeber, die nach einer knappen halben Stunde mit 2:0 in Führung lagen. David Bremerich machte es möglich. Nach exakt einer Viertelstunde legte sich Ober-Erlenbachs Nummer 20 einen Ball am Strafraum zum Freistoß zurecht. „Bleibt zusammen“, alarmierte FV-Keeper Marcel Dumann seine Vier-Mann-Mauer, wohl wissend über welch tolle Schusstechnik Bremerich verfügt. Letztlich war der Hinweis des Torwarts vergebens.

Bremerich hob den Ball gefühlvoll und doch mit ordentlich Effet versehen über die Mauer ins Torwarteck zum 1:0 (15.). Dumann kam nicht heran. Doch nicht nur mit „ruhenden Bällen“ kann der Sohn von Sportchef Thomas Bremerich umgehen. Als Rechtsverteidiger Claudius Ramm in der 32. Spielminute das Leder stark in die Schnittstelle der Stierstädter Dreierkette legte, kam Bremerich aus der Tiefe und schob aus sechs Metern überlegt zum 2:0 ins Eck.

Gerade der erste Treffer hatte vorübergehend Wirkung gezeigt bei den Gästen, die sich allerdings schnell wieder fingen. In der 36. Minute verkürzte Routinier Marcel Biskup ebenfalls per direktem Freistoß auf 2:1. Seine Variante „Marke Kanonenschlag“ senkte sich aus 22 Metern ins langen Eck. Torhüter Adrian Fischer war zwar noch dran, er konnte der Wucht des Balles aber nichts entgegensetzen. Den Ausgleich kurz vor dem Kabinengang besorgte dann Stierstadts spielender Trainer Christian Liebig aus kurzer Distanz, nachdem er von Cody Warner per Flanke bedient worden war (41.).

Im zweiten Durchgang machte eine Schwäche der Gastgeber den Unterschied aus. Ober-Erlenbach tat sich enorm schwer, den Ball von hinten herauszuspielen, verzichtete aber trotzdem weitestgehend auf lange Schläge. Da Schiedsrichter Veli Ceylan zudem seine liebe Mühe mit (vermeintlichen) Abseitsstellungen hatte und der SGO gleich zwei vielversprechende Kontergelegenheiten abpfiff, wurde der Druck durch Stierstadt stetig größer. Top-Angreifer Tim Pelka ließ zwar in der 50. Minute eine „Hundertprozentige“ liegen, als er per Kopfball aus fünf Metern scheiterte. Er erzielte aber aus ähnlicher Position zwei Minuten später mit dem Fuß das 3:2 (52.). Bis dahin hatte die Hintermannschaft Ober-Erlenbachs den Stürmer relativ gut im Griff gehabt, doch ein Mann seiner Klasse lässt sich eben nicht komplett abdecken.

So war es nicht verwunderlich, dass Pelka auch am entscheidenden 4:2 (80.) beteiligt war. Er blieb etwas glücklich im Laufduell mit Torwart Fischer am Ball und legte quer auf den kurz zuvor eingewechselten Marvin Diehl, der ins leere Tor traf.

Die Hausherren gaben sich zwar in der Folge nicht auf und kamen durch einen strammen Schuss von Sebastian Grassler auf 3:4 heran, doch am Ende fehlten die spielerischen Mittel, um auch noch den Ausgleich zu erzielen. „Ich glaube, dass Stierstadt einfach die abgezocktere Mannschaft war und letzten Endes auch verdient gewonnen hat“, resümierte SGO-Trainer Philippe Chakour. „Nicht ganz unglücklich, aber auch nicht ganz unverdient ein 4:3 für uns“, sah es FV-Coach Liebig ähnlich.

David Bremerich: Der „klassische Zehner“ ist wieder da

Dass die Kreisoberliga-Mannschaft der SG Ober-Erlenbach in Adrian Matuschewski einen wichtigen Mann verloren hat (er kommt auf eigenen Wunsch nur noch in der Reserve zum Einsatz), hat sich herumgesprochen. Dass aber gleichzeitig ein wichtiger Mann nach langer Pause wieder zurück im Kader ist, kam bisher zu kurz. David Bremerich musste fast die komplette Spielzeit 2018/19 verletzungsbedingt aussetzen. Im September 2018 brach er sich den Mittelfuß, im Winter darauf gleich ein zweites Mal. „Er ist für uns enorm wichtig“, betonte sein Trainer Philippe Chakour nun nach Bremerichs Topleistung gegen den FV Stierstadt. Das 1:0 erzielte der technisch beschlagene 22-Jährige per direktem Freistoß aus rund 19 Metern, das 2:0 im Stile eines eiskalten Torjägers aus kurzer Distanz. Mit genau diesen Abschlüssen könne er den Abgang von Matuschewski zumindest teilweise kompensieren, sagte Chakour, auch wenn beide unterschiedliche Spielertypen seien. Flügelstürmer Matuschewski kommt über die Dynamik, Bremerich gleicht eher einem „klassischen Zehner“. Er scheint stets zu wissen, wo sich in wenigen Sekunden Räume auftun und bespielt diese mit perfekt getimten Pässen. Dabei wäre er fast gar nicht beim Fußball gelandet.

David Bremerich (rechts) tritt an, Marcel Biskup versucht zu folgen.

„Im Alter von vier Jahren hat er Fußball, Tennis und Taekwondo ausprobiert“, verrät Vater Thomas Bremerich, „nach dem dritten Training bei der SG Ober-Erlenbach hat er sich dann festgelegt.“ Er wolle Fußballer werden, habe der Wunsch des Sohnes gelautet. Während seiner Jugendzeit landete dieser auf der Beobachtungsliste von Eintracht Frankfurt sowie FSV Frankfurt und wurde zum DFB-Stützpunkt eingeladen. Nach dem Spiel gegen Stierstadt wollte er seine eigene Glanzleistung gar nicht erst besprechen. Zu groß war der Frust über die Niederlage. „Mir fehlen gerade ein bisschen die Worte“, entschuldigte er sich. David Bremerich lässtviel lieber Taten auf dem Fußballplatz sprechen.

ROBIN KUNZE

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