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Ex-Manager Gerhard Döll im Sommer 2017 bei der Vorstellung von Ober-Eschbachs Handballmannschaft.

Handball, TSG Ober-Eschbach

Strafanzeige gegen Ex-Manager

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Ärger gibt es hinter den Kulissen von TSG Ober-Eschbachs Frauenhandball-Team. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Gerhard Döll  und Jan Willing, die vor Christoph Pohl beim Drittligisten die Finanzen führten. "Pirates"-Manager Pohl wirft ihnen Untreue und Unterschlagung vor.

Nach großem Kampf durften die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach vor rund einem Monat in der 3. Liga doch noch den Klassenerhalt feiern. Sie hatten eine missliche Lage überstanden, in der die semiprofessionell geführte Mannschaft zwischenzeitlich keinen Trainer mehr hatte und die Spielerinnen keine Aufwandsentschädigung mehr erhielten. Denn die „Pirates“ standen ohne Manager da, und die Unternehmer-Gesellschaft (UG), die den Spielbetrieb abwickelt, war nach dem Rücktritt des Geschäftsführers führungslos.

Während sich für die Ober-Eschbacher Handballerinnen alles zum Guten wendete, sie ihre spielfreie Zeit genießen und die meisten danach auch weiterhin für die TSG auflaufen werden, wird hinter den Kulissen nun ein ganz anderer Kampf ausgetragen.

Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf Anfrage der Taunus Zeitung mitteilte, wird „wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil eines Bad Homburger Ballsportbetriebes ermittelt“. Hintergrund ist eine Strafanzeige gegen Jan Willing, den früheren Geschäftsführer der UG, und Gerhard Döll, der jahrelang sowohl Gesellschafter als auch Manager der Handballmannschaft war. Angezeigt hat die beiden deren Nachfolger Christoph Pohl, der auch zivilrechtliche Schritte eingeleitet hat.

Der neue Geschäftsführer und Manager der „Pirates“ sei nach seinem Amtsantritt im Februar bei Durchsicht der Geschäftsunterlagen schockiert gewesen, erläutert er auf TZ-Anfrage. Durch die Verletzung seiner Pflichten habe Willing, von Dezember 2017 bis November 2018 Geschäftsführer, der UG einen Vermögensschaden von mindestens 10 806,84 Euro zugefügt.

Veranlasst worden seien diverse Geldflüsse jedoch von Ex-Manager Döll, der am 25. Oktober 2018 zurückgetreten ist, weil er sich mit der Mannschaft überworfen hat. Pohl verklagte Döll ebenfalls – wegen Anstiftung zur Untreue und Unterschlagung.

Bevor es um einen Golf-Trolley, eine Lederjacke und vermeintliche Reisekosten gehen soll, lohnt im Clinch der Handball-Manager ein Blick auf die Protagonisten. Gerhard Döll, der vor dem Eintritt ins Rentenalter als Führungskraft für ein Versicherungsunternehmen tätig war, stieg im Frühjahr 2011 bei den Ober-Eschbacher Handballerinnen ein. Nach eigenen Angaben hat er selbst damals viel Geld in das Projekt gesteckt, damit es überhaupt weitergehen konnte.

Dölls sportliche Verdienste in rund siebeneinhalb Jahren sind unbestritten: Er führte die „Pirates“ sogar in die 2. Bundesliga und etablierte sie später in der 3. Liga. Als Manager beschritt der Usinger dabei jedoch eigene Wege.

Die TZ berichtete bereits 2014 von Prozessen vor dem Arbeitsgericht, weil einer ehemaligen Spielerin und einem früheren Trainer noch Geld zugestanden hatte, das Döll partout nicht bezahlen wollte. Ein weiterer Ex-Trainer wies darauf hin, dass er keinen richtigen Arbeitsvertrag vorgelegt und sein Honorar im Umschlag bekommen habe. Von einer Spielbetriebs-GmbH war die Rede, die im Handelsregister aber gar nicht eingetragen war.

Döll machte trotzdem weiter, auch weil der TSG-Vorstand um Holger Fritzel ihn weitermachen ließ und das Finanzamt nicht reagierte. Vereinschef Fritzel gehört damals wie heute als Vertreter der TSG der Unternehmer-Gesellschaft für den Spielbetrieb an. Er ist einer der Gesellschafter, wie es Döll lange auch war. Fritzel erschien brav zu den Pflichtsitzungen. Döll, dem Fritzel vertraute, schaltete und waltete, wie er wollte – über von ihm selbst installierte Geschäftsführer.

Dölls Geschäftsführer

Seit 2015 standen erst Frank Kress, dann Teresita Biel und ab dem 12. Dezember 2017 schließlich Jan Willing der „Bad Homburger Handballfrauen TSG Ober-Eschbach Spielbetriebs UG“ vor. Alle drei sind Weggefährten von Döll, die aber nicht öffentlich in Erscheinung traten, wenn es um die Spiele ging. Döll erwähnte oft, dass er ein starkes Team hinter sich wisse. Die Namen Kress, Biel und Willing erwähnte er nie.

Nun könnte es sein, dass Willing, der früher Handballer war und als Jugendtrainer wirkt, das offensichtliche Vertrauen gegenüber Döll teuer zu stehen kommt. Selbst möchte der Ex-Geschäftsführer sich auf Anfrage der TZ nicht zu Pohls Vorwürfen äußern – obwohl oder vielleicht auch weil diese nicht gerade von Pappe sind.

Apropos Pohl: Der Kläger und neue starke Mann der „Pirates“ hat eine interessante Vita. Er begann sein Engagement im Taunus wegen eines Sponsorings der Spielerin Franziska Chmurski, die in seinem nordhessischen Start-up-Unternehmen arbeitet. Weil Chmurski vom SV Germania aus Fritzlar, Pohls Wohnort, zur TSG wechselte, fragte Döll im Vorjahr bei ihm an, ob er ihr nicht als Sponsor folgen wolle. Der frühere Manager holte seinen Nachfolger, der ihn jetzt verklagte, also einst als Partner ins Boot.

Ober-Eschbachs Damenhandball-Manager und UG-Geschäftsführer Christoph Pohl (rechts) am Rande eines Heimspiels im März.

Warum er sich all das gebe, zwei Stunden entfernt von der Heimat, wird Pohl öfters gefragt. Der Liebe wegen? Nein, Chmurski und er seien kein Paar, sagt er dann. Er sei verheiratet, zweifacher Familienvater, auch in der Kommunalpolitik tätig. Die Aufgabe als Handball-Manager sei aber eine ganz andere und bereite ihm einfach große Freude. Er genieße das hohe Standing bei den Spielerinnen und wolle die Mannschaft mittelfristig in die 2. Bundesliga führen. Der sportliche Ehrgeiz und das Zeug zur Führungskraft – zwei Dinge, in denen sich die jetzigen Konkurrenten Gerhard Döll und Christoph Pohl sehr ähnlich sind.

Golf-Trolley und Lederjacke

Doch zurück zum Golf-Trolley. Eine Rechnung vom 18. Dezember 2017 belegt, dass Döll über die Handball-UG einen Elektro-Golf-Trolley Taurus DHC „Black Edition“ in Schwarz, einen Schirmhalter und eine Trolley-Tasche für 979,02 Euro bestellt hat. Ebenfalls wurde am 17. Februar 2018 eine Lederjacke für 209 Euro und am 18. März 2018 eine Samsung Gear Fit 2 Pro für 196,90 Euro über die UG angeschafft. Bei der Uhr wird als Lieferadresse die Anschrift von Jan Willing angegeben. Kopien der Rechnungen liegen dieser Zeitung vor.

Auf Kontoauszügen ist zudem zu lesen, dass Döll am 24. September 2018 unter dem Betreff „Auslagen“ 633,65 Euro vom UG-Konto überwiesen wurden. Der Manager-Posten war aber ehrenamtlich.

Am 26. Oktober 2018, also genau einen Tag nach seinem Rücktritt als Manager, sind Döll zudem 660 Euro zugeflossen mit dem Betreff „Reisekosten September und Oktober“. Belege dafür bleibt Döll bis heute schuldig. Gegenüber Pohl, der es zunächst persönlich und dann über seinen Anwalt versuchte, um Döll zum Einlenken zu bewegen, und auch auf Nachfrage dieser Zeitung.

Bei den weiteren Forderungen des jetzigen UG-Geschäftsführers an Willing und Döll, die sich auf mehr als 10 000 Euro summieren, geht es auch um Einnahmen aus dem Verkauf von Dauerkarten sowie von Speisen und Getränken nach drei Heimspielen. Döll nahm das Geld in bar unter Zeugen an sich. Was damit passierte, weiß nur er selbst. Auf das UG-Konto wurde das Geld nicht eingezahlt, abgesehen davon, dass die Dauerkarten-Erlöse laut Abteilungsleiterin Antje Salzer der TSG zustünden.

Was die Spielerinnen insbesondere sauer machte: Döll sammelte knapp 500 Euro von der Mannschaft ein, um kostengünstiger eine Sammelbestellung von Sportbekleidung beim Ausrüster vornehmen zu können. Auch dieses Geld landete nicht auf dem UG-Konto. Was passierte damit?

„Ein Missverständnis“

Auf die expliziten Nachfragen antwortet Döll kurz angebunden: „Da haben wohl ein paar Menschen Hilfsbereitschaft, Engagement und Investition verkehrt verstanden. Für mich spricht in dieser Angelegenheit meine Anwaltskanzlei.“ Punkt.

Dölls Justiziar Antonius Kleikamp, der auch schon als Sponsor der Handballmannschaft gewirkt haben soll, teilt der TZ mit, „dass ich hier und heute nicht im Einzelnen auf die von Ihnen angesprochenen Dinge antworten kann“. Grundsätzlich finde er es befremdlich, dass die Leistungen von Herrn Döll nicht anerkannt werden. Etwaige Zahlungen an ihn oder zu seinen Gunsten dürften nicht isoliert betrachtet werden. Sein Mandant habe weit höhere Ansprüche an die UG, behauptet Kleikamp. Er nennt auch eine Summe: 192 000 Euro.

In der Auflistung, aus der dieser Betrag resultiert, führt Kleikamp in einem Schreiben an Pohls Anwalt angebliche Provisionen in Höhe von 150 000 Euro auf, die Döll aus der Einnahme von Sponsorengeldern zustünden. Eine solche Regelung haben die UG-Gesellschafter aber nie getroffen. Jedenfalls liegt dazu kein notwendiger Beschluss vor. Überhaupt liegt weder Pohl noch dieser Zeitung etwas vor, worauf Döll seine Forderungen stützt. Auch keine Vereinbarung zwischen Döll und Ex-Geschäftsführer Willing, auf die sich sein Rechtsanwalt bezieht, wenn es um die rätselhaften Geldflüsse vom UG-Konto geht. Selbst wenn es diese gäbe: Auch die Übertragung der Entscheidungsgewalt an Döll hätte von allen Gesellschaftern abgesegnet werden müssen.

Immerhin: Die Kosten für den Golf-Trolley und die Lederjacke, das sieht Kleikamp ein, die könnten mit den Forderungen seines Mandanten verrechnet werden. Außerdem: Döll habe Pohl vor dem Überlassen seiner Gesellschafteranteile das Angebot unterbreitet, 5000 Euro zu zahlen und damit die Sache auf sich beruhen zu lassen. „Großzügig“, bewertet dies Kleikamp. Pohl lehnte ab.

„Für Fehler geradestehen“

„Es geht mir um das komplette Geld, es steht den Spielerinnen zu“, begründet er den Entschluss zur Strafanzeige. „Es geht mir darum, eine Bilanz für das Finanzamt erstellen zu können, was ich ohne einen einzigen Beleg seit März 2018 nicht kann. Und es geht mir darum, dass Gerhard Döll nicht das gleiche Spiel woanders treibt.“

Was Pohl, der neue starke Mann im Ober-Eschbacher Handball, auch sagt: „Ich glaube ja, dass Döll es im Grunde als Manager gut gemeint hat. Man kann eine Kapitalgesellschaft aber so nicht führen. Und wenn man Fehler gemacht hat, muss man dafür geradestehen.“

Kommentar von TZ-Sportchef Thorsten Remsperger:

Gerhard Döll hat vom Geld, das für die Ober-Eschbacher Handballmannschaft bestimmt war, für den privaten Bedarf eingekauft. Er hat noch Fahrtkosten in Rechnung stellen lassen, als er schon zurückgetreten war. Und jetzt fordert der Ex-Manager rückwirkend noch 192 000 Euro für seine Verdienste ein. Für jeden Ehrenamtler dürften diese dreisten Vorgänge wie ein Schlag ins Gesicht sein.

Döll war einer der Gesellschafter, die sich finanziell für die Ober-Eschbacher Handballmannschaft eingagierten. In welcher Größenordnung, darüber gibt es keine Angaben und erst recht keine Belege. Döll war zudem mehr als sieben Jahre ehrenamtlich als Manager für die Mannschaft tätig. Er hat die Spielerinnen verpflichtet, Sponsoren akquiriert, zum Beispiel um manchem Neuzugang einen Leihwagen stellen zu können, er hat Spielerinnen und dem Trainer zuletzt monatliche Aufwandsentschädigungen in Höhe von 150 bis 600 Euro zahlen lassen, er hat Ausrüster-Vergünstigungen ausgehandelt.

Dass viele dieser Vorgänge unter der Hand liefen, ohne Verträge oder Belege, ist allerdings keine professionelle Vorgehensweise und vielleicht auch von strafrechtlicher Relevanz. Dass Döll jetzt rückwirkend für seine Tätigkeit auch noch Geld einfordert, ist schlichtweg eine Frechheit. Denn dass er ein Ehrenamt ausführt, musste ihm von Beginn an klar gewesen sein.

Ein schlechtes Bild gibt derweil die Vereinsführung der TSG Ober-Eschbach ab. Sie hat dem Handballmanager auch dann noch freie Hand gelassen, als längst bekannt war, wie der Mann arbeitet.

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