Jubeln können sie: links der TuS Dietkirchen, rechts der SV Rot-Weiß Hadamar.
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Jubeln können sie: links der TuS Dietkirchen, rechts der SV Rot-Weiß Hadamar.

Fußball: Hessenliga-Spezial

SV Rot-Weiß Hadamar und TuS Dietkirchen dürfen ins „Paradies“

Sowohl der SV Rot-Weiß Hadamar als auch der TuS Dietkirchen spielen im Frühjahr in der Play-off-Runde mit den Besten der Fußball-Hessenliga. Wir blicken zurück auf die Gruppenphase.

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie und der damit verbundenen Tatsache, dass in Hessens „Belétage“ durch den Regionalliga-Abstieg von Eintracht Stadtallendorf und dem FC Bayern Alzenau satte 22 Vereine zu Hause sind, hatte der Hessische Fußball-Verband (HFV) in Absprache mit den Vereinsvertretern entschieden, die Spielklassen in Nord-Ost (Gruppe A) und Süd-West (Gruppe B) aufzuteilen. In beiden Gruppen spielten elf Clubs, weitestgehend regional zugeordnet.

Im Modus „jeder gegen jeden“ galt es ab Mitte August, mit Hin- und Rückspiel alleine 20 Partien pro Verein in vier Monaten zu absolvieren. Anschließend - das war am letzten Sonntag der Fall - hatten sich die jeweils besten Fünf für die Aufstiegsrunde Richtung Regionalliga Südwest qualifiziert, während die verbliebenen jeweils sechs Clubs aus jeder Gruppe ab März 2022 die Abstiegsrunde bestreiten werden.

Die Vorzeichen aus Sicht der Mannschaften aus dem Fußballkreis Limburg-Weilburg waren klar: Der SV Rot-Weiß Hadamar wollte mit aller Macht in die Play-offs, die Elf vom Reckenforst möglichst viele Punkte sammeln, um in der Abstiegsrunde bestenfalls zeitnah den Klassenerhalt einzutüten. Wie es letztlich ausgegangen ist, wissen wir inzwischen. Beide Vertreter aus dem NNP-Land werden in der Aufstiegsrunde mitmischen. Das gleicht vor allem in Bezug auf den TuS Dietkirchen einer absoluten Sensation. Wenn dem neutralen Beobachter dann noch die Konstellation in Gruppe B drei Wochen vor Beendigung der Runde vor Augen geführt wird, wird das alles noch unglaublicher. Doch der Reihe nach . . .

SV Rot-Weiß: Saisonziel erreicht

Der SV Rot-Weiß Hadamar hatte - trotz recht kleinem Kader - einen Topstart in die Spielzeit 2021/22 erwischt. Nach einem 3:0-Auftaktsieg bei Viktoria Griesheim kam es bereits am 2. Spieltag zum Kreisderby gegen den TuS Dietkirchen. Die Rot-Weißen mussten zunächst einem Rückstand hinterherlaufen, drehten dann das Spiel, kassierten kurz vor dem Ende den Ausgleich und sorgten in der Nachspielzeit doch noch für den etwas glücklichen 3:2-Erfolg. Beim SC Waldgirmes folgte trotz zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand eine Punkteteilung - die Mannschaft von Trainer Stefan Kühne blieb also ungeschlagen.

Nach einem beeindruckenden 3:1 gegen Top-Favorit SC Hessen Dreieich war Hadamar erstmals Tabellenführer der B-Staffel. Diese Vormachtstellung behauptete die Truppe um den neuen Kapitän Jerome Zey durch einen 1:0-Sieg bei Türk Gücü Friedberg. Als es aufgrund der seltsamen Spielplan-Konstellation schon vier Tage später zum Rückspiel beim TuS Dietkirchen kam, brach der Nimbus der Unbesiegbarkeit. Der TuS entschied das Spiel überraschend deutlich mit 4:1 für sich, die Tabellenführung blieb aber erhalten. Die nächste Serie ließ nicht lange auf sich warten: 5:2 gegen Bad Vilbel, ein 2:1 gegen Waldgirmes und ein 2:0-Auswärtssieg bei Rot-Weiß Walldorf sorgten dafür, dass die Spitzenposition zementiert wurde. Als das absolute Topspiel gegen den FC Eddersheim daheim mit 1:4 in die Hose gegangen war, fingen Leistung und Resultate gehörig an zu bröckeln.

Es folgte ein 3:4 beim SV Zeilsheim; die Hadamarer hatten schon zur Pause nach desolater Vorstellung mit 0:4 hinten gelegen. Und doch gelang es der Mannschaft von Stefan Kühne, die Spitze zurückzuerobern - und zwar auf beeindruckende Art und Weise. War das 4:1 gegen Schlusslicht VfB Ginsheim noch eine Pflichtaufgabe, so entschieden die Fürstenstädter auch das Rückspiel beim SC Hessen Dreieich mit 1:0 für sich.

Alles sah danach aus, als könne dem SVH die Qualifikation für die Aufstiegsrunde niemand mehr nehmen. Weit gefehlt. Als im Rückspiel in Ginsheim eine peinliche 0:2-Niederlage folgte, wurde es ungemütlicher. Die Rot-Weißen zollten letztlich auch ihrem kleinen Kader Tribut. Verletzungen häuften sich, unnötige Platzverweise kamen hinzu. Das 0:2 auf eigenem Platz gegen Zeilsheim ließ die Alarmglocken schrillen. So richtig bedenklich war der folgende Auftritt beim neuen Primus, FC Eddersheim (0:4). Als es auch noch ein unglückliches 0:2 gegen Rot-Weiß Walldorf setzte - Hadamar war zum vierten Mal nach Gang ohne eigenen Treffer geblieben -, standen die Zeiger auf „fünf vor zwölf“. Der 20. Spieltag hätte dafür sorgen können, dass die Fürstenstädter erstmals aus der oberen Tabellenhälfte hätten fliegen können, doch genau dieser Druchgang entpuppte sich für Rot-Weiß als absoluter Glückstag. Hadamar selbst war spielfrei. Alle potenziellen Verfolger verloren ihre Spiele, was dazu führte, dass den Hadamarern im vorletzten Spiel bereits ein Punkt ausreichte, um die Qualifikation für die Play-offs sicherzustellen. Das gelang der Kühne-Elf beim 1:1 in Bad Vilbel.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der SV Rot-Weiß das letzte Spiel unbedingt gewinnen müssen. Denn zum Kehraus gab es die nächste Pleite: 2:4 gegen Türk Gücü Friedberg. Im Endeffekt war es vielleicht auch das Glück des Tüchtigen - oder vor allem der bärenstarke Saisonstart, der die Mannschaft ins Ziel rettete. Das Saisonziel jedenfalls hat der Coach mit seiner Truppe erreicht. Aber wen interessiert das noch, sobald im März der Ball wieder rollt?

Das Märchen vom Reckenforst

Aus Sicht des TuS Dietkirchen wirkt der Rückblick auf die Gruppenphase der Hessenliga B wie ein Märchen. Der Saisonstart war mit dem 2:0 gegen den FV Bad Vilbel geglückt, ehe es am 2. Spieltag die Last-Minute-Pleite beim Lokalrivalen SV Rot-Weiß Hadamar (2:3) zu verdauen galt. Das sollte den Jungs vom Reckenforst in der Woche danach eindrucksvoll gelingen: Gegen Rot-Weiß Walldorf gab es nach einem wahren Feuerwerk in der ersten Halbzeit ein 5:2 zu bejubeln.

Doch das alte Lied, zu Hause jeden Gegner besiegen zu können, auswärts jedoch nicht so richtig in Tritt zu kommen, sollte weiterspielen. Beim FV Bad Vilbel kassierten „Wörsis“ junge Männer eine unnötige 1:3-Niederlage. Dass es auf fremden Plätzen auch besser laufen kann, belegte das 2:2 beim späteren Zweiten, FC Eddersheim. Aber plötzlich folgte eine 0:1-Heimniederlage gegen Zeilsheim - verkehrte Welt also. Nach einem berauschenden 4:1 im Rückspiel gegen Hadamar und einer Punkteteilung in Ginsheim sah es für die Schwarz-Roten inzwischen tabellarisch prächtig aus - Rang vier nach acht absolvierten Partien.

Zwei Niederlagen gegen Viktoria Griesheim (1:3) und in Walldorf (3:4) setzten die Schwarz-Roten dann aber schon ein wenig unter Druck. Mit diesem können die Akteure aus dem Limburger Stadtteil aber bekanntlich beeindruckend umgehen, schließlich gewann Dietkirchen mit 4:3 beim SC Waldgirmes; und das nach zwischenzeitlichem 1:3-Rückstand. Es war der erste Auswärtssieg seit über zwei Jahren - und was für einer.

Was folgte, glich schon einer kleinen Herbst-Depression. Drei Nullrunden am Stück (0:2 gegen Dreieich, 0:3 bei Türk Gücü Friedberg, 0:1 gegen Eddersheim) bedeuteten schon wieder eine Belastungssituation. Die Fühler der Spieler waren nun dahingehend eingestellt, vor allem Punkte in direkten Duellen gegen Widersacher zu holen, die mit in die Abstiegsrunde wandern würden. Entsprechend emotional und ebenso wichtig war der 2:1-Sieg gegen Türk Gücü Friedberg. Da konnten es Max Zuckrigl & Co. auch verschmerzen, trotz ansprechender Leistung mit 1:2 in Dreieich verloren zu haben.

Von Bedeutung war auch das 2:2 gegen Waldgirmes. Drei Spieltage vor Rundenende rangierte Dietkichen auf Platz acht mit acht Zählern Rückstand auf den letzten Play-off-Platz Richtung Aufstiegsrunde. Es passierte Unglaubliches. Vermutlich muss man in den Annalen suchen, ob es eine derartige Aufholjagd im deutschen Fußball schon einmal gegeben hat. Klar, acht Punkte (bei noch neun zu vergebenden Zählern) hat sicherlich schon mal ein Verein gutgemacht, dabei aber nicht nur einen, sondern gleich drei Vereine hinter sich zu lassen, dürfte schon außergewöhnlich sein.

Der Startschuss war das 2:1 in Griesheim - die Aufstiegsrunde war zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar kein Thema. Als eine Woche später Fortuna mit dem TuS im Bunde war, Ginsheim mit 2:1 besiegt wurde und die Konkurrenz auch noch mitspielte, hatte die „Wörsi-Gang“ tatsächlich ihr Endspiel. Dieses gewann Dietkirchen eindrucksvoll mit 3:1 in Zeilsheim. Wieder hatten sämtliche Konkurrenten gepatzt, und das Märchen war zu Ende geschrieben. Unfassbar. Der vorzeitige Klassenerhalt darf sicherlich als der größte sportliche Erfolg in der Vereinshistorie des TuS bezeichnet werden.

Ab März soll die Weiterentwicklung der Spieler im Vordergrund stehen. Der scheidende Trainer Thorsten Wörsdörfer hat die Gewissheit, dass ihm die Verantwortlichen vom Reckenforst ein Denkmal errichten können. PATRICK JAHN

Fußball-Hessenliga in Zahlen

Abschlusstabelle, Gruppe A

1. (1) SGB Fulda-Lehnerz 20 14 3 3 45:21 45

2. (2) Eintr. Stadtallendorf 20 13 5 2 42:16 44

3. (3) FC Erlensee 20 11 5 4 44:22 38

4. (4) FSV Fernwald 20 6 9 5 39:38 27

5. (5) SV Neuhof 20 7 4 9 29:34 25

6. (6) FC Hanau 93 20 6 6 8 32:33 24

7. (7) Bayern Alzenau 20 5 8 7 32:34 23

8. (8) Hünfelder SV 20 5 8 7 28:30 23

9. (9) KSV Baunatal 19 5 6 8 26:31 21

10. (10) Buchonia Flieden 19 4 4 11 22:48 16

11. (11) SV Steinbach 20 2 4 14 18:50 10

Nachholspiel: SV Buchonia Flieden - KSV Baunatal am Samstag, 26. Februar

Abschlusstabelle, Gruppe B

1. (1) Hessen Dreieich 20 13 2 5 48:29 41

2. (2) FC Eddersheim 20 12 3 5 46:27 39

3. (3) SC Waldgirmes 20 10 4 6 43:33 34

4. (4) SV RW Hadamar 20 9 3 8 35:37 30

5. (5) TuS Dietkirchen 20 8 3 9 37:37 27

6. (6) Rot-Weiß Walldorf 20 8 3 9 34:35 27

7. (7) SV Zeilsheim 20 8 2 10 38:38 26

8. (8) Viktoria Griesheim 20 8 2 10 37:39 26

9. (9) Türk Gü. Friedberg 20 5 8 7 31:36 23

10. (10) FV Bad Vilbel 20 5 5 10 19:37 20

11. (11) VfB Ginsheim 20 4 5 11 26:46 17

Aufstiegsrunde

1. Eintr. Stadtallendorf 8 5 2 1 18:7 17

2. FC Eddersheim 8 4 1 3 15:11 13

3. SGB Fulda-Lehnerz 8 4 1 3 13:13 13

4. SV Rot-Weiß Hadamar 8 4 1 3 13:18 13

5. SC Hessen Dreieich 8 4 0 4 15:17 12

6. SC Waldgirmes 8 3 2 3 17:15 11

7. FC Erlensee 8 3 2 3 12:12 11

8. TuS Dietkirchen 8 2 2 4 15:16 8

9. FSV Fernwald 8 1 4 3 13:18 7

10. SV Neuhof 8 2 1 5 9:15 7

Abstiegsrunde

11. Bayern Alzenau 10 5 5 0 22:10 20

12. Rot-Weiß Walldorf 10 5 2 3 19:16 17

13. Viktoria Griesheim 10 5 1 4 21:17 16

14. FV Bad Vilbel 10 4 3 3 8:10 15

15. SV Zeilsheim 10 4 2 4 22:16 14

16. Türk Gü. Friedberg 10 3 5 2 17:16 14

17. KSV Baunatal 9 4 2 3 14:14 14

18. Hünfelder SV 10 3 3 4 14:15 12

19. Buchonia Flieden 9 3 2 4 15:21 11

20. FC Hanau 93 10 2 4 4 14:15 10

21. SV Steinbach 10 2 4 4 13:17 10

22. VfB Ginsheim 10 1 3 6 10:22 6

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