Vor dem Anpfiff war die Hadamarer Welt noch in Ordnung, als Stammtorwart Christopher Strauch (Mitte) im Kreise seiner Mitspieler und dem Betreuer- und Vorstandsteam für 250 Oberliga-Spiele geehrt wurde.
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Vor dem Anpfiff war die Hadamarer Welt noch in Ordnung, als Stammtorwart Christopher Strauch (Mitte) im Kreise seiner Mitspieler und dem Betreuer- und Vorstandsteam für 250 Oberliga-Spiele geehrt wurde.

Fußball-Hessenliga, Gruppe B

SV Rot-Weiß Hadamar „vergeigt“ den Jahresabschluss

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Für beide Mannschaften ging es im letzten Spiel der Gruppenphase in der Fußball-Hessenliga, Gruppe B, um nichts mehr; der SV Rot-Weiß Hadamar war für die Play-offs, Türk Gücü Friedberg für die Play-downs qualifiziert. Aber von „Freundschaftsspiel“ war das Geschehen auf dem Niederhadamarer Kunstrasen weit entfernt.

SV Rot-Weiß Hadamar – Türk Gücü Friedberg 2:4 (0:1). Vor allem die Friedberger legten los, als gäb’s kein Morgen. Die Spieler im schwarzen Trikot waren laut, sie waren aggressiv, sie waren dominant. Einer der Antreiber, Noah Michel, prüfte Rot-Weiß-Keeper Leon Hasselbach, der per Fuß klärte (9.).

Die Hadamarer kamen mit dem frühen Pressing der Wetterauer überhaupt nicht klar. Dennoch hätten sie führen können, als Mirko Dimter nach einem Freistoß aus dem Halbfeld mit seinem wuchtigen Kopfstoß Torwart Felix Koob zum Reflex zwang (17.). Ärgerlich.

Mitte der ersten Halbzeit hatte der SVH kämpferisch zumindest mit Türk Gücü gleichgezogen. Als nach einem Friedberger Ballverlust plötzlich Jerome Zey und Jason Schäfer mit Keeper Koop im 16er allein waren, gewann der Torwart. Es gab nur wenige Hadamarer Befreiungsmomente, und die waren nicht wirklich zwingend. Wie es besser geht, zeigte die Mannschaft von Trainer Carsten Weber quasi mit dem Pausenpfiff: Der unberechenbare und quicklebendige Kento Hyodo sauste unwiderstehlich von links in die Gefahrenzone, bediente den ebenso auffälligen Daisuke Fukuhara – 0:1 (45.).

Hatten die Rot-Weißen in der Halbzeitpause Erkenntnisse gewonnen? Es schien zumindest so, denn Jerome Zey schloss eine tolle Einzelleistung mit dem Ausgleich ab (48.). Es sollte der Beginn eines fröhlichen Scheibenschießens werden. Die Hadamarer Freude währte indes gerade einmal vier Minuten, da hatte Murad Mahmoudov gegen den machtlosen Leon Hasselbach im SVH-Tor erneut zur Türk-Gücü-Führung eingelocht. Anstoß, Solo Jason Schäfer, 2:2 (53.). Den wenigen Zuschauern unter 2G-Bedingungen wurde es allmählich kuschelig warm. Leon Hasselbach musste sich lang und länger machen, um Hyodo Kentos 20-Meter-Geschoss aus dem Winkel zu fischen.

Eine Minute später führte Friedberg schon wieder. Nach erneut schwacher Hadamarer Defensivleistung traf der starke Murad Mahmudov zum zweiten Mal (62.). Rot-Weiß-Coach Stefan Kühne brachte die zunächst auf der Bank sitzenden Luca Teller, Jan Bangert und Mirco Paul, aber das Ding war gelaufen. Noah Michel krönte seine überragende Leistung mit dem Treffer zum 4:2 (72.). Die letzte Viertelstunde glich dann tatsächlich dem „Freundschaftsspiel“, das fast alle erwartet hatten.
Stefan Kühne ging anschließend nicht nur mit seiner Mannschaft, sondern vor allem mit sich selbst hart ins Gericht: „Es hat sich in den letzten Spielen gezeigt, dass meine Saisonvorbereitung nicht hart genug gewesen ist. Wir haben von den guten und erfolgreichen Spielen zum Saisonbeginn gezehrt.“ Vor allem an der Defensivarbeit gelte es zu arbeiten, allerdings – das gab er seinen Offensivkräften zu denken – fange Defensivarbeit bereits in der Angriffsreihe an. „Jetzt sollen sich alle erstmal ausruhen, regenerieren, und dann kommt eine knackige Vorbereitung auf die Aufstiegsrunde“, verspricht Stefan Kühne. Darauf dürfen sich seine Spieler jetzt schon „freuen“.

Viel zufriedener war natürlich sein Friedberger Kollege Carsten Weber. „Das tat heute gut nach der schlechten Phase, die hinter uns liegt. Das Spiel hatte für uns auf jeden Fall noch eine große Bedeutung, denn wir wollten mit einem guten Gefühl in die Pause gehen.“ Dass seine Spieler 90 Minuten lang laut auf dem Platz kommuniziert hatten, wertete der Türk-Gücü-Coach äußerst positiv. „Sie sind sehr jung und leben das Momentum“, sagt Carsten Weber. Was gibt er seiner Mannschaft mit in die Winterpause? „Wir wissen, dass wir wettbewerbsfähig sind. Jetzt müssen alle regenerieren, sollen aber auch eine schöne Zeit mit ihren Familien und Freunden verbringen, um dann mit Mut und Spaß in die zweite Saisonhälfte zu gehen.“ MARION MORELLO

Hadamar: Hasselbach, Dimter, Kittel, Sedy (58. Teller), Schäfer, Zey, Monteiro-Carvalho (61. Bangert), Velemir (61. Paul), Dillmann, Neugebauer, Koch – Friedberg: Koob, Biber, Henrich, Jost (81. Imek), Hyodo, Lee, Mahmudov (90. Sangl), Fukuhara, Schorr, Häuser, Michel – SR: Jantz (Wiesbaden) – Tore: 0:1 Dausuke Fukuhara (45.+1), 1:1 Jerome Zey (48.), 1:2 Murad Mahmudov (53.), 2:2 Jason Schäfer (55.), 2:3 Murad Mahmudov (62.), 2:4 Noah Michel (73.) – Zuschauer: 120.

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