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Trainer Tobias Beck spricht in einer Spielpause mit Gustavo Tsuboi, Spitzenspieler des TTC OE Bad Homburg.

Tischtennis, 1. Bundesliga

Taktik-Fuchs Tobias Beck coachte schon die Großen

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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In einer Mannschaft mit Jörg Roßkopf und später mit Timo Boll: Tobias Beck, Trainer des Tischtennis-Bundesligisten TTC OE Bad Homburg, hat in seiner Tischtennis-Laufbahn bereits viel erlebt.

Bad Homburg – Wenn „Münster bei Dieburg“ als nähere Ortsangabe fällt, dann klingelt es bei heimischen Tischtennis-Anhängern sogleich. Schließlich stammt Bundestrainer Jörg Roßkopf, inzwischen 51 Jahre alt, aus der 14 000-Seelen-Gemeinde in Südhessen. Jener Roßkopf, der 1989 mit Steffen Fetzner durch den Gewinn des WM-Titels im Doppel Tischtennis in Deutschland auf einen Schlag populär machte.

Natürlich haben sich die Wege von Tobias Beck (46), ebenfalls im Tischtennis-verrückten Münster aufgewachsen, und Roßkopf gekreuzt. Aber viel später, als man glaubt. „Jörg fing bei der DJK Blau-Weiß, ich beim kleineren TV an“, erzählt Beck. Beim TTV Gönnern gehörten sie dann später der gleichen Bundesliga-Mannschaft an: Roßkopf als Spieler, Beck als Co-Trainer. Von 2000 bis 2004 war das. Da hatte Beck, inzwischen Trainer des TTC OE Bad Homburg, schon längst von der Spieler- auf eine Trainerkarriere umgesattelt.

Dass es nicht ganz nach oben reichen würde, habe er nach dem Abitur in den 90er Jahren gemerkt, erzählt Beck. Beim damals noch zweitklassigen Gönnern versuchte es der Jugendnationalspieler zwei Jahre als Profi. Nach dem Aufstieg erhielt aber unter anderem ein gewisser Timo Boll den Vorzug. Beck nutzte lieber seine guten Kontakte, um beim Hessischen Tischtennis-Verband (HTTV) als Honorartrainer anzufangen – und verdiente so trotzdem mit seinem Lieblingssport schon früh den Lebensunterhalt. Denn Beck war so gut, dass ihm in Frankfurt an der Otto-Fleck-Schneise bald eine Festanstellung angeboten wurde.

Als Bundestrainer bei der WM und EM

Beck coachte nicht nur hessische Talente, sondern auch Nationalspieler. Ruwen Filius nahm ihn einmal als Trainer mit zu einem Turnier in Japan, die deutschen Damen betreute er in der Saison 2004/05 gar als Bundestrainer bei den Weltmeisterschaften in Shanghai und bei den Team-Europameisterschaften in Aarhus (Rang sieben). Eigentlich war die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tischtennis-Bund bis Olympia 2008 in Peking vereinbart, doch machte Beck – damals schon zweifacher und inzwischen vierfacher Familienvater der Söhne Linus, Finn, Levin und Tochter Maya – einen harten Cut. Es wurde ihm zu viel. Zu oft war er damals von seiner Familie getrennt.

Beck erzählt dennoch gerne aus dieser Zeit, auf prominente Wegbegleiter wie Boll oder Filius geht er freilich nur kurz ein. Enthusiastischer wird es in seiner Rede, als er von seiner „zweiten Trainerkarriere“ berichtet. Bei den Blau-Weißen, dem Roßkopf-Club, einem der größten hessischen Tischtennis-Vereine mit mehr als 20 Mannschaften, stieg er nach seiner Auszeit quasi vor der Haustür wieder ein. Bald wuchs die Arbeit zu einem Fulltime-Job an. Dazu arbeitete der Münsterer Cheftrainer als Sportlehrer eines Gymnasiums. „Man kriegt an der Basis mehr von den Menschen zurück als im Hochleistungssport“, stellte Beck fest.

Deswegen engagierte er sich auch mit Herzblut für den HTTV, seitdem dieser 2015 wieder anklopfte. Projekte wie der „Kümmerer“, in dem es um mehr Wertschätzung für die treuen ehrenamtlichen Helfer seines Sports ging, oder sein Amt als hessischer Schulsportbeauftragter sind ihm wichtig. Als hauptamtlicher Trainer für den Bundes- und Landesstützpunkt hat er die Talente unter seinen Fittichen. Einer seiner Schützlinge: Tayler Fox vom TTC OE Bad Homburg.

Die Pandemie macht’s möglich

Dass Tobias Beck jetzt im Taunus gelandet ist, hängt aber nicht mit dieser Verbindung zusammen, sondern tatsächlich mit der Corona-Pandemie. TTC-OE-Geschäftsführer Mirko Kupfer, den er als Spieler schon ewig kenne, habe vor zwei Jahren schon einmal angefragt. „Da hat es terminlich nicht gepasst“, erzählt Beck. Jetzt schon, denn seit geraumer Zeit sind Wettkämpfe und sogar Trainingseinheiten im Tischtennis überschaubar geworden. Während des Lockdowns spielt in Deutschland gerade nur die 1. Bundesliga – und weil es bei seinem Vorgänger Tobias Kirch terminlich eben nicht mehr passte, kam Beck ins Spiel.

Zu einem Sieg hat es für den Aufsteiger auch unter ihm noch nicht gereicht. Umso wichtiger wäre ein Erfolg am Sonntag, wenn um 15 Uhr der ebenfalls punktlose TTC Zugbrücke Grenzau in der Wingert-Sporthalle gastiert. „Ich sehe leichte Vorteile für uns“, geht der Coach das „Geisterspiel“ optimistisch an.

Gerade die Youngster im Team müssten aber noch lernen, ihr Spiel bis zum Schluss durchziehen. Dass sie dank Beck offensichtlich mit der richtigen Taktik in ihre Partien gehen, bewiesen sie gleich bei seinem Einstand am 8. November, als bei Borussia Düsseldorf in allen drei Einzeln der erste Satz an die Außenseiter aus Ober-Erlenbach ging. „Ich bin ein Taktik-Fuchs“, grinst Beck.

Wer weiß, vielleicht muss Tobias Beck sich bald sogar über eine Strategie gegen den TTC OE Gedanken machen. Für Eintracht Frankfurt geht der 46-Jährige in der Oberliga Hessen selbst noch an die Platte. Falls die Saison fortgeführt wird, käme es zum Spitzenspiel gegen den ebenfalls verlustpunktfreien Rivalen: die 2. Mannschaft der Ober-Erlenbacher.

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