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Für beide geht es um den Klassenerhalt: Thies Boger (links) von der SG Weilmünster/Laubuseschbach und Nico Rossel (rechts) von der SG Selters 2.

Serie: Winterpause im NNP-Land

SG Taunus wie entfesselt

Winterpause im NNP-Fußball-Land. Das ist die Gelegenheit, die Spielklassen von den Oberligen abwärts bis zu den Kreisligen C Limburg-Weilburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute blicken wir hinter die Kulissen der Kreisliga A, in der die SG Taunus mit Meilenstiefeln Richtung Kreisoberliga marschiert, während die halbe Liga um den Klassenerhalt bangt.

VON PATRICK JAHN

Drehen wir die Rückblende: Im Juni 2018 eigentlich sportlich abgestiegen, war die SG Taunus aufgrund des vermehrten Aufstiegs Nutznießer und durfte in der Kreisliga A verweilen. Es folgte ein fünfter Tabellenplatz in der Folgesaison und ein märchenhaftes Fußballjahr 2019. Die Spielgemeinschaft aus Eisenbach und Haintchen ist nach 21 von 32 absolvierten Spielen das unangefochtene Maß aller Dinge in der A-Klasse. 57 Punkte, 60:14 Tore, nur zwei Niederlagen und satte elf Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger, TSG Oberbrechen.

Hand auf's Herz: Eigentlich kann sich der Tabellenführer auf dem Weg Richtung Kreisoberhaus nur selbst ein Bein stellen. Besonders beachtlich: Nur 14 Gegentore - ein Wert, der seinesgleichen sucht. Alleine die ersten neun Saisonspiele gingen durchweg an die SG Taunus, die zwischen Ende August und Ende September fünfmal hintereinander keinen Treffer eines Gegners zugelassen hat.

Bombastische Serie mit 30 Punkten

Die Werte sind eines Spitzenreiters zweifelsfrei mehr als würdig. Selbst der Rückschlag, eine 1:2-Niederlage beim FC Dorndorf 2, vermochte die Truppe um Spielertrainer José Ferreira nicht aus der Bahn zu werfen. Es folgte erneut eine bombastische Serie mit 30 Punkten aus zehn Spielen. Da die Konkurrenz regelmäßig Federn ließ, durfte es sich der Liga-Primus sogar erlauben, am letzten Spieltag vor der Winterpause noch einmal zu patzen. Das 1:2 gegen die SG Villmar/Arfurt/Aumenau war zugleich die einzige Niederlage auf eigenem Platz.

Auch wenn der Vorsprung komfortabel erscheint, wird die Taunus-Elf nach der Winterpause ihre Sinne schärfen, denn zumindest die TSG Oberbrechen und die SG Nord, die beide noch ein Nachholspiel in der Hinterhand halten, haben ihre Hoffnungen auf den direkten Aufstieg noch nicht aufgegeben. Aber auch der Spielplan meint es gut mit der SGT: Von den ersten sechs Partien ab Anfang März geht es gegen fünf Abstiegskandidaten. Bleibt die Spielgemeinschaft also konzentriert und diszipliniert, kann die "Messe" theoretisch schon Anfang April gelesen sein.

Für die TSG Oberbrechen - Absteiger aus der Kreisoberliga - war der Plan nach der Verpflichtung von Spielertrainer Alexander Schraut klar: Die Gelb-Schwarzen wollen mit aller Macht zurück in die Kreisoberliga. Mit der Maximalausbeute aus drei Spielen gestartet, erlaubte sich die TSG immer mal wieder einen Ausrutscher. Besonders bitter: das 1:2 im direkten Duell gegen Mitkonkurrent SG Nord oder auch die Niederlage im Nachbarschaftsduell mit der SG Selters 2 (1:2). Durch diese - zum Teil unnötigen - Punktverluste dürfte es mehr als knifflig werden, den Tabellenführer noch abzufangen. Tagesordnungspunkt eins wird also aus Sicht der Oberbrecher sein, zumindest den zweiten Platz, der für die Relegation berechtigt, zu halten.

Gegen dieses Ziel wird sich aber mit der SG Nord mindestens noch ein weiterer Verein mit aller Macht stemmen. Die Offensivwucht der Liga (70 Tore) hatte in einer insgesamt zufriedenstellenden Hinserie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die TSG Oberbrechen. Fulminanten Kantersiegen (7:1, 6:1, 9:0) folgten immer wieder Aussetzer, die teilweise nicht zu erklären waren. Beispielsweise ein 1:4 auf eigenem Platz gegen Kellerkind SG Weilmünster/Laubuseschbach oder auch gegen die FSG Wirbelau/Schupbach/Heckholzhausen (1:4). Ansonsten lebt die Hoffnung der Westerwälder auf Rang zwei völlig zu Recht.

Auf den Relegationsplatz spekuliert unter Umständen auch noch Eschhofen (4.). Allerdings hat der VfL bei fünf Zählern Rückstand auf die Oberbrecher zusätzlich ein Spiel mehr absolviert und wird es demnach schwer haben. Vor allem der wechselhafte Saisonstart mit drei Siegen, drei Niederlagen und einem Unentschieden dürfte für die Jungs von Adem Bülbül im Nachhinein eine Hypothek darstellen. Wenn die Eschhöfer aber in der Lage sind, bis zum Saisonende konstant zu punkten, könnte vielleicht noch was gehen.

Respekt vor der Weyerer Reserve

Ab dem RSV Weyer 2 (5.) beginnt die Zone der Vereine, bei denen wohl weder nach oben, noch nach unten etwas geht. Für die Weyerer Reserve ist das bisher Erreichte sicherlich als großer Erfolg zu bewerten, schließlich standen die Grün-Weißen in dieser Spielklasse noch nie besser als derzeit. Die SG Villmar/Arfurt/Aumenau (6.), die in ihren Leistungen doch extrem schwankt, wird mittlerweile zufrieden sein, nachdem es im Herbst doch deutlich schlechter ausgesehen hatte.

Vor der Saison hätte man Vereinen wie der SG Heringen/Mensfelden (7.) oder dem FC Steinbach (9.) durchaus etwas mehr zutrauen können. Beiden Vereinen wurden gute Chancen eingeräumt, im Aufstiegskampf mitzumischen, die Realität sieht aber doch anders aus. Während bei den Hünfeldenern aber nach gutem Saisonstart auch aufgrund von personellen Problemen die positiven Resultate ausblieben, war der personelle Aderlass bei den Steinbachern schlichtweg zu groß, um - wie im Vorjahr, als nur ein Tor zum Aufstieg gefehlt hatte - ganz vorne mit dabei zu sein. Kilic Görgülü & Co. werden es verkraften können. Mit Tabellenplatz acht hochzufrieden ist derweil die FSG Wirbelau/Schupbach/Heckholzhausen, die aus relativ wenig doch recht viel herausgeholt und eine beeindruckend gute Runde gespielt hat. In den Abstiegssumpf sollte die Dreierkombination nicht mehr geraten.

Ab Rang zehn wird's dann knackig. Grund dafür ist die Tatsache, dass sage und schreibe fünf direkte Absteiger unumgänglich scheinen, da aller Voraussicht nach drei Vereine aus der Kreisoberliga absteigen werden und die Richtzahl ab der nächsten Saison auf 16 festgesetzt wird. Für Schlusslicht TuS Obertiefenbach wird es nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga auch in der A-Klasse nicht reichen. Fünf Zähler nach 19 Spielen sprechen eine eindeutige Sprache. Was aber Mut für die Zukunft macht: Die Stimmung innerhalb des Teams bleibt trotz des Misserfolgs gut. Schwer haben wird es auch die FSG Gräveneck/Seelbach (16.), die schon sieben Punkte Rückstand zum rettenden Ufer aufweist. Klar: Die Lage ist nicht aussichtslos, aber knifflig, da es Woche für Woche direkte Duelle gibt, in denen zwangsläufig wichtige Punkte verteilt werden.

Sechs Vereine wollen sich noch retten

Die weiteren sechs Vereine, die sich noch zu retten versuchen wollen, stecken zum Teil überraschend, zum Teil aber auch erwartungsgemäß im Tabellenkeller. Den beiden Aufsteigern SG Weilmünster/Laubuseschbach (13.) und SG Selters 2 (15.) war von vornherein klar, dass es nur darum gehen wird, möglichst die Klasse zu halten. Beide Clubs halten sich mit 19 beziehungsweise 18 Punkten aber wacker und dürften Chancen haben, Ende Mai zu jubeln. Dass aber auch Kreisoberliga-Absteiger TuS Lindenholzhausen (14.) oder die FSG Dauborn/Neesbach (11.) mit derartigen Problemen zu kämpfen haben würden, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Von der Qualität der Kader müsste ein Platz über dem ominösen "Strich" drin sein, allerdings muss es andererseits auch fünf Vereine treffen. Gleiches gilt auch für den SV Erbach (12.) und den FC Dorndorf 2 (10.), die ebenfalls Erfolgserlebnisse benötigen, um sich zu befreien. Die Spannung im Abstiegskampf ist extrem, denn zwischen Platz zehn und 16 liegen gerade einmal vier Pünktchen.

Das Jahr 2020 verspricht also Spannung. Ohnehin präsentiert sich die A-Liga-Saison ein Stück weit kurios, denn nahezu an jedem Wochenende gibt es überraschende Ergebnisse.


Kreisliga A Limburg-Weilburg

1. SG Taunus 21 19 0 2 60:14 57

2. Oberbrechen 20 15 1 4 63:19 46

3. SG Nord 20 14 3 3 71:27 44

4. VfL Eschhofen 21 13 2 6 58:45 41

5. RSV Weyer 2 20 10 3 7 51:46 33

6. Villm./Arfurt/Aum. 21 10 2 9 42:46 31

7. Heringen/Mensf. 18 8 6 4 38:23 30

8. Wirb./Schup./Heck. 20 8 6 6 47:48 30

9. FC Steinbach 19 9 2 8 52:42 29

10. FC Dorndorf 2 20 7 1 12 33:57 22

11. Dauborn/Neesb. 19 6 3 10 41:47 21

12. SV Erbach 21 6 4 11 39:49 20

13. Lindenholzhaus. 20 6 1 13 25:40 19

14. Weilmü./Laubus. 19 6 1 12 38:50 19

15. SG Selters 2 19 6 0 13 37:53 18

16. Gräveneck/Seel. 19 3 5 11 26:71 14

17. Obertiefenbach 19 1 2 16 23:67 5

Punktabzug wegen fehlender Schiedsrichter: SV Erbach, SG Nord und SG Villmar/Arfurt/Aumenau jeweils 1 Punkt.

Torjäger

1. Marcel Jung (SG Taunus) 25

2. Milos Jovanovic (SG Nord) 19

3. Andrei Aurelian Moise (SG Nord) 18

4. Kilic Görgülü (FC Steinbach) Luca Weber (VfL Eschhofen) 17

6. Niklas Becker (VfL Eschhofen) 16

7. Mo. Al Mohammad (TSG Oberbrechen) Patrick Pfeiffer (Wirb./Schup./Heckho.) 14

9. Simon Leimpek (TSG Oberbrechen) Mariano Schroll (SV Erbach) 12

11. Christian Roos (SG Selters 2) 11

12. Julian Haake (SG Nord) Julius Litzinger (SV Erbach) Jonas Strom (FSG Dauborn/Neesbach) Marcel Wagemann (RSV Weyer 2) Ognjen Zoric (Wirb./Schup./Heckho.) 10

17. Michael Schick (FC Dorndorf 2) Felix Schmid (SG Heringen/Mensfelden) 9

19. Lennart Herr (Villmar/Arfurt/Aumenau) Philipp Krasnopolski (Weilmü./Laub.) Pascal Schmitt (TSG Oberbrechen) Maurice Voss (VfL Eschhofen) 8

23. Felix Barkowski (Weilmü./Laub.) Ricardo Bartoschek (FC Dorndorf 2) Davide Cicero (FC Steinbach) Philipp Fröhlich (SG Nord) Jonas Hetzl (Wirb./Schup./Heckho.) Adrian Kaiser (FC Steinbach) Jonas Kremer (TSG Oberbrechen) Dennis Wecker (RSV Weyer 2) 7

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