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Das Verbotsschild, aufgehängt an einem Sportplatz, gilt zwar nicht mehr für den Trainingsbetrieb. Für die laufende Spielzeit im Amateurfußball deutet inzwischen aber vieles auf einen Abbruch hin.

Fußball, Hochtaunus

Taunus-Fußballer wünschen sich Abbruch ohne Absteiger

Vertreter der 36 Fußball-Clubs im Hochtaunus geben eindeutige Empfehlung ab. HFV entscheidet am Samstag.

Hochtaunus -Die Fußballsaison 2019/20 im Hochtaunus wird beendet, die Tabellenführer in den vier Kreisligen steigen auf und es gibt keine Absteiger: Dies ist das Ergebnis der Videokonferenz, die am Mittwochabend unter Leitung von Kreisfußballwart Andreas Bernhardt (Oberursel) stattgefunden hat. Das Votum aus dem Taunus geht als Empfehlung an den Hessischen Fußball-Verband, der am Samstag für alle Spielklassen ab Hessenliga abwärts eine Entscheidung fällen wird.

"Ein solch eindeutiges Ergebnis hat es bei den bisherigen Kreiskonferenzen noch nicht gegeben", kommentierte Frank Illing die 89,9 Prozent Zustimmung für einen Abbruch und eine Wertung der bisher ausgetragenen Partien. Illing ist als Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung Mitglied im Vorstand des Hessischen Fußballverbands (HFV) und war deshalb ein Gast der virtuellen Zusammenkunft.

Der Einladung gefolgt waren auch Funktionäre aller 36 stimmberechtigten Fußballclubs im Hochtaunuskreis. "Das ist sehr erfreulich, denn die Kreiskonferenz ist ausdrücklich nicht zur Pflichtsitzung erklärt worden. Die außergewöhnlich große Beteiligung zeigt aber auch, dass sich unsere Vereine mit den aktuellen Problemen intensiv auseinandergesetzt haben und beim Verband Gehör finden wollen", sagte der Kreisfußballwart, der angenehm überrascht war über die Teilnahme von 96 Personen. 86 hatten sich per Video in den Chat eingeloggt und weitere 10 via Telefonleitung.

Die weiteren Ergebnisse der Abstimmung, bei der die Funktionäre (jeweils einer pro Verein) für die drei vom HFV vorgegebenen Szenarien in der Reihenfolge beste Option, zweitbeste Option und schlechteste Option die Platzziffern 1, 2 und 3 vergeben haben: Jeweils 5,5 Prozent votierten für eine Fortsetzung der Saison (auch über den 30. Juni hinaus) und für einen Abbruch bei Beibehaltung der bisherigen Auf- und Abstiegsregelung. Die Fortsetzung der Saison sei also nach Ansicht einer deutlichen Mehrheit der Vereinsmitarbeiter die schlechteste Alternative, erläuterte Bernhardt das Votum.

Was passiert bei einem Rückzug?

Neben der Abstimmung über das Spielgeschehen waren im zweiten Teil der virtuellen Zusammenkunft ausdrücklich auch Fragen erwünscht. "Wie wird der freiwillige Rückzug einer Mannschaft behandelt?" wollte Jörg Menkhoff vom FSV Steinbach wissen. Antwort Bernhardt: "Grundsätzlich muss bis zum 15. Mai ein entsprechender Antrag gestellt werden, wobei ich nicht weiß, ob angesichts der aktuellen Situation eine Fristverlängerung möglich ist. Eine Mannschaft, die zurückgezogen wird, muss laut Satzung zwei Klassen tiefer beginnen." Illing antwortete auf entsprechende Fragen, dass seiner Meinung nach die sofortige Aufnahme des Trainingsbetriebs überhaupt keinen Sinn mache. Zwar habe der HFV nach intensiven Beratungen mit dem Gesundheitsamt Gießen Empfehlungen herausgegeben, die auf der Homepage des Verbands nachzulesen sind (für die Desinfektion von Bällen reichen beispielsweise Wasser und Seife), aber dennoch müssen stets die seit der Vorwoche geltenden Verordnungen des Landes Hessen berücksichtigt werden.

Auch der Nutzung der Sporthalle, die unter Beachtung dieser Verordnungen ab heute wieder möglich sind, erteilte Illing für die Fußballer eine Absage: "Ich empfehle den Vereinen, die Hallen wegen der Ansteckungsgefahr bis zu den Sommerferien nicht zu nutzen." Eine Ausnahme bildet der Lehrgang zum Erwerb der Trainer-C-Lizenz, für den 15 Teilnehmer in der Sportschule Grünberg zugelassen worden sind. Illing: "Dort können wir alle Auflagen erfüllen und betrachten diesen Lehrgang als Art Probelauf für ähnliche Veranstaltungen."

Illing lobte ausdrücklich Thorsten Picha, den Referenten für Qualifizierung im Fußballkreis Hochtaunus, der den nächsten Abschnitt der Trainerausbildung für das Modul "Kinder" frühestens am 23. August beginnen möchte.

Bei den Vereinsvertretern aus der Region, von denen die meisten am Mittwochabend erstmals an einer Videokonferenz der Fußballer teilgenommen hatten, ist diese Form der Kommunikation sehr gut angekommen. Auf eine entsprechende Frage Bernhardts äußerten sich im Chat mehr als 20 Personen sehr positiv. Ingo Wieth (SG Mönstadt/Grävenwiesbach) könnte sich einen solchen Informationsaustausch mit dem Kreisfußballausschuss durchaus alle sechs Wochen vorstellen, Christian Oppermann (SG Oberhöchstadt) hätte nichts dagegen, sich sogar schon alle drei Wochen im Chat zutreffen.

Nach den Ergebnissen an der Basis der 32 hessischen Fußballkreise bleibt nun abzuwarten, welche Entscheidung der Verbandsvorstand des HFV am morgigen Samstag trifft. Die 21 Landesverbände des Deutschen Fußball-Bunds handhaben die Corona-Pandemie sehr unterschiedlich. Während Westfalen den Spielbetrieb bereits am 30. Mai wieder aufnehmen möchte, ruht dieser in Bayern, Thüringen und Mittelrhein bis zum 1. September, da Großveranstaltungen bis zum 31. August verboten sind.

GERHARD STROHMANN

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