+
Mit geballter Faust: Lev Katsman (links) und Samuel Kulczycki, zwei der Top-Talente des TTC OE, feuern sich im Doppel an.

Tischtennis, 2. Bundesliga

Der Teamgeist ist beim TTC OE Bad Homburg ungebrochen

  • schließen
  • Gerhard Strohmann
    schließen

Trotz unsicherer Zukunft zeigen die Spieler eine Top-Leistung. Gegen Leiselheim gelingt ein 6:2-Sieg und der Sprung auf Platz zwei. In den nächsten vier Wochen entscheidet sich, ob es das Ober-Erlenbacher Profi-Team weiterhin gibt und wo es spielen könnte.

Ober-Erlenbach-Welcher Spirit in dieser Saison in der Zweitliga-Mannschaft des TTC OE Bad Homburg steckt, bewies die letzte Viertelstunde im Duell mit dem TV Leiselheim. Eigentlich war der Vergleich mit dem Schlusslicht durch den 3:0-Sieg Samuel Kulczynskis gegen Medardas Stankevicius bereits entschieden. Doch die 180 Fans in der Wingert-Sporthalle wollten am Nachbartisch Publikumsliebling Lev Katsman gegen den ägyptischen Nationalspieler Youssef Abdel-Aziz (18) unbedingt siegen sehen.

Auch die Teamkollegen feuerten aus der Spielerbox den 19-jährigen Russen an, der nach jedem Punkt am Tisch seine Gefühle rauslässt (ob positiv oder negativ) und während der Ballwechsel teilweise im Stile eines Tennisspielers stöhnt. Und Katsman schaffte hochmotiviert den Turnaround. Nach den verlorenen Durchgängen drei und vier gewann er den Entscheidungssatz mit 11:6. Damit ging sein Sieg noch in die Gesamtwertung von 6:2 ein.

Der lautstarken Forderung der Anhänger nach der "Raupe", also auf allen Vieren hintereinander vor der Tribüne zu krabbeln, kamen die Ober-Erlenbacher Youngster nach der gut dreistündigen Spielzeit nur zu gerne nach. Auf den zweiten Platz haben die Profis aus dem Taunus sich verbessert, sportlich läuft alles nach Plan. Aber in Sachen Finanzen klafft ein Loch von mehr als 100 000 Euro, um bis Ende dieses Monats die Lizenz für einen möglichen Aufstieg in die 1. Bundesliga beantragen zu können.

Ungeachtet dieser Sorgen, die Vorstand und Geschäftsführer des TTC OE bedrücken, hat die Mannschaft auch ohne den indischen Spitzenspieler Harmeet Desai (Visum-Probleme) am Samstag ihre Pflichtaufgabe souverän gelöst. Klar, die Spieler hätten sich bei den Verantwortlichen nach Bekanntwerden der finanziellen Sorgen erkundigt, wie Geschäftsführer Mirko Kupfer sagte. Groß ist ihr Wunsch, gemeinsam mit den Ober-Erlenbachern den erstmaligen Sprung in die 1. Liga zu schaffen. Die Ungewissheit über ihre künftige Vereinszugehörigkeit machte sich aber in ihren Leistungen null bemerkbar.

Ein hartnäckiger Widersacher

Die Gäste aus dem Stadtteil von Worms waren ein zwar noch siegloser, aber hartnäckiger Widersacher. Das belegen vier Fünf-Satz-Siege der Gastgeber. Bereits im ersten Doppel hatten sich Katsman und Kulczycki gewaltig strecken müssen. Und das nicht, weil ihre Gegner Stankevicius/Vladimir Anca beide für Tischtennis-Profis groß gewachsen sind. 11:7 gewann das TTC-OE-Doppel im fünften Satz. In den Einzeln mussten Katsman (11:5 im Fünften gegen den englischen Nationalspieler David McBeath) und der genesene Nils Hohmeier (11:8 gegen Stankevicius) alles abrufen. Spätestens nach dem Erfolg von Hohmeier zur 5:1-Führung gab es dann kaum mehr Zweifel am Sieg der Hausherren.

Hohmeier machte sich nach längerer Pause wegen einer Rückenverletzung selbst das schönste Geburtstagsgeschenk. Er wurde am Samstag 22. Noch verletzt ist Kapitän Dominik Scheja, der gegen Leiselheim aussetzte, aber als Motivator mächtig engagiert war. Die Leistungen des Ober-Erlenbacher Quartetts haben bei den Fans den Appetit geweckt auf die nächsten Heimspiele. Am kommenden Samstag gibt der Tabellensiebte 1. FC Köln um 18 Uhr im "Wingert-Dome" seine Visitenkarte ab. Eine Woche später, am 15. Februar, beginnt die Partie gegen Tabellennachbar TTC Fortuna Passau an gleicher Stelle bereits um 17 Uhr. Vielleicht hat die sportliche Führung des TTC OE Bad Homburg dann schon Gewissheit, ob die finanziellen Rahmenbedingungen für einen Aufstieg realistisch zu schaffen sind.

TTC OE Bad Homburg - TV Leiselheim 6:2 (19:14 Sätze):Katsman/Kulczycki - Stankevicius/Anca 3:2 (9:11, 11:5, 11:5, 6:11, 11:7), Sipos/Hohmeier - McBeath/Abdel-Aziz 0:3 (8:11, 6:11, 11:13); Sipos - Abdel-Aziz 3:0 (12:10, 11:9, 11:5); Katsman - McBeath 3:2 (11:4, 9:11, 5:11, 11:9, 11:5); Kulczycki - Anca 3:0 (11:7, 12:10, 11:7), Hohmeier - Stankevicius 3:2 (8:11, 12:10, 9:11, 11:8, 11:8), Sipos - McBeath 1.3 (12:14, 11:6, 7:11, 8:11), Katsman - Abdel-Aziz 3:2 (11:4, 11:8, 7:11, 5:11, 11:6).

 GERHARD STROHMANN/THORSTEN REMSPERGER

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare