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Tennis-Mama spielt sich in die Herzen der Fans

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Von: Thorsten Remsperger

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Zweifache Mutter und Tennisprofi: Tatjana Maria.
Zweifache Mutter und Tennisprofi: Tatjana Maria. © Heiko Rhode

Dass eine internationale Tenniskarriere mit zwei kleinen Kindern möglich ist, beweist Tatjana Maria. In Bad Homburg begeistert sie mit einem weiteren Alleinstellungsmerkmal.

Bad Homburg -Wenn ein Tennisspiel mit Unterbrechungen einen halben Tag dauert, kann das zu einer ganz schönen Nervenbelastung werden - es sei denn, man hat in den beiden Regenpausen seine eigene Tochter als Spielpartnerin dabei. Tatjana Maria duellierte sich gestern mit ihrer Erstgeborenen Charlotte (8) im Fingerspiel "Schere, Stein, Papier".

"Zum Glück war sie da, so dachte ich nicht zu viel ans Match", sagte die derzeit fünftbeste deutsche Tennisspielerin. Als die Regenwolken über dem Taunus verzogen waren und es beim Stand von 6:3, und 3:2 weiterging, hatte die 34-Jährige noch einige knifflige Situationen zu überstehen, ehe sie nach 2:12 Stunden reiner Spielzeit und insgesamt sechs Stunden nach dem ersten Ballwechsel gegen Anastassija Potapova als Gewinnerin feststand. Mit dem 6:3, 5:7, 6:3 zog sie am Montagabend bei den Bad Homburg Open als erste Deutsche ins Achtelfinale ein - und spielte sich in die Herzen der Zuschauer.

Doch nicht nur ihre Spielweise ist unkonventionell und hat viel Sympathiepotenzial. Die Bad Saulgauerin (gebürtig: Tatjana Malek) schlägt die Bälle ja fast alle als Slice, mit der Vorhand und mit der Rückhand. Auch ihr Way of Life darf als Alleinstellungsmerkmal auf der Profi-Tour gelten. Sie ist in diesem Jahrtausend die erste Mutter zweier Kinder, die ein WTA-Turnier gewinnen konnte (im April in Bogota).

In Bad Homburg läuft das jetzt so ab: Während Charlotte mit Papa Charles auf dem Centre Court die Daumen drückt und Oma Margit den Kinderwagen mit der 14-monatigen Cecilia durch den Kurpark schiebt, befindet sich die Mama als Tennisspielerin auf der Überholspur. Als sie sich mit ihrem Mann, der auch ihr Trainer ist, zum zweiten Comeback entschlossen habe, sei das ursprüngliche Karriere-Zeitfenster bis Wimbledon gedacht gewesen.

Mittlerweile ist sie jedoch schon auf dem Sprung in die Top 100 der Weltrangliste und die Verbesserung ihres bis dato besten Rankings (Platz 46 im November 2017) realistisch. "Das ist mein Ziel, ansonsten ist alles Bonus", sagt Tatjana Maria, die ebenso betont, dass ihre Karrierefortsetzung nur wegen der größtmöglichsten Unterstützung ihres Mannes und der Großeltern überhaupt gelingen könne.

Sehr gut möglich, dass Tennisfamilie Maria also noch ein wenig um die Welt jettet. Tochter Charlotte, die dreisprachig aufwächst und für die auch schon Nachbarin Venus Williams als Babysitterin fungierte, wird an der Florida Virtual School durchgehend online unterrichtet; in den USA sei das seit Corona ein immer häufiger praktiziertes Modell, erklärt die "Königin des Slice", die im Interview sehr natürlich rüberkommt. 2001 hatte sie als Tennisprofi begonnen und beispielsweise mit einer lebensbedrohlichen Lungenembolie und dem frühen Tod ihres Vaters Heinrich, einem früheren polnischen Handball-Nationalspieler, schon mehrere schwierige Phasen gemeistert.

Nicht nur im letzten Satz ihres gestrigen Matches, sondern auch im Leben steht Tatjana Maria nun auf der Sonnenseite. Sie möchte dies in Bad Homburg auf "einem Lieblingsbelag" noch möglichst lange genießen. Das wäre auch ganz im Sinne von Charlotte. Im Hotel gebe es öfters Players Partys, verrät die Mama, "sie fragt schon, wann die nächste ist".

Tochter Charlotte (8) und Ehemann/Coach Charles Maria.
Tochter Charlotte (8) und Ehemann/Coach Charles Maria. © Heiko Rhode
Tatjana Maria nach dem Turniersieg in Bogota mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern.
Tatjana Maria nach dem Turniersieg in Bogota mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern. © IMAGO/ZUMA Wire

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