Thomas Weikert in der weihnachtlich geschmückten Limburger Altstadt während der Live-Schaltung ins „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF, wo Moderator Jochen Breyer (links) und Weltklasse-Tischtennisspieler Timo Boll (rechts) als Gesprächspartner warten.
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Thomas Weikert in der weihnachtlich geschmückten Limburger Altstadt während der Live-Schaltung ins „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF, wo Moderator Jochen Breyer (links) und Weltklasse-Tischtennisspieler Timo Boll (rechts) als Gesprächspartner warten.

Deutscher Olympischer Sportbund

Thomas Weikert: „Gehe mit Respekt und Demut in das Amt“

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Es war ein turbulentes Wochenende für den Limburg-Weilburger Sportkreisvorsitzenden Thomas Weikert. Quasi als Tischtennisspieler im Trikot des Verbandsliga-Teams des TTC Elz war er zur Delegiertenversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach Weimar angereist, als neuer Präsident und Nachfolger des zuletzt umstrittenen Alfons Hörmann kehrte er wieder heim in den Landkreis Limburg-Weilburg.

Das Medien-Interesse war entsprechend riesig, der Rummel um seine Person immens. Wer den bislang vor allem als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF in Erscheinung getretenen Juristen mit Kanzlei in Limburg bis dahin noch nicht kannte, wollte natürlich unbedingt wissen, wer denn der Mann mit dem positiven Blick in die Zukunft ist. Noch in der Nacht zum Sonntag bat ihn das ZDF, in die Limburger Altstadt zu kommen. Dort wollte man eine Live-Schaltung ins „Aktuelle Sportstudio“ zu Wege bringen. Dort, in Mainz, war – welch Zufall – mit Weltklasse-Tischtennisspieler Timo Boll ein guter Freund Weikerts der Stargast.

Kritische Fragen im Aktuellen Sportstudio

Moderator Jochen Breyer löcherte Thomas Weikert mit kritischen Fragen. Es ging um die Aufarbeitung der Geschehnisse mit seinem Vorgänger Alfons Hörmann, dem in einer anonymen E-Mail eine „Kultur der Angst“ im DOSB unterstellt worden war. Es ging aber auch um die bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Peking im Februar 2022. Dort wird Thomas Weikert die deutsche Delegation an vorderster Front anführen. Kaum jemand kennt China besser als Thomas Weikert, der als ITTF-Boss regelmäßig Gast im „Reich der Mitte“ war und mit der Mentalität der Chinesen vertraut ist. Er wird Athleten und Betreuerstab bestens und sensibel auf die bevorstehende Situation einstellen und „briefen“ können.

„Wie wollen Sie mit der zerrütteten deutschen Sportfamilie umgehen?“, wollte Jochen Breyer wissen. „Wir gehen das behutsam, aber rasch an. Bereits am Dienstag werde ich nach Frankfurt fahren, um mit den DOSB-Mitarbeitern zu sprechen“, sagte Thomas Weikert auf dem nächtlichen, weihnachtlich beleuchteten Kornmarkt im Herzen Limburgs. Auch Timo Boll ist sich sicher, dass Thomas Weikert genau der Richtige für den Neuanfang Aufbruch ist: „Thomas ist ein sehr umgänglicher Mensch. Angst muss bei ihm ganz gewiss niemand haben.“ Er regte an, dass man sich im DOSB in Bezug auf den Spitzensport umorientieren müsse, was die Qualität und die Quantität der Trainer angehe. „Wenn ich andere Nationen sehe, da hat jeder Spitzenspieler einen eigenen Trainer samt Umfeld. Davon können wir nur träumen.“

Ruhe in zerrütteten DOSB bringen

Es sind der Aufgaben viele, die auf Thomas Weikert warten. Der Vorsitzende des Sportkreises Limburg-Weilburg war in Weimar mit einem klaren Votum auf die Reise geschickt worden. 361 hatten für ihn gestimmt, nur 56 für seine Gegenkandidatin Claudia Bokel. Thomas Weikert muss schnellstens Ruhe in den zerrütteten DOSB bringen. Er geht mit einer neuen Mannschaft an den Start, die für Aufbruch und Modernisierung steht.

Seine Visionen hat er in seiner eindrucksvollen Bewerbungsrede in Weimar zum Ausdruck gebracht. Seine Ziele wolle er auf vier Säulen bauen: 1. dem Sport eine starke Stimme geben, 2. die Vielfalt und Einheit stärken, 3. klare, gemeinsame Ziele für eine bessere Zukunft setzen, 4. einen modernen, gleichwertigen, intensiven DOSB bauen, „damit die Menschen uns wieder vertrauen zu können“. Thomas Weikert spannte den Bogen vom Breiten-/Amateur- zum Spitzensport an seinem eigenen Beispiel: Thomas Weikert spielt Tischtennis für seinen TTC Elz und war zugleich bislang Präsident der ITTF. Noch dazu ist der 60-Jährige seit zwei Monaten Vorsitzender des Sportkreises Limburg-Weilburg. Mit seiner Rede, in der der Träger des Bundesverdienstkreuzes auch den Aufbruch ins digitale Zeitalter als Lehre aus der Pandemie ansprach, die Bedeutung des Ehrenamts und den von der neuen Regierung geplanten „Entwicklungsplan Sport“, aber auch von Klimaschutz und Inklusion sprach, hatte er die Versammlung überzeugt und abgeholt. Spätestens jetzt wusste auch der Letzte im Saal, dass Thomas Weikert der richtige Mann am richtigen Ort ist.

Nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses sagte der neue DOSB-Präsident: „Ich danke den Mitgliedern für das Vertrauen, das sie mir entgegenbringen. Der Verband steht ebenso wie Sportdeutschland vor großen Aufgaben. Kurzfristig im Fokus stehen die Bewältigung der Corona-Krise sowie die Olympischen Spiele von Peking. Ich verstehe mich als Mannschaftskapitän eines starken Teams und bin überzeugt, dass wir gemeinsam, mit Transparenz und Offenheit, die richtigen Weichenstellungen vornehmen werden, um dem Sport in Deutschland wieder eine starke Stimme zu geben. Ich freue mich, dass ich die Chance bekommen habe, zu beweisen, dass ich zwar oft Anzug trage, aber immer Trikot denke.“

Eines muss Thomas Weikert allerdings klar sein: An seinen Worten wird er sich in den nächsten Monaten messen lassen müssen.

Stimmen aus dem NNP-Land zur Wahl Thomas Weikerts zum neuen DOSB-Präsidenten

Landrat Michael Köberle: „Wir alle gratulieren Thomas Weikert zur klaren Wahl zum DOSB-Präsidenten. Wir sind stolz darauf, dass nun ein Bürger aus unserem Landkreis erstmals dieses hohe Amt bekleidet. Dadurch wird die Verbindung der Region mit dem Sport auch auf internationaler Ebene noch intensiver. Darüber hinaus wünschen wir ihm viel Glück bei der Bewältigung der großen Herausforderungen. Ich bin mir sicher, dass er diese Aufgaben aufgrund seiner großen Erfahrung und Haltung unprätentiös meistern wird. Wir wünschen ihm dabei viel Glück und Gottes Segen.“

Ulrich Hadaschick (Vorsitzender des TTC Elz): „Wir vom TTC Elz sind natürlich hocherfreut, dass Thomas die Wahl so eindeutig gewonnen hat, aber auch stolz zugleich, einen solch engagierten Mann schon jahrzehntelang in unseren Reihen zu wissen. Für unseren Verein war und ist er ein absoluter Glücksfall, für den Tischtennissport hat er in seinen Positionen Bemerkenswertes geleistet. Und nun wird er dem Sport überhaupt neue Impulse verleihen und dafür sorgen, wieder mehr Anerkennung und Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Unser Verein und ich sind davon überzeugt, und wir wünschen ihm alles Gute und eine glückliche Hand.“

Martin Rumpf (stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises Limburg-Weilburg, Vorsitzender des Leichtathletikkreises Limburg-Weilburg, Vizepräsident des Hessischen Leichtathletik-Verbandes): „Ich gratuliere Thomas und dem deutschen Sport zu dieser richtungsweisenden Wahl. Ich bin sehr stolz, im Sportkreis der Vertreter von Thomas Weikert sein zu dürfen und bin mir sicher, der gesamte Landkreis Limburg-Weilburg ist stolz auf diese Wahl. Für Thomas wird das eine Herkulesaufgabe, wir vom Sportkreis werden ihn unterstützen, wo es geht. Ein kompletter Neuanfang wird die große Chance für den DOSB sein. Das ist mit der Wahl von Thomas bereits gelungen.“

Giuseppe Petronio (Trainer beim Boxring Condor Limburg): „Ich erhoffe mir als Trainer mehr Transparenz und weniger Bürokratie. Und dass auch die sogenannten Randsportarten mehr Beachtung finden.“

MARION MORELLO

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