Vor der Vollendung seines 60. Lebensjahres und möglicherweise vor neuen, großen Aufgaben: Thomas Weikert.
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Vor der Vollendung seines 60. Lebensjahres und möglicherweise vor neuen, großen Aufgaben: Thomas Weikert.

Porträt

Thomas Weikert wird am Montag 60 und will Sportdeutschland in eine gute Zukunft führen

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Er kann sich zwar ohnehin nicht über fehlende Arbeit beklagen, aber dieser Tage geht es auch für seine Verhältnisse relativ turbulent zu. Am kommenden Montag, wenn ein abermals aufregendes Wochenende hinter ihm liegen wird, möge er für einen Moment innehalten und auf die letzten sechs Jahrzehnte zurückblicken, denn am 15. November wird Thomas Weikert 60 Jahre alt. Der amtierende Präsident des Welt-Tischtennis-Verbandes (ITTF) hat viel erlebt, viel gemacht und wenig davon bereut.

Thomas Weikert, hauptberuflich Anwalt für Familien- und Sportrecht mit Kanzlei in Limburg, führt die ITTF noch wenige Tage an. Für eine neue Legislaturperiode steht er nicht zur Verfügung; das hat er schon sehr früh verkündet. Er interessiert sich für eine ganz andere Aufgabe: die Nachfolge von Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Bei der Wahl am 4. Dezember in Weimar wird Thomas Weikert mindestens zwei Gegenkandidaten haben: Claudia Bokel, Vizepräsidentin des Deutschen Fechterbundes, und CSU-Politiker Stephan Mayer. Am morgigen Sonntag wird sich das Trio in Düsseldorf den Mitgliedsorganisationen offiziell vorstellen. Wie der DOSB mitteilte, habe sich die Kommission unter Leitung des Bundespräsidenten a.D. Christian Wulff mit einer „großen Bandbreite an Kandidatinnen und Kandidaten intensiv ausgetauscht“. Weikert, Bokel und Mayer hätten demnach „eine klare Vorstellung von den Herausforderungen dieses Amtes“ und seien gut in der Lage, „dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden“.

Für Thomas Weikert könnte also ein neues, aufregendes Kapitel beginnen. Er ist es inzwischen gewohnt, auf der ganz großen internationalen Bühne des Sports mitzuspielen. In seiner bald zu Ende gehenden Funktion im Tischtennis-Weltverband weilte er zuletzt unter anderem bei den Olympischen Spielen und den Paralympics in Tokio.

Mit beiden Beinen auf dem Boden

Thomas Weikert ist ein Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden und im Leben steht, kennt die Basis genauso gut wie den Spitzensport. In seiner besten aktiven Zeit hat er in der Tischtennis-Bundesliga beim TTC Grün-Weiß Bad Hamm und beim TTC Wibau Herbornseelbach gespielt und stärkt aktuell und seit vielen Jahren das erfolgreiche Verbandsliga-Team des TTC Elz an der Platte. Von 2005 bis 2015 war er der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), ehe es ihn zum Weltverband zog.

Irgendwie ist er immer der richtige Mann am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Ob das auch für den Deutschen Olympischen Sportbund zutrifft, wird sich zeigen. „Wenn man antritt, hofft man natürlich auch, gewählt zu werden. Ich gehe mit Respekt und Demut an ein solches Amt heran“, sagt der Limburger. Wenn man ihn kennt, weiß man, dass er das sehr ehrlich meint. Wie sehr ihm der Sport am Herzen liegt, zeigt das Amt, das er erst seit exakt sechs Wochen ausübt: Einstimmig war er von den Sportvereinen in seinem Heimatkreis Limburg-Weilburg zum neuen Sportkreisvorsitzenden gewählt worden - für jedermann ansprechbar und bereit, die Ärmel hochzukrempeln.

Eines ist Thomas Weikert sehr wichtig: „Die Pandemie hat gezeigt, dass der Sport in Gesellschaft und Politik nicht so wahrgenommen und wertgeschätzt wird, wie es notwendig ist. Der (Breiten-)Sport muss wieder eine sehr laute Stimme bekommen. Alle - und das ist eine Querschnittsaufgabe - müssen erkennen, dass Sport in den Vereinen, im Wesentlichen unterstützt von den Ehrenamtlern, sowie in den Kindergärten und Schulen sehr bedeutend ist, um unsere Gesundheit zu schützen und Negativfolgen zu vermeiden.“

Thomas Weikert ist ein Mann, der nie nur im Großen, sondern auch im ganz Kleinen denkt und handelt.

Was ihn an all seinen Aufgaben so sehr reizt, erklärt Thomas Weikert: „Mir liegen die Einheit, eine bessere Stimme für den Sport in der Gesellschaft und das Thema ,Safe Sport‘ besonders am Herzen.“ Am Herzen liegen und lagen ihm stets auch die unangenehmen Themen, die zum Sport leider auch dazu gehören. Für seinen Kampf gegen Doping und für ein vereintes koreanisches Tischtennis-Team hat ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 2018 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Thomas Weikert ist kein Aufwand zu groß, für eine bessere Sportwelt zu kämpfen. Ganz nebenbei ist er im Übrigen Gastprofessor an der Shanghai University of Sport.

Spenden statt Geburtstagsfeier

Thomas Weikert ist stets bescheiden geblieben. Auch seinen 60. Geburtstag am Montag wird er nicht feiern. Die Pandemie lasse das nicht zu, sagt er. Er verzichtet und spendet stattdessen für den Lions Förderverein Limburg-Nassau und den Verein Kinderhilfe-Organtransplantation. Und was wünscht er sich persönlich nach sechs ereignisreichen Lebensjahrzehnten? „Ich habe bisher viel Glück im Leben gehabt, wenn das nur annähernd so bleibt, bin ich sehr zufrieden.“ MARION MORELLO

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