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Hände zum Himmel: Tilahun Babsa

19. Kreisstadtlauf

Tilahun Babsa: Der gelbe Blitz

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Dass Tilahun Babsa ein außergewöhnlicher Läufer ist, zeigte er schon auf den ersten Metern des diesjährigen Kreisstadt-Laufs. ?Er war schon nach dem Start mit 15 Metern Vorsprung weg?, berichtete der beste heimische Läufer Tim Lipecki.

Tatsächlich wirkte der Premierengast aus Äthiopien in seiner neongelben Laufkleidung wie ein seltenes Naturphänomen – ein Blitz, der von Hofheim nach Höchst gesprintet war. Mit seiner Zeit von 30:45 Minuten, die er im Ziel mehr oder weniger emotionslos zur Kenntnis nahm, pulverisierte der 20-jährige Flüchtling den Streckenrekord von Frank Kayele aus dem Jahr 1999 (31:28 min.). „Er ist eigentlich auf 1500- oder 5000 Meter-Strecken am stärksten“, erklärte sein Förderer Kurt Stenzel. Der Trainer von Spiridon Frankfurt hatte Babsa vor knapp anderthalb Jahren unter seine Fittiche genommen: „Ich unterstütze ihn so gut es geht, allerdings sind die Sprachbarriere und der fehlende deutsche Pass große Probleme.“ Der „ungeschliffene Diamant“ (Stenzel) aus Ostafrika müsse eigentlich anders gefördert werden, um sein ganzes Potenzial entfalten zu können. „Ich würde gerne an größeren deutschen Meisterschaften teilnehmen“, erklärt er selbst. Bis dahin scheint ist es aber noch ein langer Weg. Wenn Stenzel aber anfängt, von Babsas Flucht zu erzählen, werden diese Probleme ganz klein.

So sei der junge Mann von der verfolgten Volksgruppe der Oromo nach vielen traumatisierenden Erlebnissen wie einem Gefängnisaufenthalt über das Mittelmeer nach Europa geflohen. „Er hat seinen Vater und seinen Bruder verloren und wäre fast ertrunken“, berichtet Stenzel. Nach einem zweimonatigen Aufenthalt in einer Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Oberursel sei Stenzel über einen befreundeten Pfarrer in Kontakt mit Babsa gekommen. Nun feilen die beiden an der Lauf-Karriere des jungen Afrikaners.

„Er ist extrem schnell auf den kurzen Strecken. Da kann er schon mithalten“, lobt Stenzel seinen Schützling, „leider geht es in meiner Trainingsgruppe aber um Langdistanzen und Marathon“. Mit seinem Auftritt beim Leberecht-Lauf hat der Äthiopier für Aufsehen gesorgt und steht nun vor der Wahl, sich entweder mit 20 Jahren zum Mittel- oder Langdistanzler umschulen zu lassen oder doch auf der Bahn zu bleiben. Man möchte dem neuen Rekordhalter in jedem Fall viel Erfolg wünschen.

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