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Titel-Jubel: 1. FC Oberursel krönt "ein geiles Jahr"

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Von: Robin Kunze

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"Hey! Hey! Wer nicht hüpft, ist Mammolshainer!" Der 1. FC Oberursel um seinen Erfolgstrainer Mehmet Cetin (schwarze Hose) schnappte dem FC Mammolshain am letzten A-Liga-Spieltag noch den Titel weg - und konnte sich dabei eine kleine Spitze nicht verkneifen.
"Hey! Hey! Wer nicht hüpft, ist Mammolshainer!" Der 1. FC Oberursel um seinen Erfolgstrainer Mehmet Cetin (schwarze Hose) schnappte dem FC Mammolshain am letzten A-Liga-Spieltag noch den Titel weg - und konnte sich dabei eine kleine Spitze nicht verkneifen. © Gerhard Strohmann

Mit einem 5:1 (3:1) über den TV Burgholzhausen holt der 1. FC Oberursel in der letzten Partie der Saison den Titel in der Kreisliga A - ohne an den vorangegangenen 27 Spieltagen auch nur ein Mal die Tabelle angeführt zu haben. Diese Punktlandung wurde am Sonntagnachmittag feuchtfröhlich auf der Stierstädter Heide zelebriert.

Oberursel -Das hatte sich Mehmet Cetin selbst zuzuschreiben: Der Coach des 1. FC Oberursel forderte im Vorfeld des Saisonfinales gegen den TV Burgholzhausen, dass der Sportplatz an der Stierstädter Heide brennen müsse - und wenn's brennt, das wussten seine Spieler, muss man eben löschen. Folgerichtig bekam Cetin nach dem letzten Abpfiff der Spielzeit 2021/22 eine zünftige Bierdusche verpasst. "Immer dieses stinkende Zeug", protestierte der Trainer, mit tropfnassen Haaren und Klamotten - aber trotzdem nur leise. Zu groß war die Freude, vor rund 250 Zuschauern den Titel auf den letzten Drücker feiern zu können.

"Ich glaube, er war ein bisschen angespannt, hat zur Begrüßung gleich gefragt, was wir denn so vorhätten", berichtet Marco Zinnert, Interimstrainer der Gäste. Spielverderber wurde Burgholzhausen am Ende zwar nicht, probiert hatten es die Gäste aber. Mit gut organisierter Defensive und keiner Scheu vor Zweikämpfen zwang der TVB die Hausherren häufig zum langen Ball. Das 1:0 bereitete Lasse Finn Boermans noch schön von links für Manush Mirzai vor (15.), das 2:0 erzielte er dann selbst - nach einem weiten Pass in die Tiefe des Feldes (34.), allerdings aus abseitsverdächtiger Position.

Wirklich gefährlich wurden die Gäste nur selten, so dass der Anschluss eine gewisse Aussagekraft hatte: Der ansatzlose Linksschuss von Patrick Albert (41.) bedeutete für den FCO: 'Eure Führung und Meisterschaft stehen noch auf tönernen Füßen'. Beeindrucken ließen sich die Gastgeber vom 2:1 aber nicht. Schon vier Minuten später nutzte Nils Fischer einen weiteren langen Ball per technisch perfekter Mitnahme und einem Volley ins lange Eck zum 3:1 (45.).

Nils Fischer sorgt für die Entscheidung

Nach dem Seitenwechsel wurde der TVB mutiger und präziser im Passspiel. "Wir waren dann mindestens ebenbürtig, haben unsere Chancen aber nicht genutzt", so Zinnert, der seinen Spielern keinen Vorwurf machen konnte. Gleiches galt für Cetin, denn das Team des Gastgebers blieb bis zum Schluss konzentriert. Mit einem verdeckten Schuss aus elf Metern erzielte Fischer das 4:1 (73.), nachdem Kapitän Adrian Sobotzik mit viel Dynamik über den linken Flügel in Richtung Strafraum gezogen war. Kurz zuvor hatte man Cetin noch in Richtung seiner Elf fragen hören: "Wann macht ihr endlich den Deckel auf dieses Spiel?"

Als Mirzai in der Nachspielzeit das 5:1 erzielte, war auf der Bank bereits die Meisterschafts-Party ausgebrochen (siehe nebenstehenden Text). Nach dem Abpfiff gab es dann kein Halten mehr, Spieler, Trainer, Betreuer - alle lagen sich in den Armen. "Ich bin froh, dass dieses Spiel jetzt um ist, denn in den letzten zwei Wochen war es schwierig, sich auf andere Dinge zu konzentrieren", so Cetin, "doch vor allem bin ich überglücklich. Heute vor sieben Jahren bin ich mit Eintracht Oberursel am letzten Spieltag Meister geworden. Dass es jetzt wieder geklappt hat . . . Es war einfach ein geiles Jahr!"

Wenn die Freude den Schmerz und den Aberglauben übertrumpft

Anderthalb Minuten waren in der regulären Spielzeit noch zu bestreiten, da konnten sie an der Bank des FC Oberursel nicht mehr an sich halten. Mit hastigen Handgriffen wurden die weißen Shirts mit der besonderen Aufschrift herausgekramt. "Weg damit, das Spiel läuft noch", gab der eine zu bedenken. "Ach, was haben wir denn noch? Zwei Minuten", entgegnete ein anderer. Trainer Mehmet Cetin war schon bereit, das Oberteil überzuziehen, hielt dann aber inne. Sein Team führte zwar mit 4:1, doch der Coach wollte kein Risiko eingehen. "Wir warten noch. Ich habe im Fußball schon alles erlebt", lautete seine Direktive.

Die hatte allerdings nur handgestoppte 30 Sekunden Bestand. Dann streifte sich Cetin das graue Trainingsshirt vom DFB-Stützpunkt vom Leib - dabei war es doch sein ausgemachtes Glücksbringertextil. Doch das Hemd mit der Aufschrift "KREISLIGA MEISTER 2022" war jetzt einfach zu verlockend. Rasch folgten einige Bankspieler dem Vorbild des Übungsleiters - und prompt ertönte ein Schmerzensschrei vom Feld. Cetin schaute hastig aufs Grün - und sah seinen Kapitän wimmernd am Boden liegen. Hatte er sich zu früh vom Talisman getrennt? Nein, Adrian Sobotzik gab zu verstehen, dass er "lediglich" einen Krampf im Bein hatte. Nach den etlichen Kilometern, die der Linksverteidiger auf dem Weg zum Titel abgespult hatte, war das kein Wunder. "Den Krampf löschen wir gleich mit Bier", schallte es von der Bank. Gesagt, getan. Nur wenige Minuten nach seinem Schrei war Sobotzik wieder zu hören. Diesmal vor unbändiger Freude. Der Spielführer tanzte mit einer Magnum-Flasche Sekt - und jeder Schmerz und Aberglaube war wie verschwunden.

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