Hat nicht nur auf dem Feld alles im Blick: Tobias Hahn. foto: imago
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Hat nicht nur auf dem Feld alles im Blick: Tobias Hahn.

Handball: Ein früherer Wallauer bleibt auf Top-Niveau

Tobias Hahn hängt ein Jahr dran

  • Volker Hofbur
    vonVolker Hofbur
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Der Linkshänder ist beim Zweitligisten Hüttenberg heimisch geworden

Hüttenberg -In Wallau fing für Tobias Hahn alles an. Als 17-Jähriger scheiterte der Handballer der SG Wallau/Massenheim mit seinem Regionalliga-Team knapp am Aufstieg in die Zweite Bundesliga und wurde anschließend mit der A-Jugend - dabei waren die späteren Bundesligaspieler Michael Allendorf und Tobias Schimmelbauer - deutscher Meister. In Wallau stieg er ein Jahr später in die Zweite Bundesliga auf, ging dann mit den Wallauern in die HSG Frankfurt RheinMain und 2011 zum Bundesligisten HSG Wetzlar. Sechs Jahre später wechselte der Linkshänder 2017 zum Zweitligisten TV Hüttenberg. Und nun hat der 33-Jährige für die kommende Spielzeit in der Zweiten Bundesliga verlängert. "Ich habe für ein Jahr verlängert, muss auch an meine Frau und mich denken. Ich muss auf meinen Körper schauen", erklärt Tobias Hahn, der als schwerste Verletzungen einen Kreuzbandriss 2012 und einen Teilabriss an den Adduktoren im Oberschenkel hatte. "Sonst gab es zum Glück nichts", sagt Hahn.

Obwohl er nun in Wetzlar heimisch geworden und seit dem vergangenen Sommer verheiratet ist, denkt er auch mit etwas Wehmut an die Zeit in seiner Heimat zurück. "In Wallau sind damals in der Zweiten Bundesliga die Lichter ausgegangen. Dann begann das Projekt der HSG Frankfurt Rhein Main mit der TSG Münster. "Dort wollten die Verantwortlichen es allen Recht machen und haben zudem die Ansprüche sehr hoch gesetzt. Man hat alles in allen Bereichen zusammen geschmissen, wobei es überall gerieben hat. Den Versuch war es wert, aber der Beschluss, die eingleisige Zweite Bundesliga zu schaffen, hat dem Projekt den Todesstoß versetzt", blickt Tobias Hahn zurück, "aber es war für mich eine wertvolle Erfahrung". Als dann die Mittel immer weniger wurden, wechselte Hahn im Januar 2011 zum Bundesligisten HSG Wetzlar. "Alle Spieler hatten Ausstiegsklauseln, und einige Spieler hatten den Verein bereits verlassen", erklärte der frühere Massenheimer, der dann in Wetzlar in der Bundesliga aktiv war.

Vollzeit arbeiten

und 2. Liga spielen

Dort begann er bei einem Sponsor - einer Luftfrachtspedition - eine Ausbildung als Speditionskaufmann. "Da bin ich nach meiner Ausbildung geblieben. Ich arbeite 40 Stunden und bin richtiger Amateur", erklärt Hahn, der sich sein Standbein nach dem Leistungssport geschaffen hat. Um acht Uhr beginnt sein Tag auf der Arbeit, anschließend geht es jeden Abend ins Training und um neun Uhr abends kommt er müde nach Hause. "Das zieht sich schon, zumal meine Frau und ich beide früh rausmüssen. Und am Wochenende spielen wir", beschreibt er seinen Tagesablauf.

Mit Corona muss auch der TV Hüttenberg leben. "Ich finde es schwierig", erklärt Hahn, "ich verstehe, dass man in der Zweiten Liga den Leuten etwas bietet. Doch verstehen das viele nicht, warum wir spielen und sie sich nicht mit Freunden treffen dürfen". Die Pandemie scheint der Verein gut im Griff zu haben. "Wir werden zwei Tage vor jedem Spiel getestet. Bei meiner Arbeit bin ich in Homeoffice. Für mich ist es ein Privileg, dass ich mit meinen Teamkollegen trainieren darf. Ich fühle mich relativ sicher, aber wir haben gesehen, wie viel schon bei vielen anderen Vereinen passiert ist, und nehmen es nicht auf die leichte Schulter", weiß Hahn es zu schätzen, sieht aber auch die Problematiken: "Die Saison geht bis zum 26. Juni. Anfang September soll die neue Saison starten, eine Woche vorher der Pokal. Da bleibt die Regeneration auf der Strecke. Da muss man sehen, wie man das macht." Natürlich war es auch für Hahn eine Umstellung: "Am Anfang war es komisch, ohne Publikum zu spielen. Mittlerweile ist es normal geworden."

Ein weiterer Faktor ist auch für Hahn das Wirtschaftliche. "Wir trainieren und spielen komplett, haben aber etwa 80 Prozent weniger Einnahmen durch die fehlenden Eintrittsgelder. Wir haben keine Fernseheinnahmen und eine Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Ohne die Unterstützung des Staates und Landes wäre es für die Vereine vorbei, zumal auch noch ein Mehraufwand durch die Corona-Tests für den Verein besteht. Die Frage ist für Hahn, der sich auch seine Gedanken macht: "Es wird für die Vereine ja immer schwerer, weiter zu machen. Wir brauchen Sponsoren, aber auch für sie wird es durch die Pandemie immer schwieriger. Wie soll das weitergehen?"

Nun hofft Tobias Hahn, in der kommenden Spielzeit eine normale Saison in der Zweiten Liga zu bestreiten: "Ein Jahr mache ich noch. Da möchte ich gerne noch einmal vor Zuschauern spielen." Seinen aktuellen Trainer Johannes Wohlrab, der bei seinen Vorgängern Co-Trainer war, kennt Hahn schon aus aktiven Zeiten. "Bis November hatten wir drei Punkte, dann haben wir ab Dezember stark gespielt und stehen jetzt mit 17 Punkten relativ sicher in einer Klasse, in der jeder jeden schlagen kann. Wir haben nicht mehr so einen großen Druck", sagt Hahn und hofft, seine nächste Saison in der Zweiten Liga zu bestreiten. Volker Hofbur

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