+
Kevin Haack (rechts) mit dem U 12-Weltmeister Dommaraju Gukesch aus Indien.

Schach

Liederbacher Kevin Haack unter die Top 100 bei der Schach-WM

Während seine Schulkameraden des Schwalbacher Albert-Einstein-Gymnasiums die Schulbank drückten, spielte Kevin Haack (SC Bad Soden) bei der Santiago World Cadets Chess-Championships mit weiteren 27 deutschen Nachwuchskräften im spanischen Santiago de Compostela um Weltmeisterschafts-Ehren.

Schulfrei – schön und gut. Kevin Haack muss den Lehrstoff nachholen. Erholung war das für den Zwölfjährigen nicht, allenfalls ein wenig Sightseeing und kurzweilige Treffs mit den Eltern. An elf Spieltagen war volle Konzentration, strategisches Denken und kombinatorische Fähigkeiten auf hohem Niveau erforderlich. Nachlässigkeiten wurden hart bestraft.

Spielbeginn war im Kulturzentrum von Santiago „Cidade de Cultura“ um 10.30 Uhr . Doch die Vorbereitung auf die Spiele begann schon weitaus früher. „Gut zwei Stunden vorher habe ich mich vorbereitet. Auf der Chess-Base habe ich mir die Eröffnungen der Gegner eingeprägt“, bemerkt der Liederbacher, der mit 1911 Elo-Punkten unter 200 Spielern in diese WM startete. Am Ende spielte er eine Elo-Performance von 2003. Das war nach Landsmann Bao Bui (2018) der zweithöchste Wert aller Altersklassen im deutschen Team.

Seine Weltmeisterschafts-Premiere war auch mit einer gewissen Nervosität verbunden. Sie bekämpfte Kevin Haack mit ungeduldigem Kauen an einer Schnur des offiziellen WM-Kapuzen-Pullis. Da konnten auch Vater Torsten und Mutter Kyoung Lang nicht helfen. Das musste das Nachwuchstalent allein durchstehen. Die Nervosität war nach den ersten Spielzügen aber schnell verflogen.

Als Handicap erwiesen sich sprachliche Barrieren. Kevin Haack konnte nicht mit dem Gegner sprechen. „Das ist schon von Bedeutung, um dem Gegner ein Remis anzubieten oder mitzuteilen, dass man aufgibt“, so der Zwölfjährige. Gespielt wurde nach dem Schweizer System. Das hieß für ihn, dass er elf Partien absolvieren musste. Die Bilanz – fünf Siege, zwei Remis und vier Niederlagen. Am Ende waren das 6,0 Punkte und Platz 67 unter 200 Spielern. „Damit habe ich mein Ziel, unter die ersten Hundert zu kommen, erreicht. Die WM war für mich ein tolles Erlebnis“, fällt die WM-Bilanz von Kevin Haack positiv aus.

Doch der ehrgeizige Gymnasiast kehrte auch mit ein wenig Verdruss in die hessische Heimat zurück. Er ärgert sich, dass er die Spiele Nummer zehn und elf gegen Elie Milikow (Israel) und Diago Vergara (Spanien) verloren hatte. Das wären sonst 8,0 statt 6,0 Punkte gewesen und hat ihn eine Platzierung unter den Top Ten gekostet. Und dann ist da auch noch das Spiel gegen Landsmann Bao Bui. „In Deutschland habe ich gegen ihn gewonnen. In Spanien war ich in Zeitnot und habe deshalb verloren“, resümierte Kevin Haack, der stark in das Turnier startete.

Schade nur, dass Oma Ingrid in Frankfurt alle Spiele ihres Enkels nur auf der Homepage des Veranstalters verfolgen konnte. Als positive Ausreißer sind jedoch die Spiele gegen den Isareli Benny Aizenberg und Brando Pavesi (Italien), die er beide gewann, zu werten. Aizenberg ging am Ende mit 7.0 Punkten, Pavesi mit 7,5 Punkten aus dem Turnier.

Zufrieden war jedenfalls Bundestrainer Bernd Vökler und Haacks WM-Trainer Großmeister Thomas Pähtz. Analysen der Spiele ergaben, dass er in seiner Spieleröffnung variabler werden sollte, um noch erfolgreicher zu sein. Da geht also noch mehr.

2019 steht eine Weltmeisterschaft in Indien an. Dann muss Kevin Haack in der U 14 spielen. „Doch sich da zu qualifizieren, ist schwer. 2020 bin ich auch noch U 14, da ist vielleicht eher was drin“, wagt Kevin Haack einen Ausblick.

(rmü)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare