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Seine schnellen Bewegungen sind für den  Gegenspieler kaum auszumachen: Leon Burggraf in seinem Element.

Spieler des Monats November im NNP-Land

Leon Burggraf: Alles richtig gemacht

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Die Nassauische Neue Presse hat sich bei der Wahl für den "Spieler des Monats November" für Leon Burggraf vom SV Rot-Weiß Hadamar entschieden. In die engere Auswahl kommt hier jeweils ein Fußballer, der auf und/oder neben dem Sportplatz besonders positiv aufgefallen ist.

Samstag, 17. August, 16.10 Uhr, Reckenforst, Dietkirchen. Es ist wie eine Befreiung für den 22 Jahre jungen Mann aus Dehrn. Nach einem harten Lehrjahr in der U23 des Champions-League-Clubs Borussia Dortmund zum Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar zurückgekommen, bringt Leon Burggraf sein neues/altes Team im Derby beim euphorisch aufspielenden Aufsteiger TuS Dietkirchen mit 1:0 in Führung. Es sollte der Beginn einer furiosen Runde mit der Mannschaft von Trainer Stefan Kühne werden. Bis zur Winterpause traf Leon Burggraf satte 20-mal, allein im November machte er sechs Buden. Das will in der beinharten Hessenliga schon was heißen.

Den "Reset" beim SV RW Hadamar hatte man dem schlacksigen, aber dennoch ungemein wendigen und bewegungstalentierten Mann wirklich nicht leicht gemacht. Als sein Neustart in Hadamar bekannt wurde, schlugen ihm regelrechte Anfeindungen entgegen. Er habe zuvor beim TuS Dietkirchen schon so gut wie zugesagt, hatte es seinerzeit geheißen. Wortbruch wurde ihm vorgeworfen. Es wurde wild spekuliert, ob er denn die Freigabe für das kommende Wochenende erhalten und er es tatsächlich wagen würde, ausgerechnet auf dem Reckenforst sein erstes Spiel für den Dietkircher Erzrivalen RW Hadamar zu bestreiten. Der einzige, der in dieser Situation cool blieb, war Leon Burggraf. "Klar, war das nicht so einfach für mich. Und ich wusste, dass ich mir sicher den einen oder anderen fiesen Spruch würde anhören müssen, aber das durfte ich nicht an mich heranlassen", beschreibt er seine damalige Gemütsverfassung. Klar, wusste er selbst nicht so genau, wie es laufen würde. Ein einziges Mal nur hatte er zuvor mit dem SVH trainiert, wusste nicht, wo er stand. Er strafte all seine Kritiker lügen und überraschte sich selbst am allermeisten.

Bei den Hadamarern lief Mitte August noch längst nicht alles rund, viele Automatismen funktionierten noch nicht, die kleinen Rädchen griffen längst nicht störungsfrei ineinander. Aber Leon Burggraf tat, was er am besten kann: Er hatte diese erste und einzige Chance und machte das 1:0 für Hadamar. "In diesem Moment fiel vieles von mir ab, es war ein Stück weit befreiend. Ich hatte in Dortmund ein Jahr lang kaum Spielpraxis bekommen, immer nur trainiert, und war froh, endlich wieder auf dem Platz zu stehen. Dass es aber gleich so gut laufen würde, damit konnte ich kaum rechnen."

Der SV Rot-Weiß Hadamar verlor an diesem August-Samstag mit 1:2 auch das zweite Hessenliga-Punktspiel gegen den TuS Dietkirchen. Der Tiefpunkt sollte aber zugleich der Aufbruch zu einer fantastischen Aufholjagd werden, die die Hadamarer bis zur inzwischen laufenden Winterpause auf den 4. Platz bringen sollte. Maßgeblich daran beteiligt: Leon Burggraf, der 20 der insgesamt 52 Rot-Weiß-Treffer erzielte. Damit ist Leon Burggraf aktuell Torschützenkönig der Hessenliga. Da hat einer wohl alles richtig gemacht.

Für Leon Burggraf war es im Sommer 2018 natürlich eine Riesenumstellung gewesen, zum BVB zu wechseln. In Dortmund ging es morgens ins Trainingszentrum, abends wieder heim. Zeit blieb Leon Burggraf da nur noch für ein Fernstudium im Finanz- und Börsenwesen. "Wenn ich damit fertig bin", sagt der 22-Jährige, "will ich eine Ausbildung zum Ernährungscoach machen. Das ist mein Ding, das interessiert mich total - primär natürlich für mich selbst, aber auch im Hinblick auf den Fußball."

Das in dieser Saison wichtigste Tor war zweifelsfrei dieses 1:0 in Dietkirchen. Welches aber war sein schönstes? "Da gab es schon ein paar", schmunzelt Leon Burggraf. "Gegen Steinbach habe ich eins mit der Hacke gemacht, gegen Friedberg gleich zwei mit dem Kopf; das war schon sehr außergewöhnlich für mich." Die meisten Treffer in einem Spiel - drei an der Zahl - waren ihm beim 6:1 gegen Viktoria Griesheim gelungen.

Viel gelernt beim BVB

Der SV Rot-Weiß Hadamar weiß, was er an Leon Burggraf hat, und der wiederum ist sich sehr wohl darüber im Klaren, dass er nur so gut funktioniert, wie es ihm seine Mannschaft ermöglicht. Und die spielte in den letzten Wochen wie aus einem Guss im Stil einer Spitzenmannschaft. Leon Burggraf hat im blutjungen Alter von 22 schon eine Menge erlebt, hat vor allem in Dortmund ungemein viel mitgenommen: Positives, aber auch Negatives. Beides wird ihm helfen in den nächsten Jahren. Pläne hat er genug. Und wenn er weiter so durchstartet, wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann der nächste Profi-Club bei ihm anklopft. Aber: Leon Burggraf ist vorsichtig geworden: "Ich werde mich jetzt zunächst um meine Ausbildung kümmern. Und wenn ich in zwei, drei Jahren noch einmal die Möglichkeit bekommen sollte, werde ich es vielleicht noch einmal versuchen."

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