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Trainer Loutchan zur Anspacher 1:5-Klatsche: "Hochhochhochverdient"

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Von: Thorsten Remsperger, Wolfgang Bardong

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Schnell geschaltet: Der Dortelweiler Julian Mistetzky (li.) spitzelt Ibrahim Abbouz (FC Neu-Anspach, 2. v. li.) den Ball weg.
Schnell geschaltet: Der Dortelweiler Julian Mistetzky (li.) spitzelt Ibrahim Abbouz (FC Neu-Anspach, 2. v. li.) den Ball weg. © Gerhard Strohmann

Vatanspor gelingt in der Fußball-Gruppenliga mit dem 3:1 beim FSV Friedrichsdorf ein Befreiungsschlag. Tim Pelka schießt den FV Stierstadt zum 5:2-Sieg. Und die Königsteiner Youngster landen am Wiesenborn ihren nächsten Coup.

Hochtaunus -Die Hoffnungen der Sportfreunde Friedrichsdorf auf Schützenhilfe durch den FC Neu-Anspach haben sich am Sonntag nicht erfüllt. Im Spitzenspiel der Fußball-Gruppenliga West unterlagen die drittplatzierten Schützlinge von Jörg Loutchan Tabellenführer SC Dortelweil sang- und klanglos mit 1:5. Damit bleibt es für die Sportfreunde, die ihre Aufgabe beim SV Gronau mit 6:1 ganz souverän gelöst haben, bei zwei Zählern Rückstand auf die Dortelweiler.

Im Kampf gegen den Abstieg machte der in der Winterpause personell kräftig "umgekrempelte" TSV Vatanspor Bad Homburg durch einen 3:1-Sieg beim FSV Friedrichsdorf Terrain gut. Drei sichere Punkte - aber erst dank einer Leistungssteigerung nach der Pause - fuhr auch der FV Stierstadt mit einem 5:2 gegen Schlusslicht SV Steinfurth ein.

DJK Bad Homburg - 1. FC-TSG Königstein 0:4 (0:2): Im Laufduell in der Nähe der Eckfahne ging es nach einer knappen Stunde Spielzeit nicht wirklich um einen entscheidenden Vorteil für die eine oder die andere Mannschaft. Der Spieler der DJK Bad Homburg hatte aber die realistische Chance, noch an den Ball zu gelangen und mit einer Flanke in den Strafraum vielleicht für Gefahr vor dem Tor zu sorgen. Für seinen Gegenüber vom 1. FC-TSG Königstein ging es einfach darum, die Situation zu klären. Und zwar, mit allem, was er hat. Dort, wo es auch wehtun könnte. Also setzte er seinen Körper ein und schlug den Ball ins Seitenaus.

Da platzte Ibrahim Cigdem in der Coaching-Zone der Kragen: "Das ist der Unterschied", rief der DJK-Trainer auf den Platz, "wir ziehen zurück, und die ziehen durch." 0:2 hieß es zu diesem Zeitpunkt am Wiesenborn, am Ende sogar 0:4.

Als Till Sommerfeld im Jubelkreis nach dem Schlusspfiff sein Team gelobt hatte, ging sein Fazit im Gespräch mit der Taunus Zeitung in eine ähnliche Richtung. "In so einem Spiel nach der Winterpause gegen einen Gegner, der eine gute Vorbereitung gespielt und sich verstärkt hat, war klar: Es geht nur über Einstellung und Disziplin. Darauf hatten die Jungs heute richtig Bock."

So manche Statistik in diesem Hochtaunus-Derby der Fußball-Gruppenliga Frankfurt West fiel alles andere als deutlich aus. Beispielsweise, was die Spielanteile und die Anzahl der Tormöglichkeiten angeht. Die waren über 90 Minuten gesehen auf dem kleinen Kunstrasenfeld am Wiesenborn recht gleich verteilt.

Rayan Bouembe Youondjeu, in der Winterpause vom FV Bad Vilbel gekommen, deutete gleich an, wie wertvoll er für die DJK noch sein könnte, verfehlte nach schöner Vorarbeit von Joel Tekie und Paul Scherer mit seinem Schuss aber knapp das Ziel (4.).

Noch genauer nahm es Soufian Chihab. Ein womöglich von den Kirdorfern regelwidrig geführter Zweikampf war seiner Doppel-Chance vorausgegangen, bei der er erst den Königsteiner Finn Doehla kurz vor der Linie und im Nachschuss noch den rechten Pfosten traf (14.).

"Erst haben wir die Chancen nicht gemacht und uns dann von im Schnitt zwei Jahre jüngeren Spielern den Schneid abkaufen lassen", ärgerte sich Cigdem. Die mit gefälliger Spielanlage ausgestatteten Gäste fanden nach einer knapp zehnminütigen Spielunterbrechung schneller wieder in die Partie. FC-TSG-Mittelfeldspieler Krish Raweri war unglücklich gestürzt und mit einer schweren Ellenbogenverletzung vom Platz geführt worden (siehe auch Extra-Text).

Die scheinbar nur wenig beeindruckten Königsteiner schlugen nach "ruhenden Bällen" eiskalt zu. Erst köpfte der allein gelassene Doehla den Eckball von Fabio Buscemi zum Führungstor ein, ehe im nächsten Angriff Buscemi nach einer schnell ausgeführten Ecke diesmal von links auf Aaron Schlünz flankte - 0:2 (37.).

Nach dem Seitenwechsel bäumten sich die Kirdorfer auf, doch Chihab bekam nicht genug Druck hinter seinen Kopfball (52.), und der Flankenlauf von Adam El Maimouni - neben Bouembe Youondjeu auffälligster DJK-Spieler - wurde im letzten Moment gestoppt (53.).

Die Zeit lief fortan für die laufstarken Königsteiner, bei denen es gar nicht so leicht war, jemanden herauszuheben. Die Gäste spielten und kämpften im zweiten Abschnitt nämlich wie aus einem Guss. Nach einer knappen Stunde hätte Schlünz, nachdem Maxim Haböck über den Ball getreten hatten, schon alles klarmachen können, doch Torwart Mert Aydin warf sich ihm in den Weg.

So dauerte es noch 20 Minuten und zwei DJK-Chancen, ehe Schlünz es besser machte. Nach einem Lattenkracher des eingewechselten Ugur Albayrak jagte der Stürmer per Flugkopfball das Leder in die Maschen. Das vierte Tor war dann eine Co-Produktion der Mittelfeldantreiber Alessio Casale und Nico Grill, der überlegt links flach einschob (82.).

Danach wollten gefühlt alle Spieler gratulieren und stürzten auf den Torschützen mit der Nummer acht zu. "Jaaaa, Königstein", schallte es aus der Spielertraube über den Platz.

Tore: 0:1 Doehla (36.), 0:2, 0:3 Schlünz (37., 80.), 0:4 Grill (82.).

FC Neu-Anspach - SC Dortelweil 1:5 (0:3): "Das war die mit Abstand schwächste erste Halbzeit, seit ich Trainer in Anspach bin", wirkte Jörg Loutchan verstimmt. Einstellung, Einsatzfreude, Zweikampfverhalten, Passspiel - seine Mannschaft habe es gegen den Spitzenreiter an allem vermissen lassen. Selbst in der Höhe sei die Niederlage laut Loutchans eigener Wortschöpfung "hochhochhochverdient" ausgefallen. Selbst mit dem in der Winterpause neu verpflichteten Maziar Namavizadeh (vom SV Pars Neu-Isenburg), der durch Sperre noch gefehlt hatte, wäre die Pleite nicht abzuwenden gewesen. Loutchan: "Da hätten wir schon fünf Maziars gebraucht, um gegen Dortelweil vielleicht zu bestehen. Zudem haben wir bei mehreren Toren nur Begleitschutz geleistet, statt energisch zu stören."

Bezeichnend für die gestrigen Kräfteverhältnisse: Anspachs Ehrentor markierte Celil Cetinkaya zum 1:5 - als nur noch fünf Minuten zu spielen waren. Bis zur Pause hatten die Gäste schon die Weichen auf drei Punkte gestellt. Beim 0:1 (14.) hatte Leon Günther leichtes Spiel, zum 0:2 (20.) musste Shahram Hashemi nur noch aus nächster Nähe eindrücken, das 0:3 (41.) erzielte Dominik Steffen nach einer Günther-Ecke völlig blank am langen Pfosten.

"Wenn wir so weiterspielen, bekommen wir heute acht Stück", trichterte Jörg Loutchan seinen Mannen in der Pause ein. Immerhin präsentierte sich der FCNA im Zweikampfverhalten leicht verbessert, ohne jedoch das von Oliver Steffen eingefädelte 0:4 (72.) durch dessen Bruder Dominik Steffen sowie das 0:5 (74.) von Günther verhindern zu können.

Tore: 0:1 Günther (14.), 0:2 Hashemi (20.), 0:3 D. Steffen (41.), 0:4 D. Steffen (72.), 0:5 Günther (74.), 1:5 Cetinkaya (85.).

FSV Friedrichsdorf - TSV Vatanspor Bad Homburg 1:3 (1:0): "Ich bin bedient", meinte Friedrichsdorfs Trainer Metin Yildiz nach dem Abpfiff. Wohl habe sein Team durch Neuzugang Nikolas Pauly (22./nach Kopfballablage von Moritz Kulick) verdient mit 1:0 (22.) geführt. In der Folge ließ sich der ohne vier verletzt fehlende nominelle Stürmer angetretene FSV jedoch "völlig den Schneid abkaufen; in den Zweikämpfen waren wir nicht präsent, außerdem ließen wir vorne jegliche Durchschlagskraft vermissen. Vatan hat aggressiv gespielt und völlig verdient gewonnen".

Das konnte ein rundum zufriedener Sinan Bulut, der Coach des abstiegsbedrohten TSV Vatanspor, nur bestätigen. "Bis zur Pause haben wir den FSV erst mal gewähren lassen - nach dem Wechsel aber zogen wir unsere Marschroute durch, waren jederzeit Herr der Lage und hätten unseren Sieg angesichts von weiteren Torchancen für Daniel und Pierre Massfeller sogar noch ausbauen können", sagte er.

Der vom FV Bad Vilbel gekommene Mohamad Touri leitete den Umschwung direkt nach Seitenwechsel mit dem 1:1 (48.) ein, als er nach einem Freistoß zur Stelle war. Barkan Aksu legte den Ball in der 60. Minute quer zum mitgelaufenen Pierre Massfeller - damit war die Wende zum 1:2 geschafft. Acht Minuten später landete das Spielgerät nach einem Querschläger in der Friedrichsdorfer Abwehr bei Aksu. Dieser täuschte zunächst einen Schuss an, hatte sich damit freie Bahn verschafft und netzte zum 1:3-Endstand ein. "Wir warfen noch einmal alles nach vorne, Zwingendes kam dabei aber nicht mehr heraus", sagte Metin Yildiz. Seine Mannschaft habe sich "bei allen drei Gegentreffern extrem schlecht verhalten - und das ist noch sehr gelinde formuliert".

Tore: 1:0 Pauly (22.), 1:1 Touri (48.), 1:2 P. Massfeller (60.), 1:3 Aksu (68.).

SV Gronau - Sportfreunde Friedrichsdorf 1:6 (0:3): Die Warnungen, mit denen Alexandros Theodosiadis die Aufmerksamkeit seiner Sportfreunde im Vorfeld für den in der Winterpause personell mächtig aufgerüsteten Tabellenvorletzten geschärft hatte, wären nicht nötig gewesen. Die Gäste um ihren dreifachen Vollstrecker Marcus Weinhardt (40./74./88., kam in der Winterpause vom FV Bad Vilbel) hatten von der ersten Minute an alles fest im Griff und zehrten von ihrer 2:0-Blitzführung durch Sebhat Kahsay (2.) und Mohamad Mouma (6.). Kahsay verschoss in der 12. Minute einen Foulelfmeter.

Selbst das 1:3 (70.) durch Elvir Pintol flößte der Partie keine neuerliche Spannung ein. "Wir hatten vielmehr noch weitere Konterchancen, mit denen wir das Ergebnis am Ende leicht noch um einiges deutlicher hätten gestalten können", sagte Theodosiadis.

Tore: 0:1 Kahsay (2.), 0:2 Mouma (6.), 0:3 Weinhardt (40.), 1:3 Pintol (70.), 1:4 Weinhardt (74.), 1:5 Skoczny (86.), 1:6 Weinhardt (88.).

FV Stierstadt - SV Steinfurth 5:2 (2:2): Die frühe 2:0-Führung durch Aleksandar Mastilovic (er staubte einen Pelka-Schuss ab/9.) und einen 15-Meter-Knaller von Tim Pelka (11.) ließ die Gastgeber sorglos werden. "Einige hatten wohl gedacht, die Aufgabe löse sich von ganz alleine. Dem war aber nicht so", berichtete Stierstadts Sportchef Marco Hentsch. Der Tabellenletzte aus dem Bad Nauheimer Stadtteil spürte die sich einschleichende Laissez-faire-Haltung des FV, verkürzte durch Leon Lückel auf 2:1 (14.), ehe Philipp Böhm zehn Minuten später gar das 2:2 (24.) besorgte.

In der Pause muss Stierstadts Trainer Christian Liebig die richtigen Worte gesprochen haben. Jedenfalls war der FV dann wieder Chef im Ring und gestattete den Rosendörflern keine Torchance mehr. Pelka köpfte eine scharf vors Tor gezogene Flanke von Elliot Baba zum 3:2 (51.) ein, ehe Ali Üzer Gästekeeper Lennart Kopf mit einem Fernschuss zum 4:2 (64.) überraschen konnte - die Vorentscheidung. Den Schlusspunkt zum 5:2 (87.) setzten Üzer - als Eckballschütze - und Tim Pelka - als Vollstrecker per Kopf.

Tore: 1:0 Mastilovic (9.), 2:0 Pelka (11.), 2:1 Lückel (14.), 2:2 Böhm (24.), 3:2 Pelka (51.), 4:2 Üzer (64.), 5:2 Pelka (87.).

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